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Tobias Almeroth hat Waschbär Paula gerettet und möchte auch ihren Artgenossen helfen

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Von: Wiebke Huck

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Fühlt sich wohl: Die Schultern von Tobias Almeroth gehören zu Paulas Lieblingsplätzen. Das Waschbären-Kind lebt in der Familie wie ein Haustier.
Fühlt sich wohl: Die Schultern von Tobias Almeroth gehören zu Paulas Lieblingsplätzen. Das Waschbären-Kind lebt in der Familie wie ein Haustier. © . Wiebke Huck

Paula ist etwa vier Monate alt. Am liebsten mag sie Bananen und klettern. Sie kuschelt gerne und sucht in Hosentaschen nach Schätzen. Paula ist ein Waschbär und wird von Tobias Almeroth und seiner Familie in Wattenbach in der Gemeinde Söhrewald aufgezogen.

Werra-Meißner/Söhrewald – Anfang Juni wurde Paula, damals drei Wochen alt, auf einem Radweg in der Nähe des Kindergartens gefunden. Sie war unterkühlt, untergewichtig und hatte eine Bindehautentzündung. Schnell war klar, dem Tier muss geholfen werden. Tobias Almeroth erklärte sich bereit, das zu übernehmen. Der 36-Jährige arbeitet als Rettungssanitäter in Eschwege. Mit Helfen kennt er sich also aus. Außerdem lebten früher Waschbären auf seinem Dachboden und er kam gut mit den Tieren aus. Darum hatte er auch gleich einen Draht zu dem Welpen und nannte ihn Paula.

Paula isst am liebsten Obst, und wenn sie mal für kleine Waschbären muss, geht sie aufs Katzenklo.
Paula isst am liebsten Obst, und wenn sie mal für kleine Waschbären muss, geht sie aufs Katzenklo. © Huck, Wiebke

„Eigentlich wollte ich Paula nur vorübergehend mit nach Hause nehmen, bis ich den richtigen Ansprechpartner gefunden habe, der uns helfen kann“, erzählt Almeroth. Doch bei der Stadt Kassel habe sich niemand zuständig gefühlt. „Ich war wirklich enttäuscht“, sagt er. Schließlich sei Paula ein Lebewesen und habe Hilfe gebraucht.

Er fühlte sich von der Stadt allein gelassen und fing an, herumzutelefonieren. Doch alle Stellen, die er finden konnte und die sich um Waschbären kümmern, seien schon voll gewesen. „Alles private Stellen“, betont er. Menschen, die sich ehrenamtlich um die Tiere kümmern und von Spenden leben würden. Eine offizielle Stelle konnte der Wattenbacher nicht finden, die bereit gewesen sei, zu helfen.

Weil Paula aber dringend Hilfe brauchte, entschied sich Tobias Almeroth zusammen mit seiner Familie, das Ganze selbst in die Hand zu nehmen, holte sich in Wildtierhilfe-Gruppen im Internet Rat, ging mit Paula zum Tierarzt und versorgt sie seitdem selber.

Paula wohnt bei der Familie im Wohnzimmer, ist stubenrein, liebt es, in Schubladen zu krabbeln und mit den beiden Kindern Emily (9) und Nele (4) zu schmusen. Ordentlich gewachsen ist Paula, ihre Bindehautentzündung ist abgeheilt und sie hat sich prächtig entwickelt.

Nun ist Tobias Almeroth aber weiter auf der Suche nach einer Endstelle für seinen besonderen Gast, denn auch wenn Paula der ganzen Familie sehr ans Herz gewachsen ist, für immer bleiben kann sie nicht. Denn Waschbären sollten nicht alleine leben, sie brauchen Artgenossen um sich herum.

Es sei eine tolle Erfahrung, Paula in der Familie zu haben, doch gleichzeitig sei er erschüttert. Darüber, wie wenig Hilfe in so einer Situation zu erwarten ist. „Niemand hat sich zuständig gefühlt, ich habe zwei Tage herumtelefoniert und zum Teil schlimme Dinge zu hören bekommen“, sagt er. Immer wieder sei er mit Vorurteilen konfrontiert worden, die einfach nicht wahr seien. „Waschbären sind sehr intelligente und soziale Tiere.“

Spielen gehört zu Paulas Lieblingsbeschäftigungen. Dafür ist ihr alles recht, auch ein Kameragurt.
Spielen gehört zu Paulas Lieblingsbeschäftigungen. Dafür ist ihr alles recht, auch ein Kameragurt. © Huck, Wiebke

Er will sich dafür einsetzen, dass sie künftig mehr Rechte bekommen, nicht länger auf der Liste der invasiven Arten stehen, wie der Wildtierschutz es schon lange fordert und anderen Hilfestellung geben, wenn sie ein Tier finden und nicht wissen, was nun zu tun ist. Tobias Almeroth betont aber auch: „Viele Auffangstationen sind überfüllt, weil ihnen Tiere gebracht werden, die gar keine Hilfe nötig gehabt hätten.“

Er wisse, dass die Menschen es gut meinen würden, ruft aber trotzdem zum genaueren Hinsehen auf. Es sei völlig normal, dass Waschbärenjunge allein auf Erkundungstour gehen und darum nicht immer die Mutter in der Nähe ist. Darum solle man sich sicher sein, dass ein Tier – und das gelte für alle Arten von Tier – wirklich Hilfe braucht, bevor man zur Tat schreitet. Wenn es nicht verletzt ist, sollte man immer erst beobachten und warten, ob die Mutter nicht doch noch auftaucht und sich kümmert, rät er.

Zuerst will Tobias Almeroth jetzt die Öffentlichkeit und die Politik aufmerksam machen, damit sich etwas ändert. Dafür sucht er noch Mitstreiter. Wer sich gerne für die Waschbären in der Region Kassel und im Werra-Meißner-Kreis einsetzen möchte, kann sich bei ihm melden.

Kontakt: E-Mail an raccoon-rebells@fn.de

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