Stadtverordnete wollen Kosten für Umgestaltung besser nutzen

Marktplatz Witzenhausen: Beim Pflaster sparen, dafür Wasserspender bauen

Wie soll der Marktplatz künftig aussehen? Dazu wurden an der Westseite des Rathauses Testflächen gepflastert.
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Wie soll der Marktplatz künftig aussehen? Dazu wurden an der Westseite des Rathauses Testflächen gepflastert.

Ein Wasserspender soll auf dem Marktplatz von Witzenhausen für Erfrischung sorgen. Möglich macht das ein günstigeres Pflaster - so lief die jüngste Debatte zur Umgestaltung.

Witzenhausen – So kann konstruktive, pragmatische Zusammenarbeit im Stadtparlament aussehen: Die Koalition aus SPD und Grünen stellt einen Antrag zur Marktplatzgestaltung und die CDU hilft mit einem eigenen Antrag, den als sinnvoll erachteten Wunsch der Kollegen zu finanzieren. So geschehen am Dienstag in der Stadtverordnetenversammlung von Witzenhausen – am Beispiel eines Wasserspenders.

Den hatte Rot-Grün beantragt, weil im Vorfeld viele Menschen in Witzenhausen den Wunsch nach einem Wasserelement auf dem Witzenhäuser Marktplatz geäußert hatten. Zudem hält die Koalition einen frei zugänglichen Trinkwasserspender auf dem Marktplatz für einen guten Bürger-Service, nicht nur für die vielen Radtouristen, erklärte SPD-Fraktionschef Lukas Sittel den Antrag. Und: „Wir wollen eine kosteneffiziente Lösung.“ Deshalb sollen die jährlichen Kosten für den Unterhalt des Spenders bei maximal 500 Euro liegen. Das Hauptproblem ist aber der Preis für den Bau: Rund 20 000 Euro würden Kauf und Montage eines Spenders von ordentlicher Qualität kosten, so Sittel. Der Magistrat hatte sich im Vorfeld aus Kostengründen dagegen ausgesprochen.

Dafür, dass trotz der mit 2,2 Millionen Euro bereits sehr teuren Marktplatzumgestaltung noch Geld für den Spender da ist, sorgte ein Antrag der CDU. „Wir finden die Idee gut“, betonte Stephan Brübach. In der Fraktion gebe es mehrere Fachleute zum Thema Bau, die sich daraufhin erneut die Vorschläge von Landschaftsplaner Franz Reschke auf der Suche nach Sparmöglichkeiten ansahen – und sie im Pflaster fanden. Reschke hat dafür zwölf Zentimeter starke Steine vorgesehen. Es gebe aber auch Plätze aus zehn Zentimeter starken Steinen, auf denen sogar Panzer fahren dürften, so Brübach. Das müsste also auch für den Marktplatz reichen. Die Summe, die man beim Kauf von dünneren Steinen einspare, müsste laut der CDU für den gewünschten Trinkwasserspender reichen.

Das fand Zustimmung bei der Mehrheit der Stadtverordneten, die sowohl dem Koalitions- als auch dem CDU-Antrag zustimmten. Damit beauftragten sie Franz Reschke, den Wasserspender in die Detailplanung für den Marktplatz zu integrieren und zudem zu prüfen, ob auch ein Bodenbelag mit geringerer Stärke funktionieren würde.

Parlament lehnt weitere Bürgerbeteiligung aus Zeitgründen ab

Die AfW-Fraktion scheiterte unterdessen mit ihrem Antrag, die Bürger enger in die Detailplanung für die Marktplatzumgestaltung einzubeziehen und etwa über das Pflaster oder die Gestaltung von Bänken mitentscheiden zu lassen. Bürgermeister Daniel Herz lehnte das wegen des großen Aufwands ab. Schließlich hatten sich die Bürger im Vorfeld mehrfach mit Ideen einbringen können, zudem sei der Baubeginn für das Frühjahr 2021 geplant. Bis dahin müsse die Ausführungsplanung stehen. Herz kündigte aber an, dass Details wie Pflaster und Bänke in den nächsten Tagen auf der Internetseite der Stadt veröffentlicht werden sollen. Man habe nur den Beschluss des Parlaments abwarten wollen.

Shared-Space-Fläche soll an Walburger Straße kommen

Mit der aktuellen Planung für den Marktplatz soll die Fußgängerampel an der Walburger Straße durch einen Zebrastreifen ersetzt werden. Ziel der von Landschaftsarchitekt Franz Reschke jüngst im Bauausschuss vorgestellten Pläne ist es, Teile von Walburger Straße und Stubenstraße als verkehrsberuhigten Bereich im Sinne des „Shared-Space-Gedankens“ zu entwickeln.

Diesen Abschnitt könnten Fußgänger, Radfahrer und Autos gleichberechtigt nutzen, müssten aber aufeinander Rücksicht nehmen. Ergänzend könnte – wie bereits mehrfach in Ausschüssen diskutiert – ein Tempolimit zwischen dem neuen Kreisel (Einmündung Südbahnhofstraße) und dem Zollamtsplatz eingerichtet werden. „Eine hohe Frequentierung des möglichen Fußgängerüberwegs könnte zudem die Durchfahrt für Autofahrer durch die Altstadt unattraktiver machen und den Verkehr langfristig auf diesem Streckenbereich reduzieren“, heißt es im Beschlussvorschlag, den die Stadtverordneten zur Kenntnis nahmen. Eine Debatte dazu gab es am Dienstag nicht.

Damit der Marktplatz und der angrenzende Straßenabschnitt zwischen Ampel und der Ecke Steinstraße – wie im Architektenwettbewerb vorgesehen – als Einheit wahrgenommen werden, schlägt Reschke vor, den Asphalt in der Farbe des Marktplatzpflasters einzufärben. Wenn die Ampel entfalle, könnten nicht nur Unterhaltungskosten dafür gespart, sondern auch ein Orientierungssystem für Sehbehinderte installiert werden. (Friederike Steensen)

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