Krise regt zum Nachdenken an

Weltladen-Team stellt durch Corona größeres Interesse an Nachhaltigkeit fest

Stellvertretend für die 18 Aktiven sind hier zu sehen Sabine Jacobs (von links), Anna-Gertrud Siekmann, Heidemarie Hein, Sabine Spengler, Sigrid Haber, Andrea Bulut und Paul Bellinghausen.
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Stellvertretend für die 18 Aktiven sind hier zu sehen Sabine Jacobs (von links), Anna-Gertrud Siekmann, Heidemarie Hein, Sabine Spengler, Sigrid Haber, Andrea Bulut und Paul Bellinghausen.

Die Corona-Krise hat einige Menschen dazu gebracht, sich stärker mit dem Themen „Nachhaltigkeit“ und „Faire Produktion auseinanderzusetzen. Diese Beobachtung hat Anna-Gertrud Siekmann vom Weltladen in Witzenhausen gemacht.

Witzenhausen – Während des ersten Lockdowns hatte der Verein noch heftige Einbußen, weil nur Lebensmittel verkauft werden durften und die restlichen Waren abgehängt waren, berichtet Siekmann. Zur Unterstützung erhielten sie 3000 Euro staatliche Hilfen. Nachdem der Weltladen – den es nun schon seit zehn Jahren an der Brückenstraße gibt – kurz vor Ostern in diesem Jahr wieder öffnen durfte „steigt der Umsatz tendenziell“, erklärt sie. Die Krise sei zwar schrecklich, die Vereinsmitglieder würden jedoch annehmen, dass sie ein Nachdenken über die Frage „Wie wollen wir leben?“ erzeugt habe. „Die Kunden sagen vermehrt, dass sie uns unterstützen möchten.“

Den Fairen Handel hat das Team des Weltladens auch unterstützt, als im vergangenen Jahr die Mehrwertsteuer gesenkt wurde. Im Weltladen blieben die Preise wie gehabt. Der Überschuss aus dieser so genannten „Fairwertsteuer“ in Höhe von 1100 Euro ging an die Zulieferer. Aus allen Weltläden sind damit mehr als 500 000 Euro zusammengekommen, berichtet Siekmann.

Um in Kontakt zu bleiben, haben sich die 18 Aktiven des Vereins statt persönlich ein Mal im Monat via Zoom-Konferenz im Internet getroffen.

Und was ist mit den beiden anderen Standbeinen des Weltladen-Vereins neben dem Verhauf fair und nachhaltig gehandelter Waren: Veranstaltungen und Bildungsarbeit? Bis zum Lockdown hatte das Team „circa alle 14 Tage eine Schulklasse oder Kindergartengruppe im Laden, die etwas über den Welthandel, die Globalisierung und den fairen Handel lernten“, berichtet Siekmann. Das Schulklassen-Programm laufe langsam wieder an. Und auch hier steigt das Weltladen-Team in die Digitalisierung ein. Aktuell wird an einer Action-Ralley durch die Stadt gearbeitet.

Auch Veranstaltungen und Kampagnenarbeit sollen wieder losgehen. Normalerweise, so Siekmann habe es drei bis fünf Veranstaltungen im Jahr gegeben, für die sie bis zu 10 000 Euro Fördergelder eingeworben habe. In diesem Jahr gab es bisher eine Ausstellung im Rathaussaal, die wegen der corona-bedingten Schließung der Behörde nur von Stadt-Mitarbeitern und Politikern besichtigt werden konnte. „Wenn es wieder geht, holen wir die Ausstellung noch einmal“, sagt Siekmann. Zudem arbeite der Verein eng mit Valentina Binder, Witzenhausens Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik, zusammen und ist Mitglied der Steuerungsgruppe „Fair trade Town“. Diese bringt Ende diesen Jahres eine aktualisierte Version des Fairführers heraus. Dieser soll laut Siekmann auch eine Karte enthalten mit Orten, wo fair gehandelte Waren in und um Witzenhausen erhältlich sind. (Nicole Demmer)

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