Viele Spenden kamen zusammen

Glocke der Liebfrauenkirche in Witzenhausen für Reparatur ausgebaut

+
Eine schwebende Glocke ist ein seltenes Bild in Witzenhausen. Viele waren gekommen, um beim Verladen zuzusehen. Mehrere Minuten schien die 1,24 Tonnen schwere Glocke durch die Luft zu schweben. Mit Präzision wurde sie dann langsam und vorsichtig abgesetzt. 

Witzenhausen. 1,24 Tonnen wiegt die älteste Glocke der Liebfrauenkirche. Am Donnerstag wurde sie mit einem Kran aus der Glockenstube gehoben, denn vor fast einem Jahr ist sie verstummt.

Im August 2018 klang die Glocke beim Geläut am Morgen plötzlich blechern. In der fast 700 Jahre alten Kirchenglocke klafft ein 30 Zentimeter langer Riss, der die Glocke fortan zum Schweigen brachte. Die geschätzten Reparaturkosten liegen bei etwa 60.000 Euro. Eine überwältigende Spendenbereitschaft hat dazu geführt, dass der Kirchenvorstand schon im März diesen Jahres den Auftrag für die Reparatur vergeben konnte. 

„Wir haben zu Anfang nicht daran geglaubt, dass wir die nötigen Mittel für die Reparatur zusammenbekommen“, sagt Pfarrer Frieder Brack. Man habe begonnen, Glockennudeln für den guten Zweck zu verkaufen, aber schnell war klar, dass die Kosten zu hoch sein würden, um so gedeckt werden zu können. Im Gemeindebrief vom Oktober des vergangenen Jahres wurde ein großer Spendenaufruf gestartet – und der war erfolgreich. 

Zwei anonyme Spender haben dann das Fundament für die Reparatur gelegt und zusammen 35.000 Euro gespendet. Dazu kamen viele Einzelspenden von Privatpersonen, aber auch von örtlichen Unternehmen. Auch die Stadt, der Denkmalschutz und die Kirchengemeinde beteiligen sich an den Kosten. 

Nur fünf Minuten Arbeit bis zur Verladung 

Innerhalb weniger Monate ist genug Geld auf dem Spendenkonto eingegangen, um nun die Reparatur der Glocke in Angriff nehmen zu können. Am Donnerstagmittag waren die Vorbereitungen für den Ausbau der defekten Glocke, die nach Schätzungen eines Glockensachverständigen etwa aus dem Jahr 1420 stammt, abgeschlossen und die Glocke wartete nur noch auf ihren Ausbau. 

Ein Podest musste dafür errichtet und ein Gerüst aufgebaut werden. Nur etwa fünf Minuten dauerte es, bis die Glocke dann mit einem Autokran auf den wartenden Wagen verladen werden konnte, der sie in eine Gießerei nach Süddeutschland bringen wird. Dort soll der Schaden nun von Experten behoben werden. 

„Wir hoffen, dass wir die Glocke Ende des Sommers wieder hören werden“, so Frieder Brack weiter. Und so, wie sie dann klingen wird, hat sie in Witzenhausen noch niemand gehört. Denn mit den Jahren verändert sich der Klang einer Glocke. 

Durch die Reparatur und dem damit verbundenen Schweißvorgang wird sie wieder in ihren Urzustand zurückversetzt und der Klang von vor 700 Jahren wieder hergestellt. Außerdem sollen die Krone, die vor vielen Jahren einmal abgeschnitten wurde, historisch nachgebildet und auch die ursprüngliche Aufhängung wieder montiert werden, sodass sie in altem Glanz erstrahlen und das Glockenspiel der Liebfrauenkirche wieder vervollständigen wird.

Glocke der Liebfrauenkirche in Witzenhausen wird bald wieder läuten

 © Wiebke Huck
 © Wiebke Huck
 
 © Wiebke Huck
 © Wiebke Huck
 © Wiebke Huck
 © Wiebke Huck
 © Wiebke Huck
 © Wiebke Huck
 © Wiebke Huck
 © Wiebke Huck

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.