Verwaltung zählt noch

Ermittlung des Bedarfs an Kita-Plätzen in Witzenhausen ist offenbar schwierg

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Lange Betreuungszeiten und Kinder aus vielen Kulturen: Laut der Stadt ist die Nachfrage nach Kita-Plätzen bei den „Kesperknirpsen“ besonders hoch. 

Witzenhausen. Wie groß ist der Bedarf an Kindergartenplätzen in Witzenhausen? Bisher kann die Stadt auf diese Frage keine Antwort geben. 

Wer nach einem entsprechenden Antrag von SPD und Grünen sowie der Debatte zum Waldkindergarten auf konkrete Zahlen gehofft hatte, wurde am Dienstag in der turbulenten Sitzung des Sozialausschusses enttäuscht.

Denn noch ist der Platzbedarf gar nicht komplett erfasst – was laut Bürgermeister Daniel Herz auch daran liegt, dass die freien Träger von Kitas und Krippen (Kirchen, Awo, DRK, Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik, Studentenwerk) keine einheitlichen Informationen zu Nachfrage, Wartelisten und freien Plätzen liefern. So aber sei das Erstellen eines Überblicks sehr aufwendig. Zudem melden viele Eltern ihre Kinder – auf ausdrückliche Empfehlung der Stadt – bei mehreren Kitas an, um einen Platz sicher zu haben.

Ein zentrales Anmeldeportal für alle 13 Kitas ist lange geplant, doch nach Problemen mit dem Software-Entwickler nicht eingeführt worden. Gespräche mit einer neuen Firma sind geplant.

Kita-Plätze in Witzenhausen: Nur vorläufige Zahlen möglich

Herz geht davon aus, dass es erst im Mai einen sicheren Überblick gibt. So konnten Volker Dörrig (Verwaltung) und Monika Winkelbach (Leiterin städtische Kitas) nur vorläufige Zahlen und Erfahrungswerte präsentieren:

  • 760 Kinder (ein bis sechs Jahre) gibt es in Witzenhausen. Wie sich die Zahl entwickelt, sei schwer zu schätzen, sagt Dörrig. Von 2013 bis 2018 stieg die Zahl der Neugeborenen um zwölf, zudem gebe es viel Zuzug junger Familien.
  • 665 Kita-Plätze stehen theoretisch zur Verfügung. De facto sind es weniger, weil Integrations- und Krippenkinder mehr Betreuung brauchen und so Personal binden. Aktuell gibt es keine freien Plätze. Am größten ist die Nachfrage für einjährige Kinder. 620 Kinder werden aktuell in allen Kitas betreut, davon 250 in den Kitas der Stadt.
  • Elf Tagespflegeeltern gibt es im Stadtgebiet – vor allem für Kleinkinder und Familien, die flexible Betreuungszeiten brauchen.
  • 25 Kinder aus Neu-Eichenberg, Bad Sooden-Allendorf und Großalmerode besuchen Witzenhäuser Kitas. Es gibt aber einen Aufnahmestopp für Kinder aus anderen Kommunen. 19 Kinder gehen außerhalb von Witzenhausen in eine Kita.
  • Die Kosten für einen Kita-Platz seien schwer zu beziffern, sagt Dörrig. Sie richten sich nach dem Alter der Kinder, der Betreuungsdauer, Zuschüssen, Tarifverträgen und der Altersstruktur der Erzieher. Die Zuschüsse des Landes etwa schwanken zwischen 4130 Euro (Vollzeitbetreuung, Kind unter drei Jahren) und 580 Euro (Vollzeit, ab drei Jahren).

Der Ausschuss diskutierte danach lebhaft über „gefühlte Bedarfe“. Unterstützung für die Idee, schnell und flexibel den Waldkindergarten zu erweitern, signalisierten Grüne und AfW. Herz mahnte, zu warten, bis Zahlen vorliegen. „Alles andere wäre fahrlässig, denn es geht um die Verwendung von Steuern.“

Nach dem Einwurf von Dr. Christin Platner (AfW), dass sich die Stadt auch ohne sichere Zahlen verpflichtet habe, jährlich 500.000 Euro Betriebskosten für die neue DRK-Kita zu übernehmen, wurde die Debatte abgebrochen.

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