Stadt sieht keinen Bedarf 

Debatte um Waldkindergarten in Witzenhausen - Eltern wollen zweite Gruppe

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Von und in der Natur lernen: Diesem Ansatz hat sich der Waldkindergarten Witzenhausen verschrieben. Eltern fordern eine zweite Gruppe, damit mehr Kinder von dem ganzheitlichen Konzept profitieren können. 

Der Witzenhäuser Waldkindergarten am Warteberg soll eine zweite Gruppe bekommen – das fordern zumindest einige Eltern. Sie sehen einen erhöhten Bedarf nach Plätzen auch durch Geschwisterkinder.

Bereits im September hat sich eine Mutter deshalb an die Stadt gewandt. Eine Antwort erhielt sie erst im Februar: Der Magistrat lehnt die Einrichtung einer zweiten Gruppe ab.

„Derzeit haben wir noch fünf Kinder auf der Warteliste für den Waldkindergarten und gegebenenfalls können noch drei dort aufgenommen werden. Somit besteht aufgrund der bloßen Zahlen für dieses Jahr nicht der Bedarf nach einer weiteren Gruppe“, begründet Bürgermeister Daniel Herz auf Anfrage die Ablehnung des Magistrats.

Das sehen die Eltern anders: Es würden nur dann drei Plätze frei, wenn ein Integrationskind mit erhöhtem Betreuungsbedarf eingeschult wird. Danach sehe es derzeit nicht aus, sagt Christoph Meixner von der Elterninitiative. Weitere Schulanfänger gebe es nicht, so werde es wohl ab dem Sommer keine freien Plätze geben. Zu den fünf Kindern auf der Warteliste kämen weitere, die auf Wunsch ihrer Eltern aus anderen Kitas zu den „Waldwichteln“ wechseln sollen. 

„Wir haben bereits 25 Unterschriften von Eltern, die jetzt oder später einen Platz im Waldkindergarten wollen“, ergänzt Elternvertreterin Constanze Trommer. Für 2020 seien es elf. Die Eltern erklären die hohe Nachfrage mit dem besonderen waldpädagogischen Konzept in Kombination mit der Kneipp-Lehre. Das Interesse sei auch gestiegen, nachdem 2018 die Betreuungszeiten auf 7.30 bis 14.30 Uhr ausgeweitet und warmes Mittagessen angeboten worden sei.

Plätze für Kinder unter drei Jahren fehlen

Wie Herz berichtet, fehlen vor allem Plätze für Kinder unter drei Jahren, der Mangel soll über neue Gruppen im Ellerberg-Kindergarten und beim DRK-Kindergarten am Nordbahnhof abgefangen werden. Zudem soll das DRK bis 2020 eine neue Kita „Im kleinen Felde“ bauen.

Der Waldkindergarten nimmt Kinder ab drei Jahren auf. Die Stadt könne aber schon jetzt von einer Erweiterung profitieren, argumentieren die Eltern. Es sei günstiger und flexibler, einen zweiten Bauwagen für den Waldkindergarten zu kaufen als Zusatz-Räume an andere Kitas zu bauen. Beim Wagen-Ausbau würden die Eltern helfen, der Besitzer des Nachbargrundstücks habe signalisiert, es der Stadt zu verpachten. Viele Erzieherinnen würden gerne im Waldkindergarten arbeiten wollen.

Der Werra-Meißner-Kreis, der eine zweite Gruppe für die „Waldwichtel“ genehmigen müsste, steht dem Vorschlag der Eltern übrigens offen gegenüber. So lange beide Gruppen alle bestehenden Auflagen einhalten, spreche nichts gegen eine Genehmigung, bestätigt Kreissprecher Jörg Klinge auf Anfrage.

Bedarf nach Kitaplätzen soll geklärt werden

Die Elterninitiative will selbst klären, wie hoch der Bedarf an Plätzen im Waldkindergarten tatsächlich ist. Daher rufen sie alle Eltern auf, sich per E-Mail (waldkiga@posteo.de) zu melden, wenn und ab wann ihre Kinder die Einrichtung auf dem Warteberg besuchen sollen. Ein Infoabend über den Waldkindergarten ist für April geplant, zudem sammeln die Eltern auf dem Markt Unterschriften. 

Der Platzbedarf wird auch Thema im Sozialausschuss am Mittwoch, 20. März, sein. Dann soll die Stadt auf Antrag von Rot-Grün ab 19 Uhr im Rathaussaal ein Lagebild der örtlichen Kitas, der benötigten Betreuungsplätze und Kosten liefern. Zudem geht es um einen Antrag zur Kinderfreundlichen und Familiengerechten Kommune und die Besichtigung offener Kitas in Südhessen.

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