Alte Genever-Flasche

Witzenhäuser Museum zeigt Glas mit viel Geschichte

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Kurios: Alte Genever-Flasche wird zum Ausstellungsstück im Völkerkundemuseum Witzenhausen, hier präsentiert von Dr. Eckhard Baum. 

Witzenhausen. Ein Zeitungsbericht vor einigen Tagen lässt jetzt ein fast schon verstaubtes Ausstellungsstück im Völkerkundemuseum in Witzenhausen in neuem Licht erscheinen:

Vor 132 Jahren soll ein deutscher Kapitän eine Flaschenpost von Bord seines Seglers „Paula“ in den indischen Ozean geworfen haben. Vor Kurzem wurde die Genever-Flasche an der australischen Westküste aus dem Wasser gefischt.

Genau die gleiche Flasche gibt es im hiesigen Völkerkundemuseum auf dem Uni-Gelände zu bestaunen. Auch sie kann ihre eigene Geschichte erzählen. Auch sie hat eine lange Reise hinter sich: Die braune Genever-Flasche im Völkerkundemuseum kam vor 30 Jahren aus Afrika nach Witzenhausen. Genauer gesagt: bei Erdarbeiten in Nigeria. Während Entwicklungshelfer in den 60er-Jahren Bewässerungskanäle aushoben, buddelte einer von ihnen die aus Holland stammende Genever-Flasche aus und stiftete sie vor 30 Jahren dem Völkerkundemuseum.

Der Kontakt kam über den ehemaligen Kollegen Dr. Eckhard Baum (80) zustande. Zu der Zeit war Baum im Nebenamt Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Tropische und Subtropische Landwirtschaft (DITSL). Die Deutsche Kolonialschule Witzenhausen, Vorgängerorganisation der DITSL-Gesellschaft, rief ab der Gründung um 1900 ihre Schüler und später Ehemalige zum Sammeln von Exponaten auf.

So kam es, dass die Genever-Flasche nun in einer Vitrine der Ausstellung, entstanden durch Schenkungen ehemaliger Kolonialschüler, zu finden ist. Seit seinem Ruhestand 2005 kümmert sich Baum ehrenamtlich und mit viel Herzblut um die Gestaltung der Ausstellungsräume und die Aufnahme neuer Exponate. Er erklärt, wie eine holländische Genever-Flasche ihren Weg nach Afrika gefunden hat: „Tatsächlich wurde Genever, natürlich vorwiegend von den Holländern, im Afrikahandel als Tauschmittel verwendet.“

Nicht nur der Genever wurde als attraktives Tauschobjekt gehandelt. Beliebt war bei den Einheimischen auch das Glas der Flasche. Es wurde als Rohstoff genutzt, zum Beispiel für die Produktion von Perlenschmuck.

Das Völkerkundemuseum in Witzenhausen zeigt die „Herstellung von Glasperlen“ in seiner Ausstellung. Im ersten Stock, in einer Vitrine ganz oben liegt die Flasche. Auf dem braunen Glas lässt sich mit einiger Mühe „v. Hoytema & C.“ entziffern und ein Loch im Boden erkennen. Die Flasche zeigt den Rohstoff, der die Grundlage für die Glasperlen bildet. Neben ihr werden die verschiedenen Stadien der Weiterverarbeitung gezeigt: Glasscherben und kleine Schälchen, die mit Glaspulver gefüllt sind. Durch das Einschmelzen in einem Ofen lassen sich aus den Scherben durchsichtige und aus dem Pulver milchige Perlen herstellen. Auf den beiden Vitrinenböden darunter sind die Endprodukte drapiert: bemalte Ketten und Armbänder mit Perlen aus Glas.

Das Besondere an den Exponaten in der Auslage: Der Perlenmacher Cedi aus Ghana fertigte sie bei einem Besuch in Witzenhausen extra für die Ausstellung an.

Von Hanna Maithert

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