Musiker fühlen sich übergangen

Wegen Aldi-Umzug: Spielmannszug Witzenhausen sorgt sich um Vereinsheim

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Hier proben sie erst seit 20 Jahren: Schriftführerin Katharina Zeuch und Vorsitzender Jens Sparbier vom Spielmanns- und Fanfarenzug Witzenhausen vor ihrem Vereinsheim am Festplatz. Das Gebäude wurde erst 1999 zum Erntefest eingeweiht und muss nun möglicherweise einem Aldi-Parkplatz weichen.  

Witzenhausen. Die Musiker des Spielmanns- und Fanfarenzugs Witzenhausen sind sauer: Zum zweiten Mal binnen 20 Jahren müssen sie ihr Domizil am Festplatz verlassen – weil Aldi seine Ladenfläche vergrößern will.

Zudem fühlen sich die Musiker von der Stadt vor den Kopf gestoßen: „Wir sind nicht in die Planungen eingebunden“, sagt Vorsitzender Jens Sparbier. „Wir haben aus der Zeitung erfahren, dass unser Vereinsheim abgerissen werden soll.“

Das klang vergangene Woche im Bauausschuss bei der Vorstellung der Pläne für die Standortverlagerung von Aldi anders: Bauamtsleiter Bernd Westermann betonte damals, dass für den Verein ein neues Domizil gefunden werden solle, wenn das Parlament den Aldi-Planungen zustimmt und die notwendigen Gutachten grünes Licht geben. Der Spielmannszug werde in die Überlegungen eingebunden.

Das empfinden Sparbier, Kassierer Jens Engelke und Schriftführerin Katharina Zeuch ganz anders. Man sei vorab nur informiert worden, dass das Parlament über die Standort-Pläne am Dienstag, 16. Mai, entscheiden solle. Erst am Montag habe Bürgermeisterin Angela Fischer auf Sparbiers Wunsch das Thema mit der Vereinsführung besprochen. Dabei hat der Verein regelmäßig Kontakt zur Stadt. „Man hätte uns doch mal sagen können, dass das Vereinsheim möglicherweise abgerissen werden muss“, ärgert sich Sparbier.

Vor allem, weil der Übungsraum auf dem Josef-Pott-Platz relativ neu ist. 1997 mussten die Musiker relativ kurzfristig ihre alte Holzbaracke verlassen, in der sie jahrzehntelang geprobt hatten. Übergangsweise kam der Spielmannszug beim Kanuclub unter, musste aber mangels eigener Räume für eineinhalb Jahre den Probenbetrieb einschränken. An Stelle der alten Baracke wurde unterdessen der Aldi-Parkplatz errichtet, für den Spielmannszug wurde ab 1998 ein neuer Probenraum gebaut. Rund 90 000 Mark kostete das Material damals, erinnert sich Engelke. Die Summe sei mit Fördermitteln vom Landessportbund, dem Hessischen Musikverband und dem Landkreis aufgebracht worden. Der Spielmannszug, der damals noch zur Turngemeinde (TG) Witzenhausen gehörte, steckte rund 10 000 Stunden Eigenleistung in das Gebäude. Es gehört der Stadt Witzenhausen und ist bis 2028 an die TG verpachtet, die es den Musikern überlässt. Wenn man erneut umziehen müsse, dann nur direkt in ein anderes Domizil, fordert Sparbier. „Dass wir wieder zeitweise auf der Straße sitzen, darf nicht noch mal passieren.“ Der Spielmannszug brauche einen großen Probenraum, in dem die 35 aktiven Musiker samt Instrumenten Platz finden, sowie Toiletten und Küche. Und: „Wir wollen am Festplatz bleiben“, macht Sparbier klar. „Schließlich sind wir die Haus-Kapelle des Erntefestausschusses.“ Gerade am Erntefest-Wochenende habe man so viele Auftritte, dass man zwischendurch einfach ein zentrales Quartier am Festplatz brauche.

Das sagt die Bürgermeisterin: "Lösung muss für alle tragbar sein"

Für Bürgermeisterin Angela Fischer beruht die Aufregung um das Vereinsheim auf einem Missverständnis. Sie habe Jens Sparbier vor dem Bauausschuss darüber informiert, dass das Thema Aldi ins Parlament komme, und ihm klarmachen wollen, dass man sich dann über die Zukunft des Vereinsheims Gedanken machen müsse, wenn das Parlament der Vorlage zustimmt. Allerdings heiße das bisher ja nur, dass die Gutachten in Auftrag gegeben werden sollen. Gerade das Verkehrsgutachten mache ihr noch Sorge, so Fischer. Es wäre sinnvoll, erst das Ergebnis des Gutachtens abzuwarten und dann zu überlegen, wie es weitergehen soll. 

Die Pläne hätten sich erst im Frühjahr konkretisiert, sagt Fischer. Man müsse noch viele offene Fragen abarbeiten. „Noch haben wir keine Lösung, darüber müssen wir noch reden“, betont Fischer. „Uns ist bewusst, dass es vor einer abschließenden Entscheidung eine für alle befriedigende Lösung geben muss. Das schließt selbstverständlich den Spielmannszug mit ein.“ Fischer spricht sich aber dafür aus, dass der Spielmannszug im Zweifelsfall direkt in ein anderes Gebäude umziehen kann. (fst)

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