Fauna benötigt Jahre zur Regeneration

Die Bäche bei Witzenhausen sind weitgehend ausgetrocknet

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Kein Tropfen mehr: In Ellingerode, hier an der Brücke an der Kirche, fließt der Wilhelmshäuser Bach seit Wochen nicht mehr, wie Naturexperte Jacob Maurer beobachtet hat. 

Ellingerode/Roßbach. Die Werra führt mittlerweile so wenig Wasser, dass sie nicht mehr mit Kaliabfall belastet wird. Doch die anhaltende Trockenheit wirkt sich auch negativ auf die Fauna von Fließgewässern aus:

Ob Rautenbach oder Hungershäuserbach – die Bäche, die vom Kaufunger Wald in nordwestlicher Richtung der Werra zustreben, sind größtenteils ausgetrocknet, zum Teil schon seit vielen Wochen. Auch der Wilhelmshäuser Bach, der im Witzenhäuser Stadtteil Roßbach noch fließt, kommt im nächsten Dorf, Ellingerode, sozusagen nicht mehr an.

Mit dem Austrocknen der Bäche verloren nicht nur die Forellen, sondern auch die Kleinstlebewesen ihre Lebensgrundlage. Darauf weist der Witzenhäuser Naturexperte Jacob Maurer hin.

Was für ein Kontrast: An der Kirche von Roßbach erinnert eine Tafel an das Hochwasser von 1860. Im Hintergrund rechts verläuft der Bach.

Von diesen Kleinstlebewesen existierten Untersuchungen zufolge beispielsweise auf einem zehn Quadratzentimeter kleinen Stück Bachmoosrasen über 4300 Tierchen – fast die Hälfte davon Fliegenlarven und gut ein Drittel Larven von Zuckmücken.

Zuletzt habe es eine solche „Katastrophe“ für die Bachfauna im Trockenjahr 2003 gegeben, sagt Maurer. Sie hatte sich mittlerweile wieder hergestellt. Wie lange es nun wieder dauert, bis die Bachläufe erneut von Larven und Puppen und anderen Kleinstlebewesen besiedelt sind, kann Maurer nicht konkret sagen. Die Regeneration durch die Bestände aus den stets feuchten Bereichen mit Buntsandstein-Untergrund benötige schon mehrere Jahre. Zunächst werde es, schätzt der Naturexperte, sowieso bis Dezember dauern, bis die Bäche wieder richtig Wasser führten.

Rückzugsraum: In einem Abschnitt des Wilhelmshäuser Baches in Roßbach haben Forellen noch Raum zum Überleben gefunden.

Und was ist mit den Fischen? Aus der salzbelasteten Werra, sagt Maurer, könne ja nichts nachkommen. Bliebe nur die Regeneration durch die wenigen, die in Restpfützen noch Lebensraum gefunden haben. In vielen Pfützen allerdings, das hat Maurer beim Absuchen in den vergangenen Tagen festgestellt, hätten sich Reiher und Waschbär schon restlos bedient.

In einem Abschnitt des Wilhelmshäuser Baches in Roßbach, in dem noch Wasser fließt, haben sich aber einige, auch große Exemplare halten können. An einer Stelle werden sie sogar von einem freundlichen Nachbarn regelmäßig gefüttert.

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