Förderprogramm wird gut genutzt

Witzenhäuser investieren 7,7 Millionen Euro in Sanierung alter Häuser

Die Bereitschaft von Privatleuten, in alte Häuser in den Dorfkernen zu investieren, ist in Witzenhausen ungewöhnlich groß. Sie nutzen das Dorfentwicklungsprogramm des Landes besonders intensiv.

Wie Bauamtsleiter Bernd Westermann stolz berichtet, sind in keiner anderen Kommune im Werra-Meißner-Kreis innerhalb von nur fünf Jahren so viele Anträge auf Fördermittel aus dem Dorfentwicklungsprogramm des Landes gestellt worden. 

Seit 2014 sind in Witzenhausen über das Programm 101 private Sanierungs- und Modernisierungsprojekte gefördert worden, bestätigt Elvira Valtink vom Werra-Meißner-Kreis. Witzenhäuser Privatleute hätten 7,65 Millionen Euro investiert und dazu zwei Millionen Euro an Zuschüssen erhalten. 

Das Dorfentwicklungsprogramm soll dafür sorgen, dass der dörfliche Charakter und die typische Bauweise erhalten bleiben, gleichzeitig aber die Lebens- und Wohnqualität der Bewohner verbessert wird. „Private Bauherren können Zuschüsse für Sanierungs- und Umnutzungsmaßnahmen an Gebäuden bis zum Baujahr 1950 erhalten“, sagt Valtink. Auch für den Innenausbau, den barrierefreien Umbau, die Erneuerung oder den Ersteinbau einer Zentralheizung, Neubauten in ortstypischer Bauweise oder Freiflächen gebe es Fördermittel. 

Neu ist, dass das Programm auch die Entsiegelung von Flächen oder den Abriss von Häusern unterstützt, die nicht mehr saniert werden können. „Das muss aber von einem Sachverständigen oder dem Denkmalschutz bestätigt werden“, sagt Witzenhausens Bürgermeister Daniel Herz. Auch Kommunen können übrigens diese Abrisshilfe in Anspruch nehmen, wenn sie von den Eigentümern lange vernachlässigte Schrottimmobilien erwerben oder übernehmen. 

Außer Witzenhausen nehmen auch noch Eschwege (2012), die Gemeinde Meinhard (2013), Sontra (2017) und die Gemeinde Meißner (2019) am Dorfentwicklungsprogramm teil. Laut Valtink kann der Landkreis jedes Jahr eine Kommune dafür anmelden. Das Land Hessen hat laut dem zuständigen Umweltministerium seit 2012 insgesamt 11,2 Millionen Euro Fördermittel für die Dorferneuerung im Werra-Meißner-Kreis bewilligt.

So kann man die Förderung nutzen

Wenn eine Stadt oder Gemeinde am Dorfentwicklungsprogramm des Landes teilnimmt, können auch Privatleute Fördermittel erhalten und sich 35 Prozent ihrer Baukosten erstatten lassen – aktuell sind das im Kreis Eschwege, Meinhard, Witzenhausen, Sontra und Meißner.

Die Fördersummen

Damit überhaupt Fördermittel fließen, müssen Privatleute mindestens 10.000 Euro (ohne Mehrwertsteuer) in ihr Haus oder Grundstück im Dorfkern investieren. Dann können sie 35 Prozent der Kosten erstattet bekommen.

Für ein Gebäude kann maximal ein Zuschuss von 45.000 Euro gewährt werden, erklärt Elvira Valtink vom Werra-Meißner-Kreis. Um diese Summe zu erhalten, müssten Bauherren rund 130.000 Euro investieren.

Eigentümer von Kulturdenkmälern werden mit bis zu 60.000 Euro gefördert (Investition: 170.000 Euro). Wer Nebengebäude in bis zu drei Mietswohnungen umbaut, kann sogar bis zu 100.000 Euro Zuschüsse erhalten (Investition: 285.000 Euro).

Auch Kommunen können das Programm für ihre eigenen Gebäude nutzen. Da betrage die Förderquote sogar 75 Prozent, so Valtink.

Das Verfahren

Und so funktioniert das Verfahren im Stadtgebiet von Witzenhausen:

1) Beratung:Bevor man einen Antrag stellt, muss man sich bei Uschi Bankert vom Büro „Architektur und Städtebau“ (Kassel) beraten lassen. Bankert ist von der Stadt Witzenhausen beauftragt worden, für die Bauherren entstehen keine Kosten. Kontakt: Tel. 0561/76639422. Auch Christel Wiegel vom Witzenhäuser Bauamt beantwortet Fragen: Tel. 05542/508601, E-Mail: Christel.Wiegel@ witzenhausen.de. Bewohner der anderen am Programm beteiligten Kommunen Eschwege, Sontra und Meißner sollten sich direkt an ihre eigene Stadt-/Gemeindeverwaltung wenden.

2) Antrag stellen: Über den Förderantrag entscheidet der Werra-Meißner-Kreis, Ansprechpartner ist Johannes Wagner vom Fachdienst Regional- und Dorfentwicklung (Kontakt: Tel. 05651/30256405). Zwischen April und Dezember hat der Fachdienst ein Budget für die Dorfentwicklung, ist es ausgeschöpft, können weitere Gelder bei der WI-Bank beantragt werden. Eine Prüfung des Antrags dauere zwei bis drei Wochen, sagt Valtink. Förderanträge können noch bis 31. Dezember gestellt werden.

3) Nach der Genehmigung Aufträge vergeben: Erst wenn die Genehmigung über den Antrag vorliegt, darf der Bauherr Material kaufen oder Aufträge an Firmen vergeben, warnt Valtink. Zudem muss der Bauherr das Geld zunächst auslegen und die bezahlten Rechnungen vorlegen, bevor er die Summe erstattet bekommt. Bei größeren Projekten seien auch Teilauszahlungen möglich.

Die Einschränkungen

Gefördert werden nur Gebäude und Grundstücke in den Fördergebieten – das sind meist die Dorfkerne. „Neubaugebiete sind außen vor“, sagt Valtink.

Schließlich solle das Programm dafür sorgen, dass der typische Charakter der Dörfer erhalten bleibt und das Leben in den alten Ortskernen attraktiver wird. Deshalb gilt die Förderung auch nur für Gebäude, die vor 1950 gebaut wurden.

Rubriklistenbild: © dpa

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