Witzenhäuser Pfarrer Frieder Brack vertritt Landeskirche auf Bundesebene

Frieder Brack

Witzenhausen. Es war ein Sieg ohne Wahlkampf: Pfarrer Frieder Brack aus Witzenhausen vertritt künftig die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck bei der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD).

Die Mitglieder der Landessynode wählten den 55-Jährigen und drei weitere Vertreter dafür aus 14 Kandidaten aus.

„Ich bin selbst überrascht“, sagt Brack, der nach eigenen Angaben keinen Wahlkampf gemacht hat. Er hatte sich erst nach einer Anfrage zur Kandidatur bereit erklärt. Jetzt freut er sich über das Vertrauen - und darüber, dass er ausgerechnet 2017, während des Luther-Gedenkjahres zu 500 Jahren Reformation, in der EKD-Synode sein darf.

Finanzen als Schwerpunkt 

Den Rückhalt der Landessynode hat sich der Pfarrer seit 15 Jahren erarbeitet: Er vertritt den Kirchenkreis Witzenhausen seit dem Jahr 2000 im Landeskirchenparlament, seit 2004 engagiert er sich im Finanzausschuss. Hier hat Brack sich unter anderem dafür eingesetzt, dass kleine Gemeinden mit wenig Gläubigen genug Geld für ihre Arbeit bekommen. Seine Maxime: „Ich frage erst: Was ist der Auftrag der Kirche? Und dann: Wie finanzieren wir das?“ Vom vorhandenen Geld her zu denken und danach über seine Verwendung zu entscheiden, lehnt Brack ab. Die Aufgaben der Kirche stehen für ihn im Mittelpunkt. Ob er auch in der EKD-Synode im Bereich Finanzen mitarbeiten wird, weiß der Vater vierer Kinder noch nicht. Er will sich mit den anderen Vertretern absprechen, damit die Landeskirche in vielen Ausschüssen vertreten ist.

Von der Arbeit auf Bundesebene und der Diskussion mit Delegierten aus anderen Landeskirchen erhofft sich Brack auch neue Impulse für die Arbeit in der eigenen Gemeinde. „Der Austausch erweitert den Horizont“, sagt er. Dazu gehört für den 55-Jährigen auch, mehr aus anderen EKD-Bereichen wie dem Missionswerk oder der Seelsorge für Bundeswehr und Polizei mitzubekommen.

Schließlich würde sich der Pfarrer gern dafür einsetzen, dass die EKD-Synode künftig alle evangelischen Christen in Deutschland vertritt - also auch Reformierte und Unierte. Brack ist es gewöhnt, als Vertreter aller Protestanten herhalten zu müssen: „Ich bin in Fulda im Schatten des Doms aufgewachsen. Da hieß es von den Katholiken stets ‘Du bist ja evangelisch!’“

Bis er die Arbeit aufnehmen kann, dauert es noch. Die EKD-Synode kommt am 30. April in Würzburg zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen. Finanziell lohnt sich die neue Aufgabe übrigens nicht: Sie ist - wie die Arbeit in der Landessynode - ein Ehrenamt. „Ich werde weder freigestellt noch bezahlt“, sagt Brack. Die Witzenhäuser müssen also nicht auf ihren Pfarrer verzichten.

Hintergrund: EKD-Synode ist wichtiges Kirchengremium

Die Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) ist sozusagen der „EKD-Bundestag“: Sie berät und beschließt Kirchengesetze. Derzeit besteht sie aus 126 Mitgliedern, von denen 106 von den Landeskirchen entsandt werden. „20 Synodale beruft der Rat unter besonderer Berücksichtigung von Persönlichkeiten, die für das Leben der Gesamtkirche und die Arbeit der kirchlichen Werke Bedeutung haben“, heißt es auf der Internetseite der EKD.

Die Synode wird jeweils für sechs Jahre gewählt und von einem siebenköpfigen Präsidium geleitet. Ihre Mitglieder kommen in der Regel einmal jährlich zu einer großen Tagung zusammen. Diese wird von den neun Ausschüssen vorbereitet, die sich unter anderem mit den Themen „Recht“, „Haushalt“, „Erziehung, Bildung und Jugend“ und „Kirche, Gesellschaft und Staat“ beschäftigen.

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