Witzenhausen: Azubis wegen Corona überlastet

Schulabgänger in Witzenhausen sorgen sich um ihre berufliche Zukunft

Fühlen sich überlastet: von links Jeric Maximilian Bollmann, Julian Schmidt und Darlene Berkenstein, Azubis im Einzelhandel.
+
Fühlen sich überlastet: von links Jeric Maximilian Bollmann, Julian Schmidt und Darlene Berkenstein, Azubis im Einzelhandel.

Azubis sind überlastet, Schüler wissen nicht wie es nach dem Abschluss weitergehen soll. Wegen Corona stehen viele Schüler der Beruflichen Schulen in Witzenhausen unter Druck.

Witzenhausen – So reagieren die Betroffenen:

Witzenhausen: Das sagen Schüler

„Viele Schüler wissen nicht, was sie nach der Schule machen sollen“, sagt Lukas Schwendel, Schulsprecher der Beruflichen Schulen Witzenhausen. Einiges zur Orientierung, wie Praktika, habe den Schülern 2020 gefehlt. „Die Pandemie erschwert den Übergang von der Schule ins Berufsleben oder zur Uni“, sagt Schwendel.

Dem stimmt sein Stellvertreter Vincent Koch zu. Er macht 2022 sein Abitur und auch sein Jahrgang wurde bei der Berufsorientierung gebeutelt. „Unser Praktikum findet jetzt vor den Sommerferien statt, aber es ist freiwillig“, sagt er. Aber nicht alle hätten einen Platz gefunden. Strenge Hygieneregeln und Homeoffice in vielen Betrieben erschweren den Schülern den Zugang zu Betrieben. Das hindere viele daran, Kontakte mit Ausbildungsstätten zu knüpfen.

Für Schwendel war das kein Problem. Er wusste früh, dass er ein duales Studium machen will. „Aber die meisten in meinem Alter wissen das noch nicht.“ Er vermutet, dass einige Abiturienten erst mal studieren. So ist die berufliche Zukunft noch offen.

Witzenhausen: Das sagen Azubis

Darlene Berkenstein, Jeric Maximilian Bollmann und Julian Schmidt, Auszubildende im zweiten Lehrjahr im Einzelhandel, konnten im Betrieb wegen des hohen Andrangs nicht so eingearbeitet werden wie üblich, sagt Schmidt, Azubi bei Tegut in Witzenhausen. Hinzu käme, dass der Unterricht meist nur im Homeschooling stattfand. „Bei der Zwischenprüfung haben wir dann gemerkt, dass uns Stoff fehlt.“ Deshalb müssten Schulen digital besser ausgestattet werden.

Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen sie sich aber weniger. Denn es gäbe momentan genug Arbeit in den Supermärkten. Mehr belaste sie die Corona-Regeln. „Ich bin froh, wenn ich nach acht Stunden Maske tragen mal wieder Luft holen kann“, sagt Berkenstein, die im Herkules-Markt in Witzenhausen arbeitet.

Zudem stieße die Pflicht, Masken und Einkaufswagen zu nutzen, bei einigen Kunden auf Unverständnis. „Manche kamen sogar mit einem gefälschten Attest, das sie vom Maske tragen entbinden sollte“, berichtet Bollmann. So müssten auch die jungen Azubis teilweise mit Kunden diskutieren. „Mir ist das oft unangenehm“, sagt Berkenstein.

Zukunft macht Probleme: Einige Schüler der Beruflichen Schulen Witzenhausen wissen noch nicht, wie es für sie beruflich weitergehen soll.

Witzenhausen: Das sagen Lehrer

Angehende Friseure traf die Schließung der Läden besonders. „Azubis im ersten Lehrjahr konnten das praktische Arbeiten kaum kennenlernen“, sagt Christian Fromm, Lehrer für das Berufsfeld Körperpflege. Den meisten fehlten etwa vier Monate im Betrieb. Im Unterricht könne man das nicht auffangen. Vor allem nicht digital: „Gerade lernschwächere Schüler kann man im Präsenzunterricht besser unterstützen“, sagt Fromm.

Zudem war in den Salons wenig los. Inhaber mussten Mitarbeiter entlassen und stellten keine Azubis ein. „Ohne gute Ausbildung könnte es bald weniger Fachkräfte geben“, sagt Fromm.

Die stellvertretende Schulleiterin Begga Breiding sieht eine große Schwierigkeit darin, die Schüler nach einem halben Jahr Homeschooling wieder an den Alltag in der Präsenz zu gewöhnen. Statt Berufsorientierung und Praktika habe es schulische Projekte gegeben.

Doch den „Duft eines Betriebes zu atmen“ könne das nicht ersetzen, sagt sie. Die psychische Belastung sei auch nicht zu unterschätzen. Auch junge Menschen leiden wegen der Pandemie vermehrt unter Zukunftsängsten.

Trotzdem sieht Breiding Positives, wie Homeoffice und digitalen Unterricht. Das habe es voher so nicht gegeben. (Von Anna Weyh Und Natascha Terjung)

Sie wollen mehr aus der Region erfahren? Dann testen Sie das ePaper der HNA zwei Wochen gratis. Sie sind eher an Neuigkeiten aus dem Raum Eschwege interessiert? Dann können Sie das ePaper-Angebot der Werra-Rundschau ebenfalls kostenlos testen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.