Nachbarn machen Sorge

Windradbau bei Ziegenhagen hängt von Hann. Münden ab

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Hier wird schon gebaut: Auf der Windradbaustelle bei Ellerode unterhalb von Schloss Berlepsch wachsen die Türme in die Höhe. Ob zehn Kilometer südwestlich bei Ziegenhagen ebenfalls Windräder errichtet werden können, ist derzeit noch offen.

Ziegenhagen. Bis sich Rotoren auf dem Steinberg bei Ziegenhagen drehen, ist es noch ein weiter Weg. Es sei schwer, eine Genehmigung für einen Windpark im FFH-Gebiet zu erhalten, so Witzenhausens Stadtwerke-Chef Thomas Meil. Und: „Es gibt viele öffentliche Belange auf niedersächsischer Seite, die noch nicht geklärt sind“, wie Hann. Mündens Stadtplaner Siegfried Pflum auf Anfrage sagt.

Die Zuwegung

Der Windpark soll in Hessen stehen, das Areal grenzt an Niedersachsen und ist nur von dort erreichbar. Der Verwaltungsausschuss Hann. Mündens hat sich nach HNA-Informationen bereits im Frühjahr 2017 dagegen ausgesprochen, Grundstücke für die Zuwegung zu verkaufen und Wege für Baufahrzeuge auszubauen. Deshalb wurde den Stadtwerken die Auflage gemacht, Alternativen auf dem steilen, hessischen Gebiet zu prüfen. „Die Suche nach einer technisch und naturschutzrechtlich vertretbaren Alternative läuft gerade“, sagt Meil.

Auch die Rechtslage ist schwierig: Hessen gestattet Windräder in Wäldern, die Zuwegung ist nicht Teil der Genehmigung nach Bundes-Immissionsschutzgesetz. Niedersachsen erlaubt keine Windparks in Wäldern und erteilt ohne geklärte Zuwegung keine Genehmigung. Daher muss nun also das Regierungspräsidium (RP) Kassel den Windpark Steinberg genehmigen. Bei einer Zuwegung über Niedersachsen muss die Stadt Hann. Münden prüfen, ob sie nach der Raumordnung eine Baugenehmigung für die Zuwegung erteilen kann.

Der Brandschutz

Auch der Brandschutz muss noch geklärt werden – bei einer Zuwegung aus Niedersachsen wären die Wehren Staufenberg und Hann. Münden die nächstgelegenen, sagt Pflum. Die Ziegenhäger Wehr hätte lange Umwege. Zudem sei offen, wo genügend Wasser herkommen soll. Aus den nahegelegenen Biotopen darf laut Pflum kein Löschwasser entnommen werden.

Die Bürgerbeteiligung

Fast 400 Ziegenhäger hatten sich im Sommer gegen den Windpark augesprochen, als die Bürgerinitiative (BI) „Kritische Bürger Ziegenhagen“ an Haustüren Unterschriften sammelten. Rechtliche Wirkung hat das aber nicht. Die Sorge einiger Ziegenhäger, durch ihre Unterschrift im Fall einer Klage zur Kasse gebeten zu werden, ist unbegründet, versichert BI-Sprecher Johann Brix auf Anfrage. Die BI dürfe nicht klagen, da sie keine juristische Person seien. Ob Klagen von Einzelpersonen erfolgversprechend sei, wollen die Aktivisten angesichts hoher Anwaltskosten zunächst abwarten, so Brix. „Mit der Unterschriftenaktion wollten wir nur ermitteln, ob das Dorf hinter uns steht und sich weitere Aktionen überhaupt lohnen.“ Brix hat die Unterschriften kürzlich offiziell Ortsvorsteher Manfred Harbusch übergeben.

Die Unterschriften haben laut Meil zunächst keine Auswirkung auf die weitere Planung. Ziel der Stadtwerke sei es, bis zur zweiten Jahreshälfte 2018 alle offenen Fragen zum Windpark zu klären – offen sei neben dem detaillierten wasserkundlichen Gutachten etwa noch, von welchem Typ vier oder fünf Windräder gebaut werden sollen. Nach einer Vorprüfung des Genehmigungsantrags durch das RP können die Bürger dann im förmlichen Verfahren ihre Bedenken ausführlich schriftlich vorzubringen. 

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