Arbeiten in Corona-Zeit

Wie Betriebe und Verwaltung im Werra-Meißner-Kreis künftig digital arbeiten

Raagnar Feldmann von der Witzenhäuser Agentur für Unternehmenskommunikation Friends in Box
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Co-Working macht Raagnar Feldmann mit seinem Team von der Agentur für Unternehmenskommunikation „Friends in Box“ an der Kasseler Landstraße in Witzenhausen möglich.

Homeoffice und digitale Konferenzen sind während der Corona-Pandemie zur Normalität geworden. Doch Experten raten zu einer hybriden Arbeitsweise.

Werra-Meißner – Homeoffice und digitale Konferenzen sind während der Corona-Pandemie zur Normalität geworden. Das könnte laut Lars Kleeberg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner (WFG), auch in Zukunft so bleiben. „Viele haben die Vorteile der Digitalisierung erkannt“, sagt Kleeberg. Während der Pandemie habe es mehr digitale Konferenzen und weniger Dienstreisen gegeben. Das spare Geld und Ressourcen.

Zudem könnten Unternehmen ungenutzte Büroräume vermieten oder Co-Working-Spaces anbieten. Dass Mitarbeiter nur im Homeoffice arbeiteten, sei aber nicht ideal. Vielen fehlten die sozialen Kontakte am Arbeitsplatz. Besser sei eine hybride Arbeitsweise – zum Beispiel zwei Tage Homeoffice, drei Tage im Büro. Außerdem müsste das Arbeitszeitgesetz angepasst werden, damit solche individuellen Lösungen möglich würden.

Bei der Stadtverwaltung in Witzenhausen haben, laut Fachbereichsleiter Michael Zimmermann, die Mitarbeiter seit März 2020 in festen Gruppen im wöchentlichen Wechsel Zuhause und im Büro gearbeitet. Digitale Konferenzen hätten sich auch in der Verwaltung bewährt. „Da wird es generell ein Umdenken geben“, sagt Zimmermann.

Zwei Arbeitsplätze sollen dauerhaft ins Homeoffice verlegt werden. Man denke außerdem darüber nach, die festen Sprechzeiten beizubehalten: „Die Wartezeiten sind dadurch weniger geworden.“ Mobil arbeiten, sei aber aufgrund des Datenschutzes nur eingeschränkt möglich.

Dr. Lars Kleeberg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Werra-Meißner-Kreis, rät zu einer hybriden Arbeitsweise.

Das sieht auch Michael Heußner, Bürgermeister von Hessisch Lichtenau, so. Außerdem fehle die nötige Ausrüstung, damit Mitarbeiter dauerhaft im Homeoffice arbeiten könnten. Dies soll aber künftig möglich gemacht werden, so Heußner.

Homeoffice und mobiles Arbeiten wäre ohne die Corona-Krise nicht in den Fokus gerückt, sagt Ragnaar Feldmann von der Agentur für Unternehmenskommunikation Friends in Box in Witzenhausen. Es gebe aber auch einige Betriebe, die nach und nach wieder in den Arbeitsalltag vor 2020 zurückkehren würden.

So geht hybrides Arbeiten: Mitarbeiter wechseln zwischen Büro und Homeoffice

Digitales Arbeiten ist im Trend. Das betrifft nicht nur die Frage nach mehr Homeoffice, sagt Lars Kleeberg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner (WFG). „Es geht um flexibles Arbeiten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Das sei schon vor der Corona-Pandemie Thema gewesen. Damit das funktioniert, brauche es allerdings individuelle Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Wenn Homeoffice eine Dauerlösung sein soll, dann muss das schriftlich geregelt werden, so Kleeberg.

Zudem müsse das Vertrauen zwischen Chef und Mitarbeiter größer werden. Das könnte etwa mit gemeinsamen digitalen Kalendern geschaffen werden. So habe der Arbeitgeber einen besseren Überblick und die Organisation wäre einfacher. Denn die sei nötig, wenn nicht alle im Büro arbeiteten. Auch Personaler bräuchten Förderungen und Weiterbildungen, damit sie Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser unterstützen könnten.

Digitalisierung sei zwar für die meisten Firmen seit Beginn der Pandemie kein rotes Tuch mehr. Dennoch sieht Kleeberg dabei weiteren Schulungsbedarf. Zumal viele Menschen vom Homeoffice wieder ins Büro möchten, da ihnen die sozialen Kontakte fehlten. Viele seien zudem überlastet gewesen, weil sie neben der Arbeit die Kinder zuhause betreuen mussten.

Vielen Menschen, die im Homeoffice arbeiten, fehlen oft die sozialen Kontakte im Büro.

Um das für Arbeitnehmer leichter zu gestalten, eignen sich laut Kleeberg Co-Working-Spaces. Denn dort arbeiteten nicht nur Menschen aus verschiedenen Betrieben und Branchen zusammen in einem Büro, sondern es gäbe auch die Möglichkeit, einen Raum für Kinderbetreuung einzurichten. In Witzenhausen bietet die Agentur für Unternehmenskommunikation „Friends in Box“ seit November 2019 einen Co-Working-Space an – das Grow-Work-Lab. „30 Co-Worker wären aber ideal“, sagt Raagnar Feldmann, Inhaber von „Friends in Box“. Momentan arbeiten dort regelmäßig aber nur etwa 10 bis 14 Menschen aus verschiedenen Betrieben.

Mehr seien wegen der Pandemie nicht möglich gewesen. Um die Corona-Regeln einzuhalten, nutzen die Mitarbeiter derzeit die Luca-App und Corona-Schnelltests. Laut Feldmann hat der Werra-Meißner-Kreis genug Potenzial für das gemeinschaftliche Arbeiten. Aber: „Es muss etwas getan werden.“ Es gebe Gespräche mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, der Kreisverwaltung, der Kreishandwerkerschaft und der IHK darüber, wie Co-Working im Kreis aussehen kann und wer welche Aufgaben übernehmen soll. „Wir brauchen mehr Bewusstsein für die Region, die zentral in Deutschland liegt“, sagt Feldmann.

Dafür müsse „gemeinschaftlich gedacht und zusammen gearbeitet werden“. Doch nur im Büro, Homeoffice oder Co-Working-Space zu arbeiten, sei nicht die ideale Lösung – eine Mischung daraus schon eher.

Momentan lägen neue Arbeitsweisen im Trend. Deshalb sei es wichtig, nicht wieder in alte Muster zurückzufallen. „Wenn etwas gesellschaftlich etabliert ist, wird es nicht mehr hinterfragt“, sagt Feldmann. Die Pandemie habe dafür gesorgt, dass ein Umdenken stattfinde. (Natascha Terjung)

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