Witzenhausen: Häuser dämmen mit Hanf

Ein ökologischer Baustoff wurde auf der vierten Witzenhäuser Hanftagung vorgestellt

Witzenhäuser Hanftagung: Heinz Amolsch, Berater für Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, stellte Hanf als Baustoff vor.
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Witzenhäuser Hanftagung: Heinz Amolsch, Berater für Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, stellte Hanf als Baustoff vor.

Bei der vierten Witzenhäuser Hanftagung hat Heinz Amolsch den Besuchern eine ökologischere Alternative zu Baustoffen wie Beton, Stahl und Styropor vorgestellt: Hanf.

Witzenhausen – Der Bausektor ist in Deutschland verantwortlich für 30 bis 35 Prozent der CO2-Emissionen, 40 bis 50 Prozent des Energieverbrauchs und mehr als 50 Prozent des Mülls, so der Berater für Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Dafür sei Hanf eine ökologischere Alternative

Besonders gut sei Hanf zum Dämmen von Gebäuden. „Es dämmt zwar nicht besser als konventionelle Baustoffe, aber der Energiebedarf bei der Produktion ist deutlich geringer“, sagt Amolsch. Während dieser bei mit Hanf gedämmten Häusern nach kurzer Zeit ausgeglichen sei, dauere es bei klassischer Dämmung mit Stoffen wie Schaumglas und Mineralschaumplatten Jahrzehnte.

Doch Hanf hat ein Problem: die Umlage wegen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG-Umlage). „Die Produktion klassischer Baustoffe ist davon befreit, daher sind sie billiger als erneuerbare Stoffe wie Hanf, Holz und Jute“, sagt der Baustoffberater. Das sorge dafür, dass Dämmmaterial aus Hanf 30 bis 40 Prozent teurer sei als Stein- und Glaswolle.

Amolsch geht aber davon aus, dass die CO2-Bepreisung für Baustoffe in der nächsten Legislaturperiode kommt. Daher setzt er sich dafür ein, dass sich Deutschland darauf vorbereitet, zum Beispiel durch seine Mitarbeit am Wahlprogramm der Grünen zur Bundestagswahl.

Die Kosten seien der Grund dafür, dass deutlich mehr klassisch gedämmt werde. „Das betrifft etwa 90 Prozent der Gebäude“, so Amolsch. „Nur zehn Prozent sind nachwachsende Baustoffe.“ Der überwiegende Teil davon sei Holzfaser. Hanf werde nur im Promille-Bereich genutzt. Der Vorteil von Häusern aus nachwachsenden Rohstoffen: „Sie speichern CO2 über Jahrhunderte.“

Außer zum Dämmen könne Hanf auch zur Herstellung von Ziegelsteinen genutzt werden, indem es mit Kalk vermischt werde. Diese würden zurzeit zum Beispiel in Belgien und Österreich hergestellt. Amolsch hofft, dass künftig auch Deutschland auf solche Ziegelsteinwerke setzt.

Weitere Themen der Tagung waren: Pelletierung von Hanfstreu, Vermarktung von Hanfprodukten, eine Internationale Handelsplattform für Hanfprodukte, Hanfanbau und Wertschöpfungspotenziale in Thüringen, Backen und Kochen mit Hanf, Erfahrungen eines Landwirtes mit Hanfanbau sowie der Verein Netzwerken für den Nutzhanfanbau. (Von Fabian Becker)

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