Stimmen zu neuen Regeln des Landes Hessen

Corona: Wirte im Werra-Meißner-Kreis begrüßen Wahl zwischen 2G und 3G

Corona-Mundschutz und eine Tasse Kaffee
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Weitere Lockerungen für die Gastronomie

„Endlich hat die Politik verstanden, dass man nach Sachlage entscheiden muss.“ So begrüßt Christian Pelikan, der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Werra-Meißner, die neue Corona-Verordnung des Landes Hessens. Sie räumt Betreibern von Cafés und Restaurants, Kinos und Theaters sowie Friseursalons die Möglichkeit ein, mit Einführung der 2G-Regelung – ausschließlich gegen Corona Geimpfte und Genesene – auf Maskenpflicht und Mindestabstände zu verzichten.

Werra-Meißner – So könnten Clubs und Discos endlich wieder öffnen, könnte man ein größeres Festivalgelände ebenso besser belegen als auch in einer kleine Gaststätte wieder mehr Tische anbieten, sagt Pelikan. Für jene, denen eine größere Auslastung möglich ist, böte sich hingegen eher das 3G-Modell an, was auch Nichtgeimpfte mit Negativ-Test zulässt.

Endlich dürften die Gastronomen selbst entscheiden, welches Modell man für seinen Betrieb am sinnvollsten erachtet, lobte der Kreisverbandschef den „politischen Fortschritt“ im Land.

Für seine Gaststätte in Bad Sooden-Allendorf soll die 3G-Regel gelten, hat Pelikan entschieden. Das biete sich schon allein deshalb an, weil er das Corona-Testzentrum in der Stadt weiterhin betreiben will. Er hält es für „absurd“, Menschen die Impfung aufzuzwingen. Deshalb müsse es für alle die Möglichkeit zum Testen auch künftig geben, auch wenn das vom Nutzer irgendwann mal selbst gezahlt werden müsste.

Uwe Arends, Inhaber vom Bio-Bistro Ringelnatz in Witzenhausen, will an der 3G-Regel festhalten. So lange die Temperaturen es zulassen, werden bei ihm nach wie vor alle Veranstaltungen im Freien stattfinden. Wer drinnen sitzen möchte, hat dazu weiterhin mit einem aktuellen 3G-Nachweis (geimpft, genesen oder genesen) die Möglichkeit.

Die Maßnahmen hält er für „richtig und wichtig“, wie er sagt, darum bleibe die Tür zum Restaurant die ganze Zeit geöffnet und er achte darauf, dass Abstand gehalten wird. Auf 2G umstellen möchte Arends nicht: „Auch die, die für sich die Freiheit in Anspruch nehmen, sich nicht impfen zu lassen, möchte ich nicht ausgrenzen“, sagt er. Die Entscheidung solle weiterhin jedem selbst überlassen werde, das gehört für ihn zu den Grundrechten. Eine Arbeitserleichterung sei es aber, dass keine Kontaktdaten der Gäste mehr erfasst werden müssten, das spare viel Zeit und Papier.

Friseure favorisieren 3G

Für Friseurmeister Frank Fechtel (Eschwege) ist das 2G-Optionsmodell keine Alternative: „Als kleiner Soloselbständiger kann ich mir nicht erlauben, meine Kunden zu vergrätzen“, sagt der Obermeister der Friseur-Innung Werra-Meißner. In seinem Salon gilt daher die 3G-Regelung, auch Nichtgeimpfte mit Negativtest werden bedient. Zudem bleiben Maskenpflicht und Abstandsvorgaben bestehen.

Fechtel fürchtet: „Da wird die Schwarzarbeit enorm ansteigen.“ Schließlich wollten auch die abgewiesenen, nicht geimpften Kunden frisiert werden. Diese würden sich „dann was anderes suchen“.

Aber auch für einen größeren Friseurbetrieb ist 2G keine Option: Der Bad Sooden-Allendorfer Friseurmeister Peter Dilcher, der drei Geschäfte mit 18 Mitarbeitern betreibt, lässt es beim 3G-Modell. „Wir möchten niemanden ausgrenzen.“ Sonst sei 2G eine gute Sache, weil es einfacher sei, zu arbeiten. Obwohl: Der einzige Vorteil sei, die Maske („die nervt“) nicht mehr tragen zu müssen. Aber man habe sich dran gewöhnt. Und bezüglich des Abstands habe man sowieso längst so „umgebastelt, dass es passt“. Wichtiger sei, nicht Menschen vor den Kopf zu stoßen, die sich nicht impfen lassen können oder wollen, und am Ende „zur Schwarzarbeit treiben“. Dilcher: „Einige Kunden sind uns wegen Corona schon weggebrochen.“

Klinikum hofft auf Impfung

Ob die Einführung der 2-G-Regel das Klinikum Werra-Meißner entlastet, bleibt abzuwarten, denn noch gebe es keine Erfahrungen damit, sagt Pressesprecher Florian Künemund. Denkbar sei, dass sich mehr Menschen wegen der Einschränkungen impfen lassen. „Das würde eventuell zu einer geringeren Belegung führen, weil Geimpfte bei Covid-Infektionen seltener ins Krankenhaus müssen.“

Für mehr Fälle im Herbst sei das Klinikum vorbereitet, sagt Künemund. Material sei genug vorhanden, die Mitarbeiter können sich ab kommender Woche zum dritten Mal impfen lassen. Die isolierte Behandlung von Covid-Patienten habe man gut in den Arbeitsalltag integriert. „Sollte sich die Pandemie-Situation verschärfen, könnten wir kurzfristig Witzenhausen als Pandemie-Krankenhaus reaktivieren und alle Covid-Fälle dort behandeln“, sagt Künemund. „Die Isolierstation dort ist sofort einsatzbereit.“ Derzeit muss das Klinikum insgesamt drei Intensiv- und fünf Normalstations-Betten für Covid-Patienten vorhalten. Man melde täglich, wie viele Covid-Patienten mit welchem Impf-Status behandelt werden. „Die Hospitalisierungsrate berechnet am Ende das RKI“, so Künemund.

Die Besucherregeln bleiben vorerst bestehen: Geimpfte, Genesene oder aktuell Getestete dürfen zwischen 14 und 18 Uhr Angehörige besuchen, müssen aber ihren Status nachweisen. Eine Verschärfung der Regeln behält sich das Klinikum bei einer Verschlechterung der Lage vor. (sff/hbk/fst)

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