Wendershausen

Corona-Pandemie sorgt für neue Formate der Gemeindearbeit

Kirche geht neue Wege: Pfarrerin Jennifer Keomanee (links) mit Johannes Siebold (Tourist-Information Witzenhausen) und dem Kirschenkönigshaus nach den Dreharbeiten für den Videogottesdienst in der Wendershäuser Kirschplantage.
+
Kirche geht neue Wege: Pfarrerin Jennifer Keomanee (links) mit Johannes Siebold (Tourist-Information Witzenhausen) und dem Kirschenkönigshaus nach den Dreharbeiten für den Videogottesdienst in der Wendershäuser Kirschplantage.

Mit dem Klappstuhl zum Gottesdienst – das ist in der Corona-Pandemie für viele zur Normalität geworden. Doch wie soll das Gemeindeleben in der kalten Jahreszeit weitergehen?

Wendershausen - Wie soll man Weihnachten feiern? Vor dieser Frage stehen viele Gemeinden, auch die von Pfarrerin Jennifer Keomanee. Sie betreut das Kirchspiel Wendershausen, Oberrieden und Unterrieden.

Seit dem Lockdown habe sie mit dem Kirchenvorstand aus der Not heraus neue Formen der Gemeindearbeit ausprobiert, erzählt Keomanee: „In den Kirchen waren wir seit dem Frühjahr gar nicht.“ Denn die drei Kirchen sind klein, in Unterrieden etwa dürften unter Corona-Bedingungen nur 28 Menschen am Gottesdienst teilnehmen. Um mehr einbeziehen zu können, ging es nach draußen.

Keomanee feierte Taufen direkt am Riedbach und am Salzbach, ihr eigener Einführungsgottesdienst nach Ende ihrer Probezeit fand unter dem Vordach der Absatzgenossenschaft Unterrieden statt. Es gab Gottesdienste auf dem Lindenplatz und auf Video-Plattform Youtube. Dass alle drei Kirchen tagsüber für Besucher geöffnet sind, komme gut an, sagt Keomanee mit Blick auf die Einträge in den Gästebüchern.

„Was wir auf jeden Fall beibehalten wollen, sind die Himmlischen Grüße“, kündigt die Pfarrerin an. Jedes Gemeindemitglied, das sich dafür anmeldet, bekommt alle 14 Tage Post vom Kirchenvorstand: Ein Text zum Nachdenken, ein Gebet und eine Überraschung wie Holunderblütensirup, eine Samenkugel oder Lavendelzucker.

Während man Erntedank noch im Freien feiern kann, wird es danach schwierig. Für den Volkstrauertag am 15. November sei bis jetzt nur eine kurze Andacht im Freien am Ehrenmal vorgesehen. „Zum Totensonntag am 22. November würden wir normalerweise alle Hinterbliebenen einladen“, sagt Keomanee.

Dieses Jahr sollen nur die kommen, die 2020 jemanden verloren haben. Für sie plant die Pfarrerin kürzere Andachten – wenn sich viele anmelden, mehrere hintereinander. Alle anderen Trauernden kann sie nur bitten, still für sich ein Teelicht in den Kirchen anzuzünden. Ein „Lebendiger Adventskalender“ soll in den drei Orten wieder stattfinden. „Vielleicht müssen wir auf den Ausschank verzichten“, sagt Keomanee. „Hauptsache ist, dass man sich reihum trifft.“ Anmeldungen für Gastgeber sind noch im Pfarramt (Tel. 0 55 42/16 15) möglich.

Wie Weihnachten gefeiert wird, sei noch offen. Soll man etwas ganz Neues wagen? Oder so viel Weihnachts-Normalität wie möglich anstreben?

Da sei die Stimmung in der Gemeinde quer durch alle Altersklassen gespalten, verrät Keomanee. Derzeit tendiere man zu etwas Modernem, etwa einem Video-Gottesdienst mit der örtlichen Tanzgruppe. So oder so, wichtig ist eines, sagt Keomanee: „Weihnachten darf nicht ausfallen.“

Tierischer Wandergottesdienst zu Erntedank

Zum Erntedankfest am Sonntag, 4. Oktober, lädt das Team des Kirchspiels zu einem „Tierischen Wandergottesdienst“ ein. Ob Hund, Katze oder Pferd – jeder dürfe sein Haustier mitbringen, sagt Keomanee. Sie will darauf aufmerksam machen, dass man im Zusammenhang von Natur und Schöpfung auch an die Tiere denken solle.

Treffpunkt ist um 11 Uhr am Wanderparkplatz am Gasthaus „Zur Krone“ in Wendershausen, dann geht es auf dem Kirschweg 1 rund um den Ort. Unterwegs können die Teilnehmer an Stationen rasten und etwas zu Trinken bekommen, aber auch ein Lied, eine Geschichte, eine kleine Andacht, ein Gebet. Für die Kinder gibt es eine Rallye.

Wer nicht weiterlaufen mag oder kann, kann sich an diesen Orten mit dem Auto abholen lassen. Etwas zu Essen sollte jeder selbst mitbringen. Auch das Kirschenkönigshaus, mit dem die Pfarrerin ihren Videogottesdienst aus der Kirschplantage gedreht hat, wird sich ins Programm einbringen.

Für die stille, persönliche Einkehr werden die mit Erntegaben geschmückten Kirchen geöffnet sein. Die Gaben können am Samstag, 3. Oktober, zwischen 10 und 18 Uhr abgegeben werden. (Friederike Steensen)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.