Vorsicht, die Kröten wandern wieder

Bitten um Rücksicht für die Erdkröten: Ulrike Zander-Platner (von links), Geert Platner, Andrea Emde und Dr. Christian Platner haben sich jahrelang bei Ermschwerd um den Krötenschutzzaun an der Straße nach Witzenhausen gekümmert. Jetzt gibt es aus Helfermangel keinen mehr – ein Warnschild und ein Tempolimit müssen zum Schutz der Tiere reichen. Foto: Steensen

Ermschwerd. Sieben Jahre lang zog sich im Frühjahr auf bis zu 600 Metern ein Krötenzaun an der Straße zwischen Ermschwerd und Witzenhausen entlang. In diesem Jahr werden die heimischen Umweltschützer jedoch keinen aufstellen.

Daher bitten sie alle Autofahrer, auf der Strecke in den kommenden Wochen besonders vorsichtig zu fahren.

Der Grund für das Aus des Zauns ist ein trauriger: Die Zahl der Kröten sei bereits im vorigen Jahr so stark zurückgegangen, dass sich der Aufwand nicht mehr lohnt, sagt Dr. Christian Platner. Denn auch die Zahl der selbstorganisierten Helfer ist kleiner geworden, die morgens und abends die Sammelbehälter entlang des Zauns prüfen und die Kröten über die Straße tragen.

2010 konnten sie noch 600 Erdkröten einsammeln, 2014 waren es 255 und im vergangenen Jahr nur noch 170 Tiere, berichtet Andrea Emde. Zwar haben man 2015 nur einen kürzeren Zaun aufstellen können als früher - deshalb sind wohl weniger Tiere in den Sammeleimern gelandet. Gleichzeitig könne man davon ausgehen, dass wegen des kurzen Zauns viele überfahren worden sind, so Platner.

Bei Ermschwerd überwintern viele Kröten im Wald am Burgberg, haben die Umweltschützer beobachtet. Zur Laichsaison ziehen die Erdkröten in das Gewässer, in dem sie selbst zur Welt gekommen sind. Dabei handelt es sich laut Platner um Teiche auf der anderen Werra-Seite. Um dort hinzukommen, müssen die Tiere die Landstraße nach Witzenhausen queren.

Los geht die Krötenwanderung in jenen ersten frostfreien Nächten, die wärmer und feucht sind, berichtet Ulrike Zander-Platner. Die Tiere sind vor allem in der Dämmerung aktiv. Weil die Amphibien von der Winterstarre noch relativ ausgekühlt sind, bewegen sie sich nur sehr langsam fort, erklärt Zander-Platner. Auf dem Asphalt der Straße, der die Tageswärme besser speichert als die Umgebung, machen sie dann oft Pause - und werden schnell überfahren.

Die Umweltschützer appellieren daran, vor allem in der Dämmerung und nachts vorsichtig zu fahren und das derzeit an vielen Straßen geltende Tempolimit mindestens einzuhalten oder sogar noch langsamer zu fahren. „Ab einem Tempo von 30 Stundenkilometern entsteht unter dem Auto ein Unterdruck, der die Kröten ansaugt“, sagt Platner. Das überleben die Tiere selten.

Für den Aufbau des Krötenzauns und das Eingraben der Eimer in die feste Bankette hätten sie stets einen ganzen Tag gebraucht - mit 25 Helfern, sagen die Umweltschützer. Diesen Aufwand können sie mit weniger Helfern nicht mehr stemmen. Die Krötenfreunde wollen sich daher dem Team anschließen, das im Naturschutzgebiet Ballertasche bei Hann. Münden Kröten über die Straße hilft. Wer sich anschließen will, kann sich bei Ulrike Zander-Platner, Tel. 0 55 45/96 94 94, melden.

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