Werra-Meißner-Wehren suchen Autos, um Ernstfall zu üben

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Etwas paradox: Stephan Schlegel sitzt im derzeit einzigen Auto der Feuerwehr Hessisch Lichtenau für Übungszwecke. Es muss – entgegen des eigentlichen Zweckes – sehr sorgsam behandelt werden.

Werra-Meissner. Um die im Zweifel lebenswichtige Ausbildung für die Rettung von eingeklemmten Personen weiter anbieten zu können, bitten die Feuerwehren im Landkreis um Unterstützung.

Für viele Feuerwehren im Werra-Meißner-Kreis wird es immer schwieriger, die für Übungsdienste dringend benötigten Autos zu bekommen. Die Brandschützer aus Hessisch Lichtenau haben nur noch ein einziges Fahrzeug, an denen die technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen geübt werden kann. Kreisbrandinspektor Christian Sasse bestätigt, dass die Beschaffung in den vergangenen Jahren leichter gewesen sei, weil viele Halter ihre Fahrzeuge den Wehren kostenlos zur Verfügung gestellt hätten.

Inzwischen scheinen viele Menschen aber ihr altes Auto lieber gegen einen geringen Erlös bei Schrotthändlern verwerten zu lassen, was wohl auch an gestiegenen Metallpreisen liegt. Darin sieht auch Stephan Schlegel, Pressesprecher der Feuerwehr Hessisch Lichtenau, einen Hauptgrund für die „dramatische Situation bei uns“. Der alte VW-Bus werde gehegt und gepflegt „wie ein rohes Ei“, damit man ihn möglichst oft wiederverwenden kann - also das genaue Gegenteil vom eigentlichen Zweck eines Übungsfahrzeuges, sagt Schlegel.

Erschwerend komme für die Lichtenauer Wehr hinzu, dass der örtliche Schrotthändler seinen Standort verlassen hat. Damit fiel der „erste Ansprechpartner und die beste Quelle“ der Wehr weg. Dies sei für die Brandschützer ein großes Problem, da man laut Schlegel durch die teils fertige A 44 und die unfallträchtige Bundesstraße 7 mit besonders vielen Einsätzen rechne, bei denen Personen aus Fahrzeugen gerettet werden müssen.

Man benötige aber nicht nur alte Autos, gerade die Rettung aus neuwertigen Fahrzeugen mit Gas- oder Hybridantrieb und modernen Sicherheitssystemen spiele eine große Rolle. Daher suche man auch nach neueren Autos mit Totalschaden. Auch beim Kreis sei das Thema demnächst noch stärker im Fokus, da man ab 2016 wieder eigene Lehrgänge zur Personenrettung anbieten werde, sagt Sasse.

Hintergrund:

In Zusammenarbeit mit den Wehren ruft unsere Zeitung eine Aktion ins Leben, die dazu beitragen soll, die Zahl der Übungsfahrzeuge zu erhöhen. Stefan Schlegel von der Feuerwehr Hessisch-Lichtenau sagt dazu: „ Die Fahrzeuge müssen nicht fahrbereit sein, aber über eine möglichst intakte Karosse verfügen, kleinere Schäden wie fehlende Lampen sind dabei kein Problem.“

Allerdings dürften in den alten Fahrzeugen „keine Müllhalden“ vorhanden sein, wie Stapel von Altreifen oder ähnliches. Auch die örtlichen Autohäuser bitten die Wehren um Unterstützung - gerade bei der Beschaffung von neueren Autos mit moderner Technik. 

Kontakt: 0173/9624881

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