Witzenhausen: „Fachwerkhäuser müssen atmen“

Verein Bau- und Wohnkultur in Witzenhausen gibt Tipps rund um historische Gebäude

Die Fachwerksprechstunde startet wieder: Dieter Brauch (von links), Karl Ludwig Dierksen und Joachim Brandt vom Verein Bau- und Wohnkultur Witzenhausen geben Tipps.
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Die Fachwerksprechstunde startet wieder: Dieter Brauch (von links), Karl Ludwig Dierksen und Joachim Brandt vom Verein Bau- und Wohnkultur Witzenhausen geben Tipps.

Fachwerkhäuser gibt es in Witzenhausen einige. Doch viele davon stehen leer, sagt Dieter Brauch, Zweiter Vorsitzender des Vereins für Bau- und Wohnkultur in Witzenhausen.

Witzenhausen – Um den Leerstand in Witzenhausen zu verringern und potenziellen Hauskäufern zu helfen, bietet der Verein Fachwerksprechstunden an. Der erste Termin ist am Mittwoch, 18. August, von 18 bis 19.30 Uhr. Zum Auftakt gibt es im Büro des Vereins an der Kirchstraße 16 in Witzenhausen auch ein neues Miniatur-Modell aus Holz. Karl Ludwig Dierksen hat diesmal das Haus an der Ermschwerder Straße 18 nachgebaut.

Viele hätten Angst davor, ein altes oder denkmalgeschütztes Haus zu kaufen, da die Renovierungskosten und der bürokratische Aufwand die Menschen abschrecke, sagt Brauch. Doch das sei meistens gar nicht so kompliziert. Brauch gibt einige Tipps rund ums Fachwerk:

Fachwerkhäuser in Witzenhausen: Vor dem Hauskauf

Wer sich für den Kauf eines alten Hauses interessiere, der sollte vorab klären, was am Haus gemacht werden müsse. Der Zustand des Daches, der Fenster und des tragenden Fachwerks sei dabei wichtig, sagt Dieter Brauch. „Die Häuser werden oft nicht gewartet“, sagt er. Deshalb entstünden Schäden, die dann aufwendig repariert werden müssten – wie marode Holzbalken. Die können laut Brauch aber meistens einfach ausgetauscht werden. Manche Schäden kämen auch durch falsche Pflege: Zum Beispiel werden die Fachwerkschwellen – der unterste Balken auf dem Sandsteinsockel – durch Acrylfarben beschädigt.

Der Verein bietet dazu eine kostenlose Erstberatung für Hauseigentümer und Käufer an. Anhand der Miniatur-Modelle von Karl Ludwig Dierksen kann zudem gezeigt werden, wie Fachwerkhäuser renoviert werden können.

Fachwerkhäuser in Witzenhausen: Dämmung und Putz

„Ein Fachwerkhaus muss atmen“, sagt Brauch. Doch gedämmt muss ein Haus auch sein. Damit beides funktioniert, werden Fachwerkhäuser mit Lehm und Kalk verputzt. Der Lehm sorge dafür, dass die Feuchtigkeit nicht ins Holz eindringt und der Kalk biete einen Wetterschutz für die Fassade, berichtet Brauch. Es gebe aber auch moderne Lehmdämmputze, die „nicht teuer sein müssen“. Gedämmt werde auch mit Holzfaserdämmung. Fenster und Fugen könnten mit nachwachsenden Rohstoffen wie Hanf ausgestopft werden. Das ist laut Brauch besser als Bauschaum, der nach etwa fünf Jahren zerfällt.

Fachwerkhäuser in Witzenhausen: Feuchtigkeit

„Lehm muss in den Raum, damit die Feuchtigkeit aus den Holzbalken geht“, sagt Brauch. Dafür gebe es kreative Lösungen, wie beispielsweise einen selbst gebauten Schreibtisch aus einer Holzplatte und gestapelten Lehmsteinen. Ansonsten helfe Querlüften bei Feuchtigkeit im Raum. „Ich mache das wie Frau Holle“, sagt Brauch. Gemeint ist, Decken und Kissen am Fenster auszuschütteln.

Fachwerkhäuser in Witzenhausen: Barrierefreiheit

Ob ein Fachwerkhaus barrierefrei umgebaut werden kann, hängt laut Brauch vom Haus ab. Bei den meisten sei es aber möglich, Fahrstühle an der Fassade anzubauen. Um Erhöhungen und schiefe Böden auszugleichen, können Rampen genutzt werden. „Man braucht für so etwas pfiffige Ideen und gute Planer“, sagt Brauch. Ein Beispiel aus Witzenhausen: Das Meinhard’sche Haus. An der Rückseite des Hauses könnte problemlos ein Fahrstuhl angebaut werden, sagt Brauch. Insgesamt könne man mit alten Gebäuden in Witzenhausen mehr machen. Diese mit modernen Anbauten zu verbinden, sei mittlerweile eine gängige Möglichkeit, historische Bauten zu erhalten. In Morschen (Schwalm-Eder-Kreis) habe man am Kloster Haydau die historische Stadtmauer in ein neues Gebäude integriert. „So etwas wäre auch in Witzenhausen möglich.“

Info: Treffpunkt für die Fachwerksprechstunde ist am Vereinsbüro, Kirchstraße 16 in Witzenhausen. Weitere Infos auf bau-und-wohnkultur-witzenhausen.de (Von Natascha Terjung)

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