Solidarisch wirtschaften

Werra-Meißner Wirtschaftsförderung plant enge Zusammenarbeit mit Kollektiv I.L.A

Ein komplex mit drei aneinander gebauten Häusern. Davor befindet sich ein geöffnetes Zauntor
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Zu den 20 solidarisch wirtschaftenden Betrieben im Werra-Meißner-Kreis gehört zum Beispiel das alternative Wohnprojekt Mensch*Meierei in Unterrieden.

Statt Gewinnmaximierung stehen beim solidarischen Wirtschaften Ökologie und Menschen im Fokus. Das könnte laut Wirtschaftsförderung auch für Kommunen interessant sein.

Witzenhausen – Statt Gewinne zu maximieren, orientieren sich die rund 20 solidarisch wirtschaftenden Unternehmen im Werra-Meißner-Kreis an den Bedürfnissen der Menschen. Die selbst verwalteten Betriebe entscheiden demokratisch, experimentieren mit neuen Eigentumsformen und haben die Ökologie im Blick.

In Zukunft wollen sie enger zusammenarbeiten und stärker die Öffentlichkeit suchen. Das haben einige von ihnen jetzt bei einem Online-Workshop beschlossen, an dem auch Personen aus anderen Teilen Deutschlands teilnahmen.

„Die Region zwischen Kassel und Göttingen mit Witzenhausen im Zentrum gehört zu den Hotspots solidarischen Wirtschaftens in Deutschland“, berichtet Jonas Korn vom Kollektiv Imperiale Lebensweise und Solidarische Alternativen (I.L.A.). Er hat den Workshop gemeinsam mit dem Witzenhäuser Wirtschaftsförderer Christoph Schösser organisiert.

Solidarisch wirtschaften im Werra-Meißner-Kreis: Landwirtschaft und Wohnprojekte

„Im Werra-Meißner-Kreis gibt es solidarische Landwirtschaft, bei der die Mitglieder die Produktion vorab finanzieren und sich am Ende die Ernte teilen“, berichtet Korn. Im vergangenen Jahr fand sich ein Kollektiv zusammen, das solidarischen Obstanbau betreibt.

Es bestehen alternative Wohnprojekte wie die Mensch*Meierei in Unterrieden oder die Fuchsmühle in Waldkappel, aber auch Mitgliederläden wie die Fette Beute in Witzenhausen. Solche Initiativen im Bereich Nordhessen hat der Verein zur Förderung der solidarischen Ökonomie bereits 2008 kartiert.

„Solidarisches Wirtschaften ist keine neue Erfindung“, weiß Korn. Parallelen gibt es zur mehr als 100 Jahre alten Genossenschaftsbewegung. Als Genossenschaft haben sich einige solidarisch wirtschaftende Unternehmen konstituiert. Andere Betriebe wählten einen Verein oder eine GmbH als Rechtsform.

Solidarisch wirtschaften im Werra-Meißner-Kreis: „Ansatz ist für Kommunen interessant“

„Der Ansatz ist für Kommunen interessant“, meint Wirtschaftsförderer Schösser. Solidarisch wirtschaftende Betriebe könnten Aufgaben übernehmen, deren Finanzierung Städten und Gemeinden schwerfalle.

Dazu gehörten etwa der Betrieb von Frei- und Hallenbädern, von Dorfgemeinschaftshäusern oder Dorfläden. Sie rechneten sich in der Regel nicht für gewinnorientierte Unternehmer.

Um die Frage, wie Kommunen solidarisches Wirtschaften fördern können, soll es in einem zweiten Workshop gehen. Das I.L.A.-Kollektiv will ihn gemeinsam mit Schösser im Sommer organisieren. Solidarische Betriebe wünschen sich Hilfe bei der Finanzierung.

Solidarisch wirtschaften im Werra-Meißner-Kreis: Insolvenzrisiko geringer

„Banken sind oft mit Krediten zurückhaltend, obwohl bei den Betrieben das Insolvenzrisiko geringer ist als bei gewinnorientierten Firmen“, sagt Korn. „Ich hatte bereits Anfragen nach Räumen und Flächen“, sagt Schösser. Beim Workshop äußerten Teilnehmer zudem Bedarf nach Beratung.

Das I.L.A.-Kollektiv, bei dem 70 Menschen aktiv sind, hat zwei Bücher herausgegeben: „Auf Kosten anderer“ und „Das Gute Leben für alle“ (oekom-Verlag). ilawerkstatt.org (Michael Caspar)

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