Witzenhausen: Wohnmobilhafen könnte Bürgerhaus ersetzen

Witzenhausen. Für eine lebhafte Diskussion hat jetzt eine Idee von Beate Oetzel (FWG) gesorgt. Sie will prüfen lassen, ob man nach dem Abriss von Bürgerhaus und Hallenbad dort einen Wohnmobilstellplatz einrichten kann.

Viele Mitglieder des Bauausschusses sorgen sich jedoch um die Zukunft des gegenüberliegenden Campingplatzes - und stimmten dagegen. Die Debatte im Überblick.

Die Idee 

Beate Oetzel, selbst begeisterte Wohnmobilistin, schlägt vor, das Areal zu nutzen, um den gesamten Bereich Am Sande touristisch aufzuwerten. Die Stellplatz-Nutzer könnten bequem viele dort angesiedelte Angebote (Kanu- und Radverleih, Radweg, Freibad, Reitanlage) nutzen, zügig in die Innenstadt laufen und so verleitet werden, länger in Witzenhausen zu bleiben. „Wir haben mehr zu bieten als Aldi, Lidl und Tegut“, sagte Oetzel in Anspielung auf den bestehenden Stellplatz am Josef-Pott-Platz. Alle ansässigen Gewerbe könnten profitieren, so Oetzel. Weitere Idee: Über ein Münzsystem könnte man den Reisenden Duschen und Toiletten im neuen Versorgungsgebäude für das Freibad zur Verfügung stellen. Oetzel ist überzeugt, dass wegen der verkehrsgünstigen Lage in der Mitte Deutschlands viele Wohnmobil-Freunde in die Kirschenstadt gelockt werden können. Eine Konkurrenz zum Campingplatz sieht sie nicht. „Wohnmobilisten wollen unabhängig sein, sie haben alles dabei und brauchen keinen Campingplatz.“

Von der Debatte ist Oetzel enttäuscht, sie will den Antrag vor der nächsten Sitzung des Stadtparlaments am Dienstag, 3. Februar (ab 19 Uhr, Rathaussaal), aber nicht zurückziehen.

Das sagen 

Die Betreiberin 

Sigrid Rudolph, die seit 25 Jahren den Campingplatz betreibt, ist gegen Oetzels Pläne: „Wenn der Stellplatz kommt, müssen wir schließen.“ Mit Preisen von fünf Euro pro Nacht könne sie nicht mithalten, selbst in den günstigeren Monaten (September bis Juni) müssten zwei Personen samt Wohnmobil bei ihr rund 16 Euro/Nacht zahlen. „Das ist keine Konkurrenz, darauf könnte ich mich ja einstellen“, so Rudolph. „Das ist Wettbewerbsverzerrung!“ Sie bezweifelt zudem, dass die Wohnmobilisten mehr Geld in der Stadt ließen.

Der Stadtwerke-Chef 

Thomas Meil ist als Stadtwerke-Chef für die Nachnutzung des Areals zuständig. Er warnt: „Wir können nicht das Fell des Bären verteilen, bevor er erlegt ist.“ Soll heißen: Bevor nicht klar ist, welche Pläne für Abriss und Neubau des Versorgungsgebäudes für das Freibad umgesetzt werden sollen, sei eine Debatte über einen neuen Stellplatz verfrüht. Er rät, das Thema zunächst zurückzustellen. Der Wohnmobilhafen am Josef-Pott-Platz werde im Sommer sehr gut angenommen, so Meil. „Es scheint, als ob sich die Leute wohlfühlen.“

Die Politiker 

Alle Anwesenden zollten Oetzel Lob für die aufwendig ausgearbeitete Präsentation. Dennoch kam Kritik: Peter Schill (SPD) ist dagegen, mit städtischen Mitteln Konkurrenz für Betriebe zu schaffen. Harald Ludwig (SPD) will nicht, dass die Sanitäranlagen des Freibads nachts unkontrolliert genutzt werden. Hans-Walther Hebel (CDU) glaubt, dass Wohnmobilisten sich nicht durch die enge Stadt zum Platz quälen, sondern verkehrsgünstig parken wollen. Andreas Gerstenberg (CDU) schlägt vor, lieber den Campingplatz aufzuwerten.

Die Touristikerin 

Bürgermeisterin Angela Fischer hatte das Thema vorab mit Stadtmanagerin und Touristikerin Diana Brehm besprochen, die verhindert war. Tenor: Es besteht kein Bedarf nach zusätzlichen Stellplätzen, zudem sei der Standort am Sande für Durchreisende ungünstig. „Frau Brehm rät davon ab, in Sichtweite des zertifizierten Campingplatzes einen Wohnmobilstellplatz zu errichten“, so Fischer. Zum Stellplatz am Diebesturm höre sie viel Positives, so Fischer. Laut Oetzel wird der Platz von Wohnmobilisten nur ungern genutzt. (fst)

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