Fall aus Witzenhausen vom Mai 2019 noch ungeklärt

Geknackter Geldautomat: Ermittlungen gegen Ex-Mitarbeiter der Sparkasse

Wurde im Mai 2019 aufgebrochen: Der Geldautomat der Sparkasse Werra-Meißner im Selbstbedienungspavillon an der Bischhäuser Aue in Witzenhausen.
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Wurde im Mai 2019 aufgebrochen: Der Geldautomat der Sparkasse Werra-Meißner im Selbstbedienungspavillon an der Bischhäuser Aue in Witzenhausen.

Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt gegen einen Ex-Mitarbeiter der Sparkasse Werra-Meißner wegen des Verdachts des Diebstahls in einem besonders schweren Fall.

Witzenhausen - Im Mai 2019 wurden aus einem Sparkassen-Geldautomat in Witzenhausen 150.000 Euro gestohlen. Zunächst fahndete man nach unbekannten Tätern. Im Juli 2020 sei auch gegen den Sparkassen-Mitarbeiter ermittelt worden, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Thöne. Ob der Anfangsverdacht sich bestätigt, sei offen: „Vor dem Hintergrund der Persönlichkeits- und Freiheitsrechte der betroffenen Personen ist Zurückhaltung vor frühzeitigen Schlussfolgerungen geboten.“

Sprengstoffexperten am Tatort

Fast zwei Jahre ist es her, dass der Geldautomat der Sparkasse Wera-Meißner im Selbstbedienungspavillon an der Bischhäuser Aue in Witzenhausen aufgebrochen wurde: Die Polizei fand damals, am 29. Mai 2019, Bohrlöcher an dem Automaten. Die Polizei vermutete Explosionsgefahr, sperrte den Parkplatz an der B 80 weiträumig ab und zog Sprengstoffexperten hinzu.

Schließlich zeigte sich, dass der oder die Täter die Überwachungskamera außer Kraft gesetzt, den Automaten gewaltsam geöffnet, die Steuereinheit ausgebaut und eine andere, frisierte Einheit oder einen Laptop angeschlossen hatten. So konnten er oder sie auf das Bargeld zugreifen. Die Ermittler vermuteten zunächst, dass eine professionelle Bande den Automaten geknackt und rund 150.000 Euro gestohlen hat.

Hausdurchsuchung bei damaligem Mitarbeiter

Im Juli 2020 richteten sich die Ermittlungen nach einem Anfangsverdacht gegen einen Mitarbeiter der Sparkasse selbst. Das bestätigen die Staatsanwaltschaft Kassel und der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Marc Semmel, auf Anfrage unserer Zeitung nach einem entsprechenden Bericht des Handelsblattes.

Der langjährige Mitarbeiter wurde verhört, zudem fand bei ihm auch eine Hausdurchsuchung statt, so Semmel. Als das bekannt wurde, kündigte die Sparkasse dem Mann. Laut Semmel kam es danach zu einem Arbeitsgerichtsverfahren, für das die Staatsanwaltschaft auch die Ermittlungsakten zur Verfügung stellte. Im Januar sei das Verfahren in beiderseitigem Einvernehmen abgeschlossen worden, die ordentliche Kündigung sei erfolgt.

Geldautomat: Fall ist immer noch ungeklärt

Ob sich der Anfangsverdacht bestätigt und der Mann tatsächlich den Automaten ausgeräumt hat, sei aber weiter unklar, betont der Sparkassen-Chef. Theoretisch sei das zwar möglich, der Mitarbeiter sei für die gesamte Region zuständig gewesen. „Ich glaube aber nicht, dass er es war“, sagt Semmel. Er hofft nun darauf, dass die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen schnellstmöglich abschließt und den Fall endgültig klärt.

Weiterer Ex-Mitarbeiter soll vor Gericht

Eindeutiger scheint die Beweisführung dagegen im Verfahren gegen einen anderen Ex-Mitarbeiter der Sparkasse sein: Er soll ab 2013 vermögende Kunden um rund eine Million Euro betrogen haben, bis 2018 sein Verhalten in der Bank bemerkt und die Staatsanwaltschaft informiert wurde. Öffentlich bekannt wurde das Anfang 2019 (wir berichteten). Die Staatsanwaltschaft Kassel legt dem Mann bislang Betrug in 29 Fällen zur Last. Laut Andreas Thöne, dem Sprecher der Staatsanwaltschaft, gibt es aber noch keinen Termin für die Hauptverhandlung. Wie Semmel laufen die Ermittlungen parallel noch weiter.

Semmel betont, dass man diesen Fall bereits intern gründlich aufgearbeitet und geprüft habe. Auch diesem Mitarbeiter habe die Bank gekündigt, ein Arbeitsgericht habe die Position der Bank dabei „zu 100 Prozent unterstützt“. (fst/ts)

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