Witzenhausen zeigt Flagge gegen Rechts

Gemeinsam gegen Fremdenfeindlichkeit: Zur Mahnwache gegen Rassismus auf dem Marktplatz kamen am Freitag Flüchtlinge, Migranten und Witzenhäuser, um ein Zeichen gegen Rassismus und für ein multikulturelles, buntes Miteinander zu setzen. Foto: Bretzler

Witzenhausen. Flagge gegen Fremdenhass zeigten am Freitag viele Witzenhäuser, die zur Mahnwache auf dem Wochenmarkt gekommen waren.

Menschen drängten sich um den Stand, den der Arbeitskreis Asyl, das Bündnis gegen Rechtsextremismus „Bunt statt Braun“ und Sympathisanten unter dem Motto „Gegen rassistische Übergriffe - für mehr Zivilcourage“ organisiert hatten. Hintergrund der Aktion waren fremdenfeindliche Angriffe beim Erntefest, die sich Sonntagfrüh im Festzelt abgespielt hatten.

Meist ist es die Angst, die Menschen daran hindert einzugreifen, wenn andere in Not sind. Angst vor Schlägen, Bedrohung und Einschüchterung. „Zivilcourage zeigen“ ist deshalb das zentrale Thema der Mahnwache auf dem Witzenhäuser Marktplatz. Verteilt werden unter anderem Zettel mit Tipps, wie man anderen hilft ohne sich selbst zu gefährden.

Der Anlass zur Mahnwache ist leider aktuell: Bei den fremdenfeindlichen Übergriffen am Sonntag im Erntefestzelt zeigten sich mutige Helfer, die einschritten, als Menschen wegen ihrer Hautfarbe attackiert wurden - „es schauten aber auch viele weg“, bemängeln die Organisatoren. „Dabei reichen oft schon kleine Gesten. Zum Beispiel andere zur Mithilfe aufzufordern oder aufzustehen und den Tätern so zu signalisieren, dass sie beobachtet werden“, sagt Michael Karl.

Der Appell verhallte nicht ungehört. Viele Menschen kamen und drückten ihre Solidarität mit Flüchtlingen und Migranten aus. Allen voran Bürgermeisterin Angela Fischer, die für ihre emotionale Rede Applaus erntete. „Alle Menschen haben ein Recht auf Freiheit. Wir werden es schaffen, Nachbarn zu werden und mit Zivilcourage füreinander einzustehen!“

Der evangelische Pfarrer Frieder Brack erinnerte an die Fundamente des christlichen Glaubens. „Freundlichkeit und Barmherzigkeit gegenüber Fremden gehören zum christlichen Gedankengut.“ Zu all jenen, die Angst vor Überfremdung haben, sagte er: „Das christliche Abendland lässt sich nicht retten, indem man gegen die christlichen Grundsätze verstößt.“

Deutliche Worte fand auch die grüne Landtagsabgeordnete Sigrid Erfurth. „Integration ist nichts, was von alleine entsteht, sondern verlangt eine Menge Arbeit von uns allen.“ Witzenhausen sei hier auf einem guten Weg. „Ich bin zuversichtlich, dass solche Übergriffe in Zukunft hier nicht mehr stattfinden werden. Zeigen wir allen, dass Hetzer und Nazis bei uns keine Chance haben!“

Am Ende des ersten Tages waren Sarah Flemmer und Michael Karl, zwei der Organisatoren der Mahnwache, begeistert vom Zuspruch der Menschen. „Viele kamen auf uns zu und fragten, wie sie helfen können. Manche hatten auch konkrete Ideen und möchten zum Beispiel Begegnungstreffen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen organisieren." Andere hätten Spielzeug und Schulsachen angeboten, ein weiterer Unterstützer möchte eine Drei-Zimmer-Wohnung für Flüchtlinge zur Verfügung stellen.

Die Mahnwache läuft noch bis Sonntagabend, 20 Uhr.

Lesen Sie auch:

Erntefest in Witzenhausen: Rechte Parolen und Schläge im Festzelt

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.