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Witzenhäuserinnen wollen Streuobstwiesen erhalten

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Von: Michael Caspar

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Kümmern sich um die Pflege von Streuobstwiesen: Ursula Michel (links) und Bea Spiger mit Hund Sparky unter einem Apfelbaum der Sorte Ernst Bosch.
Kümmern sich um die Pflege von Streuobstwiesen: Ursula Michel (links) und Bea Spiger mit Hund Sparky unter einem Apfelbaum der Sorte Ernst Bosch. © MICHAEL CASPAR

Streuobstwiesen erhalten, die Früchte verwerten und anfallende Arbeit solidarisch finanzieren, wollen vier Witzenhäuserinnen. Am Samstag, 30. April, ab 16 Uhr stellen sie ihre Obst-Solawi online vor.

Witzenhausen – „Zwei Tonnen Äpfel haben wir 2021, unserem zweiten Jahr, geerntet“, berichtet Ursula Michel. Sie studiert wie ihre Mitstreiterinnen Bea Spiger und Greta Winters Ökologischen Landbau, will den Bachelor erwerben. Finja Lauer hat ihr Examen bereits gemacht. Die Hälfte der Apfelernte verarbeitete das Team zu Saft. Es belieferte die 48 Mitglieder außerdem mit Birnen, Zwetschgen, Mirabellen, Süß- und Sauerkirschen sowie Beeren – wöchentlich anderthalb Kilogramm Obst bis Ende Februar.

In der kommenden Saison, die im Juni beginnt, soll das Sortiment breiter werden. Nachfrage gibt es unter anderem nach Quitten, Nüssen und Johannisbeeren. Die vier wollen Walnussbäume und Haselnusssträucher pflanzen. „Nüsse sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Omega-3-Fettsäuren“, erklärt Spiger. Nüsse können eine wichtige Rolle bei der Ernährung im Winter spielen, etwa als Zutat im Salat, im Müsli oder im Brot.

„Erdbeeren wollen wir dagegen erst einmal nicht anbauen“, sagt Michel. Die gegen Krankheiten anfällige Pflanze benötigt intensive Pflege. Alle zwei Jahre ist das Feld neu zu bepflanzen. Das würde eine Arbeitskraft komplett binden. Zudem passt das nicht zum extensiven Anbau, den die Solawi bevorzugt.

Nutzungsflächen liegen im Umkreis von 15 Kilometern um Witzenhausen

Das Kollektiv hat bisher mit 15 Eigentümern Nutzungsverträge über Flächen abgeschlossen, die in einem Umkreis von 15 Kilometern um Witzenhausen herum liegen. Den Eigentümer, die die Streuobstwiesen zum Teil geerbt haben, fehlt die Zeit für die Pflegearbeiten. Sie sind froh, dass sie damit keine Firma beauftragen müssen. Die Obst-Solawi übernimmt das, kümmert sich um den Baumschnitt und um Nachpflanzungen. Im Gegenzug darf sie das Obst nutzen. Die vier Frauen sind auf der Suche nach weiteren Flächen. Mit einigen Eigentümern stehen sie bereits in Verhandlung.

Die Solawi möchte zudem mehr Mitglieder gewinnen. Schon heute würde das Obst für bis zu 70 Personen reichen. Als das Team 2020 begann, belieferte es über das Gemüsekollektiv Hebenshausen, wo es auch sein Obst lagern darf, nach Göttingen. 2021 kamen Mitglieder in Witzenhausen und Kassel dazu. Die Kasseler, von denen einige in der Kirschenstadt arbeiten, kümmern sich selbst um den Transport der Früchte zu den Verteilzentren in ihrer Stadt.

„Das Geld, das wir erwirtschaften, reicht nicht aus, um den Mindestlohn zu zahlen“, betont Michel. Der neue Richtwert liegt daher bei 35 Euro im Monat. Mitglieder können sich finanziell stärker einbringen, etwa indem sie Baumpatenschaften übernehmen, also die Kosten für die Beschaffung eines Jungbaums. Die Solawi macht zwei bis drei Mitmachaktionen im Jahr, damit die Mitglieder die Flächen, aber auch einander kennenlernen. obstsolawiz.wordpress.com

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