Nachtfrost und Feuchtigkeit setzen Bäumen zu

Erste Kirschblüten bei Witzenhausen: Witterung macht Sorgen

Die ersten Kirschblüten des Jahres 2021 auf der Versuchsplantage bei Wendershausen.
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Die ersten Kirschblüten des Jahres 2021 auf der Versuchsplantage bei Wendershausen.

Die ersten Kirschblüten der Saison können aufmerksame Spaziergänger jetzt rund um Witzenhausen entdecken.

Witzenhausen - Wie Eberhard Walther, Kirschenanbauberater vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen und Leiter der Versuchsplantage bei Wendershausen, berichtet, haben frühe Sorten wie Early Burlat und Kordia an sonnigen Lagen bereits Knospen geöffnet. Mit Sorge blicken die Kirschenanbauer auf das Thermometer: Solange es weiter Nachtfröste gibt, drohen Schäden an den Blüten – und möglicherweise Ernteausfälle. Die Vollblüte in den Kirschplantagen im Werratal, wenn alle Bäume in weißer Pracht stehen, erwartet Walther ab Dienstag, 20. April. Touristische Angebote wird es dazu zwar wegen der Pandemie nicht geben, aber man kann die Blüte entlang der Wander- und Radwege erleben.

Im Vorjahr entdeckte unser Reporter am 30. März die erste Kirschblüte oberhalb von Witzenhausen, in diesem Jahr öffnen sich die ersten Knospen rund um den 14. April – sind die Bäume zwei Wochen zu spät dran? „Nein, eigentlich nicht“, sagt Eberhard Walther, Kirschenanbauberater vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen. Denn in den vergangenen Jahren habe die Kirschblüte in Folge steigender Temperaturen durch den Klimawandel immer früher begonnen, seit den 1950er-Jahren habe sich der Beginn der Blüte um fast einen Monat nach vorne verlegt.

Das sei ein schleichender Prozess, der einem selbst kaum auffalle, sagt Walther. „Spricht man aber mit älteren Leuten, berichten die von einem Beginn der Blüte rund um den 20. April.“ Das sei vor 30 Jahren der Fall gewesen. In den Aufzeichnungen seines Vorgängers auf der Kirschenversuchsanlage bei Wendershausen lässt sich zudem ablesen, dass vor 50 Jahren die Blüte sogar typischerweise erst rund um den 1. Mai begonnen hat. „Der Blühbeginn in diesem Jahr ist für die Kirschenanbauer in einem verträglichen Rahmen“, weiß Walther.

Auf dem Weg zum weißen Traum: Auf der Versuchsanlage bei Wendershausen blühen die ersten Kirschbäume, wie Kirschenanbauberater Eberhard Walther zeigt.

Angst vor Nachtfrösten

Aktuell sorgt die feuchte und vor allem kühle Witterung dafür, dass sich die Kirschbäume mehr Zeit lassen. So langsam gehen aber viele Knospen auf, beobachtet Walther. Zwischen der Vollblüte und dem Erntebeginn vergehen im Schnitt 70 Tage, rechnete der Obstbauberater vor. Somit könne man für Anfang Juli mit den ersten Kirschen in diesem Jahr rechnen.

Allerdings nur, wenn die Nachtfröste den Kirschenanbauern keinen Strich durch die Rechnung machen und die Knospen der auch für den Handel wichtigen frühen Sorten Schäden davontragen. „Wir brauchen jetzt langsam steigende Temperaturen auf um die 20 Grad und vor allem Sonne“, sagt Walther. Denn bei den kühlen Temperaturen seien auch noch keine Wild- und Zuchtbienen sowie weitere Insekten unterwegs, um die Blüten zu bestäuben – und ohne Bestäubung während der rund zweiwöchigen Blütezeit eines Baums gibt es später keine Kirschen. „Derzeit sieht man mittags höchstens ein paar Hummeln, die fliegen ab fünf Grad“, sagt Walther. „Das reicht aber nicht für eine gute Befruchtung.“

Kälte hält Schädlinge in Schach

Immerhin: Auch die Schädlinge wie der Frostspanner und die Kirschessigfliege werden durch die kühlen Temperaturen noch ausgebremst. Hier seien auf der Versuchsplantage noch nicht viele Exemplare gesichtet worden. Walther erwartet sie aber zurück, wenn die Temperaturen steigen. „Wir müssen sie beobachten und schauen, ob wir eingreifen müssen.“

Problematisch sei derzeit, dass das bedeckte, feuchte Wetter die Entwicklung von Pilzkrankheiten begünstige. Auch deshalb brauchen die Bäume Sonne, sagt Walther: „Dann trocknen sie nach der Nachtfeuchte schneller ab und entwickeln sich gut.“

Die lange Trockenheit der Vorjahre merke man in den Plantagen immer noch, sagt Walther. Noch im Januar seien die Böden sehr trocken gewesen, mittlerweile würden sie die Feuchtigkeit gut aufnehmen. „Aber die Defizite von 2018 und 2019 sind noch lange nicht ausgeglichen.“ Dennoch hofft Walther jetzt erst mal auf eine Regenpause, damit sich die Kirschblüten gut entwickeln können und die Grundlage für eine gute Ernte gelegt wird. Wie könnte die mengenmäßig aussehen? „Dazu wage ich jetzt noch keine Prognose“, sagt der Experte und hofft, dass es in diesen Tagen die letzten Nachtfröste des Frühlings gibt. (Friederike Steensen)

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