Kuhfutter wird knapp

Landwirte um Witzenhausen kämpfen mit Trockenheit – auch Tiere sind betroffen

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Trockene Wiesen machen Zufütterung nötig: Landwirtin Ute Ebel (links) und ihre Schwester Anita Kelmendi mit ihren Kühen auf der Weide in Albshausen.

Albshausen. Die Trockenheit ist nicht erst seit Kurzem ein Problem für die Landwirte. Doch inzwischen leiden auch die Tiere ernsthaft darunter.

So auch bei Ute Ebel in Witzenhausen-Albshausen: Sie und ihre Schwester Anita Kelmendi haben dort einen Bauernhof. „Unser Vater ist 82 und hat so was noch nicht erlebt“, sagt Kelmendi. Das Problem: Das Gras ist kurz, teilweise braun. So bleibt nicht genug Nahrung für die 25 Kühe des Betriebs übrig und die Schwestern müssen Futter teuer zukaufen.

„Bis Mai hatten wir genug Futter, dann kam der erste Grasabschnitt“, sagt Kelmendi. Da sei noch alles normal gewesen. Doch dann wuchs das Gras nicht mehr aufgrund der Trockenheit. Und diese Einbußen wirken bis in den Winter nach: „Normalerweise legen wir jetzt schon Vorräte an, aber momentan geht es nur darum, die Kühe jetzt satt zu kriegen“, berichtet Kelmendi.

Normalerweise stehen die Kühe von April bis November auf der Weide und fressen dort das Gras. Doch immer öfter bleiben die Tiere nun im Stall, denn draußen sei es für die Tiere zu heiß, sagt Ebel. „Die Kühe bekommen dann Probleme mit dem Kreislauf.“

Die Trockenheit sei auch anhand der geringeren Milchproduktion sichtbar – und auf den Feldern sowieso. „Zwei Tiere haben wir schon abgeben müssen“, sagt Kelmendi. Eine Kuh gebe schon länger wenig Milch, die andere war alt und kränklich. Selbst wenn es jetzt regne, wachse das Gras allerdings nicht so schnell, dass für den Winter ein großer Vorrat geschaffen werden kann, so Kelmendi. „Ein Gewitter alle drei Wochen bringt nicht viel.“ Außerdem benötigten Kühe eine gewisse Mindestlänge des Grases, um es mit der Zunge abreißen zu können.

Die geringere Ernte und der geringere Milchertrag bringe weniger Geld in die Kassen, gleichzeitig werde das Futter aufgrund der hohen Nachfrage teurer: „Ein Heuballen kostet sonst etwa 25 Euro, jetzt bis zu 40“, sagen die Albshäuserinnen.

Was den Landwirten in der Region jetzt helfen könne: stetiger Regen, viele Milchkäufer – und staatliche Hilfe. Kelmendi wünscht sich, dass in solchen Fällen die Betriebe unterstützt werden.

Die Landwirtin betreibt in Albshausen zwei Ferienwohnungen am Bauernhof und resümiert: „Immerhin freuen sich die Feriengäste über das Wetter.“

Vorrangflächen als Futterquelle nutzen

Landwirte aus dem Werra-Meißner-Kreis dürfen ihre ökologischen Vorrangflächen ab sofort auch als Futterquelle für ihre Tiere nutzen. Grund dafür ist die Trockenheit, mit der der Mangel an Nahrung für die Kühe einhergeht. Das teilt Thorsten Möller, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes und selbst Landwirt in Herleshausen-Archfeld, mit. 

Normalerweise müssen die Vorrangflächen als eine Art Ausgleich zur Bewirtschaftung der restlichen Flächen genutzt werden. Für Möller ändert das nichts am Problem: Der Landwirt muss einen Teil seiner 160 Kühe schlachten lassen, weil er sie nicht mehr ernähren kann.

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