Im Boden steckten Münzen, Scherben, ein Armreif und eine Flasche

Archäologische Funde bei Arbeiten an Kirche in Bad Sooden-Allendorf

Funde aus dem Boden präsentieren Gerhard Rademacher (links) und Dr. Karl Kollmann, im Hintergrund sind die Arbeiten neben der Marienkirche in Bad Sooden-Allendorf zu sehen
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Ein kupferner Armschutz und Scherben: Diese Funde aus dem Boden präsentieren Gerhard Rademacher (links) und Dr. Karl Kollmann, die die Arbeiten an der Marienkirche in Sooden archäologisch begleiten.

Im Umfeld einer Kirche ließen sich die Menschen einst am liebsten bestatten, wähnten sie sich doch so Gott am nächsten. Entsprechend war anzunehmen, dass bei den Erdarbeiten an der Marienkirche in Sooden das eine oder andere Zeugnis alter Gräber zum Vorschein kommt.

Bad Sooden-Allendorf – In der Tat sind, wie Dr. Karl Kollmann von der Arbeitsgemeinschaft Archäologie der Volkshochschule Werra-Meißner bereits nach ersten größeren Erdbewegungen Mitte März berichtete, zwei Skelette entdeckt worden. Beim weiteren Abtrag von Boden an dem Hang auf der Südseite des Gotteshauses tauchten nun nach und nach weitere Funde auf, die von Gerhard Rademacher von der AG gesammelt und gesäubert wurden.

Die Arbeitsgemeinschaft war vom Landesamt für Denkmalpflege gebeten worden, das Projekt der Kirchengemeinde archäologisch zu begleiten. Die Ehrenamtlichen wurden dabei sachkundig unterstützt von Tomasz Pokropiwny, einem Mitarbeiter der Witzenhäuser Baufirma Heppe.

Neben ein paar weiteren menschlichen Knochen, die alle wieder beigesetzt werden, kamen der Teil eines in Zickzackform gefertigten Armreifs aus Messing – wohl eine Grabbeigabe –, ein vermutlich aus Kupferblech hergestellter Unterarmschutz und drei Sargnägel, ein wahrscheinlich von einem Sargbeschlag stammender Ring, sowie ein paar neuzeitliche, rund 200 Jahre alte Keramikscherben – darunter ein bemalter Tellerrand und ein Topfboden – bei den Arbeiten zum Vorschein.

Und in der Nähe des Kircheneingangs lagen insgesamt fünf kleine Münzen im Boden. Die dürften Kirchgängern vor rund 200 Jahren aus den Händen oder Taschen geglitten sein, vermuten Kollmann und Rademacher. Denn es handele sich um Heller, damals kleine Werte, die für den Klingelbeutel gedacht gewesen sein dürften.

Vier der fünf Münzen sind allerdings, und das verwundert die Archäologen etwas, allesamt Anfang des 19. Jahrhunderts im thüringischen Hildburghausen geprägt worden. Und einen Zusammenhang dieser Werrastadt mit Sooden vermögen die Geschichtskenner auf Anhieb nicht herzustellen.

Der Zusammenhang einer Glasflasche ohne Etikett zum Kurbad ist aber schnell hergestellt: „Carl Wachsmuth Bad Sooden“ steht auf dem porzellanen Zapfen des Bügelverschlusses. Öffnen lässt der sich nicht aber nicht – zu stark verrostet.

In der Zwischenzeit sind der Hang abgetragen und eine Stützmauer gegen den Berg hochgezogen worden und hat der Bau eines stufenlosen Zugangs zur Kirche in einem Dreiviertelkreis begonnen. So werden keine weiteren archäologischen Funde mehr erwartet.

Wenn diese alle gesäubert und dokumentiert sind, werden sie zunächst vom Verein für Heimatkunde verwahrt. Bei einem großen Gemeindefest am 26. Juni nächsten Jahres dürften sie aber der interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden. Denn nachdem voraussichtlich im Spätsommer das Projekt Stufenlos abgeschlossen ist, soll es im September zunächst nur einen kleinen Einweihungsakt dafür geben. (sff)

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