Wissenschaftlerin übernimmt Vorsitz – Zuwanderer im Fokus

Witzenhausen hat einen neuen Ausländerbeirat

Witzenhausen hat nach vielen Jahren wieder einen Ausländerbeirat: Abdulrahmen Algasem (von links), Oluwatosin Michael Olagunju, Isabel Greenberg, Zara-Forouq Kanaani, Bürgermeister Daniel Herz und Dr. Jelena Bacanovic-Sisic.
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Witzenhausen hat nach vielen Jahren wieder einen Ausländerbeirat: Abdulrahmen Algasem (von links), Oluwatosin Michael Olagunju, Isabel Greenberg, Zara-Forouq Kanaani, Bürgermeister Daniel Herz und Dr. Jelena Bacanovic-Sisic.

In Witzenhausen wurde ein neuer Ausländerbeirat gewählt.

Witzenhausen – Die aus Serbien stammende Agrarwissenschaftlerin Dr. Jelena Bacanovic-Sicic ist Vorsitzende des Ausländerbeirats Witzenhausen. Als Stellvertreterin wählte das Gremium während seiner konstituierenden Sitzung im Rathaus Isabel Greenberg aus den USA.

„Ich bin vor zwölf Jahren zum Studieren nach Deutschland gekommen, habe in Witzenhausen meine Doktorarbeit geschrieben und bin nun an der Universität tätig“, berichtet Bacanovic-Sicic. So habe sie die Kirschenstadt aus unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt und selbst erlebt, wie schwierig das Leben für Ausländer sein könne. Nun wolle sie Zuwanderern helfen und sich für den interkulturellen Austausch einsetzen.

Nicht zuletzt für Geflüchtete möchte ihre Stellvertreterin da sein, die seit gut fünf Jahren in Deutschland lebt. Greenberg macht sich für regelmäßige Sprechstunden im Rathaus stark. Bürgermeister Daniel Herz versprach, dafür einen Raum zur Verfügung zu stellen. Die Amerikanerin, die sich beim Bündnis Seebrücke engagiert, unterstützt die Forderung nach einem städtischen Sozialarbeiter für Geflüchtete. „Die Stadt beschäftigt bereits über ihre Pflichtaufgaben hinaus in der Servicestelle Integration Zara Kanaani“, gab Magistratsmitglied Michael Craciun (CDU) zu bedenken. „Die Geflüchteten brauchen unsere Unterstützung“, findet Abdulrahmen Algasem. Ihnen fehle oft das Wissen über die deutsche Mentalität und die Gegebenheiten in der Bundesrepublik. Um sie zu unterstützen, will der Syrer, der in seiner Heimat jahrelang als Rechtsanwalt tätig war, seine eigenen Deutschkenntnisse verbessern. Er möchte Dolmetscher werden.

„Viele meiner ausländischen Kommilitonen klagen über die Schwierigkeit, für sich einen Job oder für die Kinder einen Kita-Platz zu finden“, berichtet Oluwatosin Michael Olagunju aus Nigeria. Die meisten verhielten sich still, machten ihre Probleme nicht öffentlich. Ihnen wolle er eine Stimme geben. Olagunju schwärmt von Witzenhausen und den „vielen netten Deutschen“. Die Stadt sei ruhig und sauber, die Strom- und Wasserversorgung funktioniere einwandfrei. In seiner Heimatstadt, der Hafenmetropole Lagos mit ihren mehr als 14 Millionen Einwohnern, sei das anders. Der Nigerianer hat sich nach seinem Bachelor bewusst für ein Masterstudium in Witzenhausen entschieden, einem führenden Zentrum des Ökolandbaus.

Nicht an der Sitzung hat Mohamed Abdulrahmen Jama teilgenommen. Die Mitglieder des Ausländerbeirats wollen den Kontakt zu den acht Kandidaten halten, die nicht gewählt worden sind. „Es ist immer gut, wenn es Nachrücker gibt“, erklärte Kanaani. Kandidat Barak Ben Dov will dem Gremium ein Logo entwerfen.

Die neue Vorsitzende kündigte die Nutzung sozialer Medien an, um mit den Ausländern der Stadt in Kontakt zu kommen. Während des Wahlkampfs arbeiteten sie bereits mit Instagram. Die Wahlbeteiligung der 1060 Ausländer in Witzenhausen lag mit 21 Prozent im Vergleich zu Bad Sooden-Allendorf (vier Prozent) und Hessisch Lichtenau (neun Prozent) vergleichsweise hoch. (zmc)

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