Wenn der Weg das Ziel ist

Zwei Pilgerpfade gehen von Bad Sooden-Allendorf aus

Pfarrer Thomas Schanze (links) und Peter Drechsler stehen am Gedenkstein für die Heilige Elisabeth auf dem Kirchplatz vor der St.-Crucis-Kirche in Bad Sooden-Allendorf
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Maßgebliche Vorarbeit: Pfarrer Thomas Schanze (links) und Peter Drechsler – hier am Gedenkstein für die Heilige Elisabeth – haben mit einer kleinen Arbeitsgruppe die Pilgerpfade ausgetüftelt.

Die Streckenführung steht schon fest. Allein: Es fehlt noch die Markierung. Drei Pilgerpfade hat die evangelische Kirchengemeinde St. Crucis ausgetüftelt, um Menschen bei der Wanderung durch die Natur eine etwas andere Begegnung mit Gott zu vermitteln. Beim „Beten mit den Füßen“ ist der Weg das Ziel.

Bad Sooden-Allendorf - Angeregt durch ein ähnliches Beispiel in der Rhön, hat Pfarrer Thomas Schanze mit Wanderführer Peter Drechsler vom örtlichen Werratalverein einen zweigeteilten Weg im Stadtgebiet und einen regionalen Weg zwischen Bad Sooden-Allendorf und dem Hülfensberg als Pilgerpfade auserkoren. Jedes Mal Namensgeber dafür ist der Heilige Franziskus.

Die 15 Kilometer lange Soodener Variante führt von der Balzerbornklinik durch den Wald gen Orferode, weiter über das Forsthaus Halbemark nach Ahrenberg und zurück nach Sooden mit der Marienkirche als Endpunkt.

Drei Kilometer kürzer ist der Rundweg um Allendorf, der an der Crucis-Kirche beginnt, über das Ausbachtal zum Holzborn führt, am Grenzmuseum vorbei nach Asbach, Wahlhausen streift und über den Fischerstad die Kirche wieder erreicht.

Auf Thüringer Gebiet und oberhalb von Großtöpfer liegt der Wallfahrtsort Hülfensberg mit seinem Franziskanerkloster. Es ist Ziel des anspruchsvollen, regionalen Pilgerpfades, der auf 25 Kilometern weitgehend über das „Grüne Band“ führt mit vielen Aussichtspunkten, wie Wolfstisch und Pferdeloch. Unterwegs bieten sich Übernachtungsmöglichkeiten an, um die Strecke in zwei Etappen zu bewältigen.

Ausgestattet werden sowohl der zweigeteilte, lokale, als auch der regionale Pilgerpfad mit jeweils fünf Stationen, die auf bebilderten Schautafeln aus dem Leben und Wirken des Heiligen Franziskus erzählen. Der Frieden ist ein Thema, ferner das Wahrnehmen des eigenen Körpers und am Beispiel des Wolfes das Überwinden von Angst; für den Pilger viele Impulse, um über das eigene Leben nachzudenken, ist Thomas Schanze überzeugt.

In Absprache mit den Forstämtern und dem Geo-Naturpark Frau-Holle-Land werden die Pilgerpfade mit einem „T“ gekennzeichnet. Das ist der letzte Buchstabe im hebräischen Alphabet, der für Errettung und Erlösung steht. Markierung und Beschilderung sollen noch in diesem Winter vorgenommen werden.

Für Pfarrer Schanze sind die Pilgerwege nicht nur ein spirituelles, sondern auch ein touristisches Angebot. Weil die Finanzierung noch nicht komplett gesichert ist, erhofft er sich Unterstützung von der Stadt und ist dankbar für jede weitere Spende (IBAN: DE 54 522 500 300 051 009 546 bei der Sparkasse Werra-Meißner).

Indirekter Bezug zum Heiligen Franziskus

Obwohl es keinen direkten historischen Bezug zu Franziskus gebe, so sei ein indirekter dennoch nachweisbar, erläutert Pfarrer Thomas Schanze, warum er für die Pilgerpfade den Heiligen Franziskus als Namensgeber ausgewählt hat. In vorreformatorischer Zeit nämlich habe die St.-Crucis-Kirche dem Katharinenstift zu Eisenach gehört. Ludwig III. aber habe im Jahr 1218 das Gotteshaus mit der Verleihung der Stadtrechte Allendorf zum Geschenk gemacht. Ludwig wiederum sei der Ehemann der später heiliggesprochenen Elisabeth von Thüringen gewesen, die in ihrer Güte und Fürsorge dem Franziskanerorden sehr nahe gestanden habe. Noch heute bezeugten in der Allendorfer Hospitalkapelle Wandmalereien die enge Verbindung zwischen Elisabeth und der Stadt.

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