Meiler soll Hirschkäferweibchen locken

Witzenhäuser Baubetriebshof legt Hotel für Hirschkäfer an

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Haben einen Lebensraum für Hirschkäfer-Larven geschaffen: Stefanie Weigelmeier, Rouven Pfurr, Ingo Bringmann und Susanne Dörrig-Kiedos (von links).

Einen Hirschkäfermeiler haben Mitarbeiter des Witzenhäuser Baubetriebshofs am Südhang des Johannisberg-Parks angelegt. Das Land Hessen unterstützt das Projekt, das die biologische Vielfalt fördern soll.

„Mehr als 800 Käferarten in Deutschland sind auf Totholz angewiesen“, berichtet Biologin Stefanie Weigelmeier von der Unteren Naturschutzbehörde des Werra-Meißner-Kreises. Das Problem: Vielerorts wird Totholz aus dem Wald entfernt. Deshalb stehen 75 Prozent der Käfer auf der Roten Liste. Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist der bis zu acht Zentimeter große Hirschkäfer, dessen mächtige Oberkiefer geweihartig geformt sind. Der Meiler soll dem Insekt, das zu den geschützten Flora-Fauna-Habitat-Arten zählt, einen Lebensraum bieten.

Die Baubetriebshof-Mitarbeiter Ingo Bringmann und Rouven Pfurr haben in der Nähe der Minigolfanlage drei Kubikmeter Erde ausgehoben. Dort errichteten sie den Meiler aus Eichenstämmen, die vor einiger Zeit bei Fällarbeiten an der B  451 Richtung Großalmerode angefallen sind. Das angefaulte und mit Pilzen bedeckte Holz weist bereits Fraßlöcher etwa vom Bockkäfer auf. Bringmann und Pfurr füllten das Loch mit Eichenspänen auf, die beim Anfertigen von Sitzbänken angefallen waren. Auch gehäckseltes Eichen-Schwachholz kam hinzu.

„Der Meiler wird Hirschkäfer-Weibchen anlocken, die dort ihre zwölf bis 15 Eier ablegen werden“, erwartet Biologin Weigelmeier. Die Käferlarven leben drei bis sieben Jahre in den verrottenden Stämmen. Fingerdick werden sie in dieser Zeit. Schließlich verpuppen sie sich. Die schlüpfenden Käfer leben nur einige Wochen. Sie ernähren sich in dieser Zeit vom Saft, der aus alten Eichen austritt, und paaren sich.

Die Untere Naturschutzbehörde konnte die Stadt Witzenhausen für das Projekt gewinnen. „Uns liegt die Biodiversität am Herzen“, betont Stadtplanerin Susanne Dörrig-Kiedos.

Neben dem Johannisberg hat die Behörde noch zwei weitere Hirschkäfer-Standorte im Landkreis ausgemacht – in Bad Sooden-Allendorf und in Meinhard-Grebendorf. Weigelmeier hofft, dass dort noch in diesem Jahr ebenfalls Meiler entstehen. Im Haushalt des Landkreises sind für die drei Projekte insgesamt 5000 Euro eingestellt. Von dem Geld sollen auch Informationstafeln errichtet werden.  

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