4500 Euro Strafe pro Person oder drei Monate Gefängnis

Witzenhäuser Studenten angeklagt, Lebensmittel aus Container gestohlen zu haben

Witzenhausen. Wegen Diebstahls von aussortierten Lebensmitteln von einem Supermarktgelände, sogenanntes "Containern", müssen sich drei Studierende aus Witzenhausen am 4. Februar vor dem Eschweger Amtsgericht verantworten.

Ihnen wird vorgeworfen, im Juni 2013 auf dem Gelände des Tegut-Marktes "An der Bohlenbrücke" in einen mit Gittern gesicherten Bereich eingedrungen zu sein und die Lebensmittel gestohlen zu haben.

Gegen den Mann und die beiden Frauen wurden wegen Einbruchsdiebstahls ein Strafbefehl über eine Geldstrafe erlassen. Laut Tamara Gremmelspacher, eine der Angeklagten, liege diese bei 4500 Euro pro Person oder drei Monaten Gefängnis.

Gremmelspacher sieht sich und ihre Mitangeklagten kriminalisiert. Sie haben Widerspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Gremmelspacher bestätigt, während einer allgemeinen Verkehrskontrolle angehalten worden zu sein. Die Polizei habe auch Brote und Backwaren ohne Etikett im Auto gefunden und sie mit der Begründung beschlagnahmt, die Lebensmittel seien aus der Supermarkt-Mülltonne gestohlen worden. Für die Beamten sei sofort klar gewesen, dass diese "containert" sein müssten, schildert sie. Über die Herkunft haben die drei Studierenden allerdings keine Angaben gemacht. "Weil wir uns nicht rechtfertigen müssen", erklärt Gremmelspacher. Ermittlungen der Polizei ergaben, dass die Lebensmittel von Tegut stammen. Diese waren laut Tegut-Sprecherin Stella Kircher für die Witzenhäuser Tafel bestimmt. Sie betont, dass das Verfahren von Amts wegen in die Wege geleitet worden ist und Tegut keine Anzeige erstattet habe.

Die Anklage ist Anlass für eine Demonstration gegen Lebensmittelverschwendung und für das Legalisieren des Containerns. Diese beginnt am Samstag um 15 Uhr am Nordbahnhof in Witzenhausen.

Hintergrund: Was ist containern?

Containern, auch Mülltauchen oder Dumpstern genannt, bezeichnet die Mitnahme von Lebensmitteln aus Müllcontainern von Supermärkten. Häufig steht hinter dem Containern der Protest gegen die Verschwendung von Lebensmitteln und die „Wegwerfgesellschaft“.

Laut Staatsanwaltschaft Kassel wird das Entwenden von Lebensmitteln, die für die „bestimmungsgemäße Entsorgung bestimmt sind“ in der Regel als Diebstahl geahndet und kann mit Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre bestraft werden. Wenn Lebensmittel besonders gesichert sind, handele es sich um Einbruchsdiebstahl, was mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren bestraft werden kann.

Rubriklistenbild: © dpa

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