Witzenhausen

17-jähriger Flüchtling verarbeitet sein Schicksal in einem Rap-Song

Mehio Almhyo sitzt am Tisch und hört mit Kopfhörern Musik.
+
Rap hören und selbst produzieren: Flüchtling Mehio Almhyo (17) hat auf dem Burgenhof in Werleshausen seinen ersten eigenen Rapsong namens „Grausame Welt“ aufgenommen.

Der 17-jährige Mehio Almhyo hat in seinem Leben bereits einiges erlebt – über seinen Weg von Aleppo bis nach Werleshausen hat er nun einen eigenen Rapsong produziert.

Vor fünf Jahren flüchtete der aus Syrien stammende Junge aus seinem kriegsgeplagten Heimatland mit seinen Eltern und drei jüngeren Geschwistern in die Türkei. Dort lebt seine Familie heute noch, ohne Mehio.

Für den damals 12-Jährigen ging die Flucht alleine weiter bis nach Deutschland. „Ich bin nachts auf einem Schlauchboot mit 60 Menschen über das Meer geflüchtet, dabei hätten eigentlich nur 20 Leute auf das Boot gepasst“, erinnert er sich.

Seitdem lebt Mehio im Burgenhof in Werleshausen, einer Wohngruppe für Jugendliche. Er spricht Deutsch, besucht die zehnte Klasse der Johannisbergschule in Witzenhausen. Er ist längst angekommen in seinem neuen Zuhause – und doch nicht so ganz: „Ich telefoniere zwar jeden Tag mit meiner Familie, aber sie fehlt mir trotzdem so sehr“.

Bei der Aufnahme von „Grausame Welt“: Mehio Almhyo am Mikrofon und Kevin Volkenandt am Mischpult.

Seine Eltern könnten zwar nach Deutschland kommen, nicht aber seine Geschwister. „Ich habe trotz vieler Gespräche, auch mit Politikern, die Hoffnung fast aufgegeben, dass wir als Familie irgendwann wieder zusammen leben können“. Seine Geschichte, seine Erlebnisse, seinen Schmerz hat er in seinem Rap-Song „Grausame Welt“ verarbeitet. „Jeden Tag muss ich zusehen, wie Mama weint und die dunkle Sonne in unser Leben scheint“, rappt Mehio in einem Part seines Liedes, das er als kleine Nachricht an die Welt bezeichnet.

Für ihn ist Rap eine Art Ventil, um seine Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen. Am liebsten würde er die Musik auch zum Beruf machen, „aber einen Plan B braucht man immer“, weiß der 17-Jährige. Sein nächstes Ziel sei zunächst aber das Fachabitur. Unterstützung bei der Musikproduktion bekommt er von Kevin Volkenandt, Mitarbeiter im Burgenhof und selbst Musiker. „Mehio macht das wunderbar. Er sprudelt fast über vor Ideen, seine Begeisterung ist einfach mitreißend“, sagt Volkenandt. Er übernahm bei „Grausame Welt“ den Technikpart. „Ich habe den Song gerade gezogen“. Das bedeutet, er hat die Töne auf Takt gebracht.

Seine Freunde hätten Mehio bestärkt, mit der Musik weiterzumachen. „Natürlich gibt es auch die Leute, die es einem nicht gönnen, aber die blende ich einfach aus.“ Mehio hat sein Lied auch seiner Familie geschickt und ihnen den Text am Telefon übersetzt. „Sie finden den Song gut und sind besonders froh, dass ich keine Schimpfwörter benutzt habe“, sagt Mehio lachend. An weiteren Rapsongs arbeite er bereits.

Info:

„Grausame Welt“ ist zu hören auf werraland.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.