Nach 41 Jahren

Witzenhäuser Polizeichef geht in den Ruhestand

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Geht gern in Ruhestand: Klaus Schinzel, seit 2014 Leiter der Polizeistation in Witzenhausen, wird heute aus dem Dienst für Sicherheit und Ordnung des Landes Hessen verabschiedet.

Witzenhausen. Eigentlich wollte Klaus Schinzel Maschinenbau in Clausthal-Zellerfeld studieren, doch ein Einstellungsberater der Polizei „hat mich gefangen“.

Und so wird der Leiter der Polizeistation Witzenhausen heute genau „41 Jahre minus einen Tag“ im Dienst für die öffentliche Sicherheit und Ordnung sein. Es ist zugleich sein letzter Tag, denn da wird Werra-Meißner-Polizeichef Thomas Beck den 60 Jahre alten Ersten Polizeihauptkommissar in den Ruhestand verabschieden.

Bereut er denn den Verzicht auf das Maschinenbaustudium? Schinzel antwortet nicht mit einem euphorischen Ja: „Es war nicht alles schlecht“, sagt er. Und fügt an, er sei gerne Polizist gewesen, habe dadurch viele Menschen kennengelernt und – vor allem – sei er „heil durchgekommen“.

Das Risiko, zu Schaden zukommen, habe es durchaus gegeben – nicht zuletzt schon als junger Beamter bei den „wüsten Einsätzen mit viel Gewalt von beiden Seiten“ an der Startbahn 18 West des Frankfurter Flughafens 1981. Einmal sei er von einem etwa 70-Jährigen am Zaun angespuckt worden. Dass die Polizei damals als „Prügelknabe der Nation“ gebraucht wurde, sei nicht schön gewesen – und zugleich prägend für einen, der vom Land kommt, wie der gebürtige Witzenhäuser sagt.

Es sei zwar schon ein schöner Beruf („wegen der Abwechslung“), aber eben auch ein gefährlicher, sagt er. „Und nur die wenigsten werden Chef“, so Schinzel weiter. „Ich habe Glück gehabt.“ Einmal sei er im Dienst auch angegriffen worden, die Wahrscheinlichkeit sei in der Großstadt halt höher. So war Schinzel nicht böse darum, im August 1990 wieder zurück in heimatliche Gefilde versetzt zu werden.

Im Werra-Meißner-Kreis wechselte er mehrfach zwischen Hessisch Lichtenau und Witzenhausen. Ende 2009 wurde er Leiter der Station in der Lossestadt, wo er schon beim Hessentag 2006 unter anderem die Leitung des Festzuges hatte, Anfang 2014 übernahm er schließlich die Leitung der Station an der Werra.

Dort geht er jetzt in den Ruhestand, auch wenn er noch hätte verlängern können. Doch dazu scheint der Frust, der durchzuhören ist, zu groß. Er klagt über Personalmangel wegen der „verfehlten Politik durch das Land Hessen“ mit der Folge, beim Aufstellen der Dienstpläne könne er erzwungenermaßen nicht immer für Zufriedenheit bei seinen Mitarbeitern sorgen. Die sei aber wichtig, damit sie auch gute Arbeit machen können. Und für die Kontaktpflege mit den Entscheidungsträgern der Region, mit Vertretern von Feuerwehr, THW, Straßenmeistereien und anderen bleibe ihm auch zu wenig Zeit.

Mehr Zeit für die Enkel

Die hat Klaus Schinzel ab morgen für sich, seine Frau und seine Hobbys und vor allem für die beiden Enkelkinder. Auch weite Reisen stehen auf dem Plan. Und zu reparieren gibt es im 1991 zusammen mit dem Vater selbst erbauten Haus auch immer etwas. Ja, sagt er: "Maschinenbau wäre auch gut geworden."

Zur Person

Klaus Schinzel (60), Anfang 1957 in Witzenhausen geboren, trat im Herbst 1977 in den Dienst der Hessischen Polizei ein, nachdem er 1976 sein Abitur in Bad Sooden-Allendorf gemacht und anschließend in Braunschweig Wehrpflicht abgeleistet hatte. Nach Stationen bei der Bereitschaftspolizei in Kassel, Wiesbaden und Hanau sowie auf zwei Revieren in Frankfurt studierte er von 1987 bis 1990 und schloss als Diplom-Verwaltungswirt ab. Nach kurzem Einsatz in Frankfurt-Sachsenhausen kam er im August 1990 nach Hessisch Lichtenau, 1991 wurde er Dienstgruppenleiter bei der Polizeistation in Witzenhausen. Dessen Leitung übernahm er schließlich 2014. Schinzel hat mit seiner Ehefrau zwei erwachsene Töchter und ist zweifacher Großvater. In der Freizeit fährt er gern Motorrad und schoss früher erfolgreich in zwei Schießsportvereinen (einmal Schützenkönig). Zudem engagiert er sich bei der Feuerwehr Blickershausen und im Heimat- und Kulturverein mit der Hauptaufgabe, das Dorfgemeinschaftshaus zu erhalten.

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