Mehr Patienten in den Monaten Oktober und November

Wetter als Auslöser: Herbst-Blues kann Hinweis auf Depression sein

Lichtmangel drückt im Herbst bei vielen auf die Stimmung. Der Herbst-Blues kann aber auch ein Hinweise für eine echte Depression sein. Foto: dpa

Werra-Meißner. Die dunkle Jahreszeit drückt auf die Stimmung: Im Oktober und November verzeichnen Ärzte und Selbsthilfe-Gruppen einen Anstieg der Patienten-Zahlen mit Depressionen.

Anhaltende Antriebslosigkeit als Schlecht-Wetter-Phänomen abzutun, kann laut Chefarzt Martin von Hagen vom Klinikum Werra-Meißner gefährlich sein.

„Die Jahreszeit kann lediglich ein auslösender Faktor für eine anhaltende Depression sein. Die Ursachen der Krankheit liegen tiefer", sagt Hagen.

Laut dem Facharzt für Psychiatrie ist eine anhaltende depressive Stimmung ein Hinweis darauf, dass „das Lebenskonzept des Patienten in eine Sackgasse geraten ist“. Die Zahl der Patienten im Kreis ist seit Jahren steigend. 2008 hat die Psychiatrische Ambulanz laut Hagen 2078 Personen mit Depression behandelt, 2013 war ihre Zahl auf 3475 gestiegen - ein Plus von 67 Prozent. Bei stationär aufgenommenen Patienten sei 5051-mal ein „Depressives Syndrom“ diagnostiziert worden, so Hagen. „Die Diagnostik ist genauer geworden“, sagt er. Zudem seien Hausärzte für das Thema sensibler geworden und würden beim Verdacht einer depressiven Erkrankung Patienten früher an Psychiater weitervermitteln. Auch werde eine Depression innerhalb der Bevölkerung nicht mehr so stark als Stigma gesehen wie noch vor Jahren. Der Mediziner schätzt, dass dennoch derzeit bei zehn bis 20 Prozent der Erkrankten keine korrekte Depressions-Diagnose gestellt wird.

Saisontypisch sei, dass im Herbst auch freiwillige Selbsthilfegruppen verstärkten Zulauf bekommen. Das bestätigt Manuela Sander, die seit 2006 eine Gruppe in Witzenhausen leitet und selbst lange in ärztlicher Behandlung war. „Für viele Menschen mit depressiver Veranlagung wirkt der Herbst als Katalysator der Symptome“, sagt sie. Wenn Laien-Gesprächsrunden nicht weiterhelfen, müsse definitiv ärztliche Hilfe gesucht werden.

Kritik an der medizinischen Versorgungssituation für Depressionskranke kam im Frühjahr von der Bertelsmann-Stiftung: Nur 20 Prozent aller Erkrankten im Kreis bekämen eine angemessene Therapie. Der Bundesdurchschnitt liegt laut den Forschern bei 26 Prozent. Hagen widerspricht: „Für eine ländliche Region haben wir optimale Versorgung.“ (jsm)

Wie sich Betroffene fühlen, die an einer Depression erkrankt sind, und wie die Selbsthilfegruppe in Witzenhausen ihnen helfen will, lesen Sie in der gedruckten Dienstagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeinen.

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