Neues Buch erzählt die Geschichte

40 Jahre Biotonne: Eine Erfindung aus Witzenhausen - Rückblick auf Erfolgsprojekt

Vor zehn Jahren: Professor Helge Schmeisky, einer der Erfinder der Biotonne, mit seiner Mitarbeiterin Greta Papke. Archivfoto: Ann-Kristin Herbst
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Vor zehn Jahren: Professor Helge Schmeisky, einer der Erfinder der Biotonne, mit seiner Mitarbeiterin Greta Papke.

Mülltrennung spielt in Deutschland eine große Rolle. Die Biotonne ist jünger als man denken könnte. Ein Professor aus Witzenhausen hat sie mitentwickelt.

Witzenhausen – Vor fast 40 Jahren verteilte die Uni Kassel-Witzenhausen erstmals Biotonnen, um Biomüll zu sammeln. Nun stehen sie vor fast jedem Haus in Deutschland und in weiten Teilen Europas.

Wie es dazu kam, welche Rolle die Firma Fehr und ein Studentenstreik spielten und mit welchen Schwierigkeiten die Forscher kämpften, erzählt ein neues Buch mit dem Titel „40 Jahre Bio-Tonne. Eine Vision, ein Team, ein Erfolg“. Das ist kein Fachbuch, sondern eine auch für Laien verständliche, lesenswerte Sammlung persönlicher Erfahrungen der damaligen Beteiligten.

Grünmüll statt Bioabfall? Ehemalige Studenten erzählen von Entwicklungen im Jahr 1982

So erfährt man etwa, dass die zunächst vierköpfige studentische „GrüMü“-Gruppe – Bioabfall wurde damals Grünmüll genannt – 1982 zunächst wenig begeistert war. Das Team sollte erforschen, wie man Abfälle für die ökologische Landwirtschaft nutzen könnte – und fand das unsexy.

„Saurer Regen und Atomenergie waren die angesagten Themen“, erinnern sich die damaligen Studenten Klaus Fricke und Thomas Turk. Dennoch überredeten sie 500 Witzenhäuser Haushalte, Gemüseschalen, Obstreste, Rasenschnitt, Kaffeefilter und Co. gesondert zu sammeln.

Royaler Besuch: Heinz Fehr und Hardy Vogtmann, Initiatoren des Projektes zur Biotonne, im Gespräch mit Prinz Charles.

Doch die Entwicklung des Biomülls ist noch nicht zu Ende: Im Werra-Meißner-Kreis wird ab Juli der Biomüll durchleuchtet - und wer seine Biomülltonne falsch befüllt, der muss sie demnächst selbst aussortieren. 

Geschichte des Biomülls: 1983 wurden die ersten „Grünen Tonnen“ verteilt

Auf der Versuchsanlage der Uni bei Eichenberg Dorf fand 1983 die Verwertung statt: Die Deutsche Bundesbahn stellte dafür eine Wiese zur Verfügung, Trecker mit Frontlader, Miststreuer und ein paar Forken bildeten anfangs die Verfahrenstechnik für die Kompostanlage. Am 16. März 1983 wurden die ersten Grünen Tonnen verteilt und zwei Wochen später erstmals abgeholt.

Von da an nahm das Projekt Fahrt auf, wie eine Sammlung von Dokumenten, Zeitungsartikeln und Fotos im Folgenden beweist. Man liest von Finanzierungsproblemen zu Anfang, sieht Prinz Charles und Rennfahrer Jody Scheckter mit Prof. Hardy Vogtmann auf der Kompostanlage, sowie Fotos von Versuchen. Ergänzt wird die Darstellung von anschaulich aufbereiteten Daten und Analysen.

Bis Juli 2021 gab es in ganz Deutschland sogar noch einen Landkreis, in dem die Biomüll-Tonne nicht zum Standard gehörte: Ab dem 01.07.2021 gibt es nun auch im Schwalm-Eder-Kreis einen Biomüll.

Lesenswerte Geschichte: Das Buch „40 Jahre Biotonne“.

Akteure beschreiben ihre GrüMü-Erfahrungen in „40 Jahre Biotonne“

Im zweiten Teil beschreiben 16 Akteure aus der Startphase ihre GrüMü-Erfahrungen – und ihren weiteren Lebensweg, der an deutsche Unis, in die Abfallwirtschaft oder die Politik führte.

Eine Übersicht von Firmengründungen und Forschungsprojekten in Zusammenhang mit dem Bio-Tonnen-Projekt zeigt eindrucksvoll, wie aus einer spontanen Idee bei einem Besuch in der Kasseler Entsorgungsfirma Fehr ein internationales Erfolgsprojekt wurde. Bedauerlich ist nur, dass der hohe Preis von 99,80 Euro pro Buch vermutlich wenige zum spontanen Schmökern verleiten wird. (Friederike Steensen)

Info: Hartmut Vogtmann, Klaus Fricke, Thomas Turk und Andreas Fehr (Hg.): „40 Jahre Bio-Tonne. Eine Vision, ein Team, ein Erfolg – vom Modellprojekt zum bundesweiten Standard“ (Cuvillier Verlag Göttingen), ISBN: 978-3-7369-7365-7, Druckausgabe 99,80 Euro (E-Book: 69,90 Euro).

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