Zweites Witzenhäuser Frauenmahl auf Burg Ludwigstein

Wäre Margot Käßmann gern die Ehefrau Martin Luthers gewesen?

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Humorvolle Einlage beim Frauenmahl: Das Trio „Glaubensfrüchtchen“ bewies auf der Bühne ohne große Worte viel Humor. Emilie Birnbaum (gespielt von Dorothea Gertig/von links), Rosi Holzapfel (dargestellt von Dorothea Röger) und Anna Paris (Angelika Amend) zeigten verschiedene alltägliche Situationen lustig und überraschend interpretiert. 

Burg Ludwigstein. „Wir sind reich durch Ihre Tischreden beschenkt worden, wir haben Gutes geschluckt, wir haben nicht geschwiegen und Spaß gehabt.“ Dekanin Ulrike Laakmann fasste am Samstagabend in nur einem Satz gekonnt eine rundum gelungene Veranstaltung zusammen: das zweite Witzenhäuser Frauenmahl.

Satt werden, das war das Ziel, sowohl der Bauch, als auch die Seele. Und nach vier Stunden zuhören, diskutieren, Fragen stellen und angeregten Unterhaltungen, nur unterbrochen von kulinarischen Köstlichkeiten in drei Gängen, waren alle 120 Teilnehmerinnen zufrieden und satt.

Im Meißnersaal auf Burg Ludwigstein begrüßte Dekanin Laakmann viele verschiedene Frauen sowie interessante Gastrednerinnen, darunter die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Margot Käßmann. Sie sprach über die Rolle der Frau in der Reformation und sagte: „Meine These lautet, dass die Beteiligung der Frauen nicht nur ein Seitenthema der Reformation ist. Sie steht exemplarisch für ihre Inhalte.“

Sie sprach davon, wie die Frauen wohl in der heutigen Zeit gehandelt hätten und beantwortete auch die Frage, ob sie selbst gern die Ehefrau Martin Luthers gewesen wäre: „Ich hätte nur ungern die Rolle übernommen, einen 41-jährigen Mann, der den Großteil seines Lebens Priester gewesen ist, ins reale Leben einzuführen“, so die Reformationsbotschafterin. Die aber auch einen kritischen Blick auf Luther warf, der in seinem Leben durchaus nicht zu unterschätzenden Irrtümern unterlegen gewesen sei, beispielsweise das Judentum oder die Hexenverfolgung betreffend.

Bürgermeisterin Angela Fischer sprach von der großartigen Willkommenskultur, die in Witzenhausen herrsche, aber auch von ihrer Sorge, dass es für die Menschen immer schwerer zu werden scheine, eine gemeinsame Mitte zu finden.

Die Generaldirektorin der polnischen Diakonie, Wanda Falk, sprach über die Erfahrung von Freiheit und offenen Grenzen, aber auch darüber, dass in Polen noch immer keine Frauen wichtige Kirchenämter übernehmen dürfen. Von dem Wohnprojekt der nordhessischen Diakonie „Wohnen gegen Hilfe“ berichteten Katrin Weinsberg und Sandra Parker.

Und Dr. Margot Käßmann hielt am Ende des gelungenen und interessanten Abends ein lebendiges und erhellendes Schlusswort: „Was sich verändert hat: Der Druck auf jede Einzelne ist heute sehr viel größer geworden.“ Das aber heiße nicht automatisch, dass früher alles besser gewesen sei, so die Reformationsbotschafterin weiter, die betonte, wie sehr persönliches Glück, Gerechtigkeit und Respekt vor menschlicher Würde zusammengehören. 

Organisiert wurde das zweite Frauenmahl von der Dekanin des Evangelischen Kirchenkreises Witzenhausen, Ulrike Laakmann, zusammen mit der Vorsitzenden der Frauenarbeit des Gustav-Adolf-Werks, Inge Rühl, und Mitarbeiterinnen der Frauenarbeit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Bei den Tischgesprächen unter Frauen ging es unter anderem um die Zukunft von Religion und Kirche. „Verändern wir die Welt oder verändert die Welt uns?“ war die zentrale Frage des Abends. Umrahmt wurde das Frauenmahl musikalisch von Elisabeth Hensgen am Flügel und der Violinistin Margarethe Karpe. Für reichlich Gelächter und gute Laune sorgte das Trio „Glaubensfrüchtchen“, drei Clowninnen, die auf der Bühne viel Humor bewiesen: Dorothea Gertig, Dorothea Röger und Angelika Amend.

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