Arbeiten laufen noch, da werden die Zweifel schon lauter

War Brückenabriss bei Werleshausen zwingend erforderlich?

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Stücke fehlen schon: Die Metzentalbrücke über die Bahnlinie oberhalb von Werleshausen wird seit voriger Woche Stück für Stück abgerissen.

Seit Mitte voriger Woche läuft der Abriss der Metzentalbrücke am Ortsrand von Werleshausen. Inzwischen mehren allerdings die Stimmen jener, die bezweifeln, ob der Abriss nötig ist.

Die Brücke überspannt die Nord-Süd-Achse der Bahnlinie Bebra-Göttingen.

Rückblende: Am Dienstag nach Ostern hatte die Bahn als Eigentümerin die bis dahin ohne Tonnage-Begrenzung befahrbare Brücke nicht nur für jeglichen Kraftverkehr, sondern auch für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Begründung: Die Tragfähigkeit des Bauwerks, das Anfang der 1960er-Jahre errichtet wurde, sei nicht mehr gewährleistet.

Schon damals stieß diese Knall-auf-Fall-Maßnahme bei nicht wenigen Werleshäusern auf Verwunderung. Die sehen sich jetzt in ihren Zweifeln bestärkt. So wie Manfred Reimann. Nicht nur der 63-jährige Pensionär hat beobachtet, wie mit Beginn der Abrissarbeiten schwere Baumaschinen die angeblich so marode Brücke befahren haben. Mit Bagger und Radlader sei man dem Bauwerk zu Leibe gerückt, um die Teerdecke über den Betonteilen abzukratzen, die dann mit einem Kran abgehoben und seitlich der Eisenbahnlinie auf dem Bahndamm gelagert werden.

Die Beobachtungen Reimanns bestätigt auch Werleshausens früherer Ortsvorsteher Klaus Dieter Hagedorn, der in der Rimbacher Straße nur rund 50 Meter entfernt vom Ort des Geschehens zu Hause ist. Sein Kommentar zur Abriss-Entscheidung: „Sehr mysteriös.“

Die Brücke, so ist Reimann überzeugt, „hätte noch hundert Jahre gehalten“. Weder an ihren Pfeilern noch an den bereits abgelagerten Betonteilen seien irgendwelche Spuren zu erkennen, die auf eine verminderte Tragfähigkeit schließen ließen. Seine Vermutung: Die Bahn habe sich vor den Unterhaltungskosten drücken wollen, die jede Brücke in gewissen Abständen regelmäßig erfordere.

Betroffen vom Verlust der Brücke sind vor allem die Anwohner jenseits der Bahnlinie, die einen extrem abschüssigen beziehungsweise steilen Umweg in Kauf nehmen müssen, um nach Werleshausen hinein oder wieder heraus zu kommen Ihre Befürchtung: Bei Schnee und Eis könne das zu erheblichen Problemen führen.

Leidtragende sind auch die Wanderer, die zwischen den Burgen Ludwigstein und Hanstein die kürzeste Verbindung verloren haben und auf die relativ enge Landstraße zwischen Werleshausen und Neuseesen ausweichen müssen, die ohne Randstreifen nicht ganz ungefährlich ist.

Zu hoffen sei, so sagt Manfred Reimann, dass es möglichst bald zu einer neuen Metzentalbrücke komme. Die müsste nach seinen Vorstellungen mit einer Breite von weniger als drei Metern für Fußgänger, Radfahrer, Autos und kleine landwirtschaftliche Fahrzeuge nutzbar sein. Auf das Jahr 2030, wie es mal im Gespräch gewesen sei, könne man allerdings nicht warten.

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