Flagge und Sonne verunsichern

Witzenhausen: Bewohnerin findet Symbole der rechten Szene an ihrer Haustür

Die Reichskriegsflagge und die schwarze Sonne klebten an einer Haustür in Witzenhausen.
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Die Reichskriegsflagge und die schwarze Sonne klebten an einer Haustür in Witzenhausen.

Eine Bewohnerin hat in Witzenhausen rechtsextreme Symbole an der eigenen Haustür vorgefunden. Bei der 37-Jährigen haben sie ein ungutes Gefühl hinterlassen.

Nein, verfassungsfeindlich sind die beiden Aufkleber nicht, die eine 37-Jährige (Name der Redaktion bekannt) am Mittwoch an der Tür des Mehrfamilienhauses, in dem sie wohnt, vorgefunden hat. Ein ungutes Gefühl haben sie trotzdem bei ihr hinterlassen. Denn es handelt sich dabei um die Reichskriegsflagge und die schwarze Sonne – Symbole, die oft von Rechtsextremen genutzt werden.

Witzenhausen – Gegen 9 Uhr hat sie das Haus verlassen, gegen 14 Uhr war sie wieder zuhause, berichtet die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni Kassel am Standort in Witzenhausen. Nach Rücksprache mit einem Kollegen riet dieser ihr, die Polizei einzuschalten. Die sei nach zehn Minuten bereits da gewesen. Die Beamten hätten zwar Fotos gemacht und Daten aufgenommen, sie aber darüber informiert, dass die Aufkleber keine Straftat darstellen.

„Ich fühle mich unwohl und frage mich: Warum waren die Aufkleber nur auf unserer Tür?“, sagt die 37-Jährige. Nirgends sonst in der Stadt habe sie solche Aufkleber gesehen. Sie empfinde das als Nachricht, da in dem Haus einige Menschen wohnen, bei denen – ebenso wie bei ihr selbst – bereits am Namen auf dem Briefkasten erkennbar sei, dass sie einen Migrationshintergrund haben. Sie wünsche sich weniger Toleranz gegenüber Rechten, sagt die 37-Jährige.

Für mehr Aufmerksamkeit gegenüber rechten Umtrieben werben zudem Uni-Dekan Prof. Dr. Gunter Backes und Fachgebietsleiterin Prof. Dr. Maria Finkh in einem Leserbrief. Einige der Bewohner des Hauses seien Mitglieder der Universität. „Wenn solche Aktivitäten zunehmen und in der Folge sich deutsche und ausländische Menschen mit Migrationshintergrund sowie internationale Studierende und Wissenschaftler sich in Witzenhausen nicht mehr sicher fühlen, wäre dies ein ungeheures Armutszeugnis und ein Verlust für unsere Stadt“, heißt es in dem Brief. Solche Umtriebe einiger weniger würden die Betroffenen in Angst versetzen.

Die Reichskriegsflagge und die schwarze Sonne klebten an einer Haustür in Witzenhausen.

„Es ist aus unserer Sicht wichtig, dass die Bewohner dieser Stadt, die für ihre freundliche Offenheit und Toleranz bekannt ist, dieser beginnenden Anzeichen eines auferstehenden Ungeists gewahr sind“, schreiben Backes und Finkh. „Wir bitten die Behörden und besonders die Polizei, aktiv und proaktiv diesen Tendenzen zu begegnen.

Wir bitten unsere Mitbürger, wenn sie rechtsextreme Äußerungen, in welcher Form auch immer, wahrnehmen, nicht wegzusehen oder wegzuhören, sondern sich aufmerksam und schützend gemeinsam gegen solche Umtriebe zu wehren, und sie konsequent bei der Polizei anzuzeigen, damit hier nichts im Verborgenen wächst. Wir sind alle gefordert, mitzuwirken, damit Witzenhausen das bleibt, was es so liebenswert macht.“ (Nicole Demmer)

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