Interview mit Ulrike Laakmann: „Wir luthern noch weiter“

Witzenhausens Dekanin mit einer Bilanz zum Lutherjahr

+

Witzenhausen. Mit dem heutigen Reformationstag geht das „Luther-Jahr“ zu Ende, das die evangelisch-lutherische Kirche in Deutschland im Gedenken an 500 Jahre Reformation gefeiert hat.

Im Kirchenkreis Witzenhausen gab es viele Veranstaltungen – Zeit, mit Dekanin Ulrike Laakmann Bilanz zu ziehen.

Das Lutherjahr ist vorbei – wie haben Sie es erlebt?

Ulrike Laakmann: Für uns ist das Reformationsjubiläum noch nicht beendet, wir luthern weiter. Am heutigen Reformationstag setzen wir mit besonderen Gottesdiensten aber einen starken Akzent Richtung Abschluss.

Ich freue mich sehr, dass in den Kirchengemeinden so viel möglich geworden ist: Es gab Konzerte zum Thema, Diskussionsveranstaltungen, das Luther-Mahl, Kabarett. Während der Buß-Woche im November werden wir uns noch mit dem Evangelischen Forum an einem Abend in Witzenhausen mit Luthers „dunklen Seiten“ beschäftigen. Und im März 2018 freuen wir uns auf das Frauenmahl mit Margot Käßmann auf Burg Ludwigstein. Hier wird es auch darum gehen, welche Veränderungen das Reformationsgedenken gebracht hat.

Das Luther-Jahr war bei uns nicht nur „retro“. Es ist gut zu wissen, wo wir herkommen – gerade auch bei schwierigen Themen. Aber wir haben nicht nur den Blick zurückgeworfen, es ist genauso wichtig, sich zu fragen, was die Reformation heute für uns und unseren Glauben bedeutet.

Ende 2016 war das Thema Luther in aller Munde, Anfang 2017 trat das Reformationsgedenken in der öffentlichen Debatte angesichts von Trump, AfD-Erfolgen und Bundestagswahl mehr und mehr in den Hintergrund. Das ist Schade, oder?

Laakmann: So habe ich das nicht empfunden. Die Veränderungen im globalen und politischen Klima haben uns zurecht sehr beschäftigt. Und das hat durchaus etwas mit der Reformation zu tun: Die Reformatoren waren vor 500 Jahren stark mit Fragen nach ihrem Bekenntnis und ihrem Gewissen konfrontiert. Luther sagte: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“ Auch wir standen in diesem Jahr immer wieder vor Gewissensentscheidungen: Wo stehen wir in Sachen christliche Werte, Nächstenliebe, Friedensgedanken?

Es hat sich gezeigt, dass es sehr aktuell und wichtig ist, Position zu beziehen.

Weht denn nach einem Jahr Reformationsgedenken ein frischer Wind in Sachen Glauben durch die Gemeinden?

Laakmann: Ich glaube nicht, dass wir nun mehr regelmäßige Gottesdienstbesucher haben. Die Besucherzahlen der Luther-Veranstaltungen haben wir noch nicht ausgewertet.

Sie waren unterschiedlich gut besucht: Zum „Luther lesen“-Abend im Corvinushaus etwa hätte ich mir mehr Gäste gewünscht, beim Luther-Mahl waren alle Plätze belegt. Ich hoffe, dass die Impulse, die wir aus dem Luther-Jahr bekommen haben, nicht mit dem 31. Oktober enden.

Ab dem 1. Januar organisiert sich der Kirchenkreis Witzenhausen in Kooperationsräumen, bei denen mehrere Gemeinden zusammenarbeiten. Wie haben Sie das vorbereitet?

Laakmann:In den beiden Kooperationsräumen in Witzenhausen haben wir die Gemeinden beispielsweise gebeten, für den Reformationsgottesdienst neue Thesen aufzustellen und sich zu fragen, was sie in den Kooperationsraum einbringen können und welche Veränderungen es braucht. Diese Thesen werden wir im Gottesdienst heute Morgen an Türen aufhängen.

Verraten Sie uns eine These vorab?

Laakmann: Nein, ich möchte keine herausgreifen. Man sieht aber an den eingereichten Thesen, dass die Kirche neue Wege gehen muss. Das muss uns nicht schrecken, denn es ist ganz im Sinne der Reformation: Kirche wandelt sich immer, sie stellt sich neuen Herausforderungen.

Durch die Reformation spalteten sich vor 500 Jahren die Protestanten von der katholischen Kirche ab. Wie war das Verhältnis zu den Katholiken im Luther-Jahr?

Laakmann: Genauso gut wie in den vergangenen Jahren auch. Wir haben keine besonderen ökumenischen Veranstaltungen anlässlich des Reformations-Jahrs gemacht, aber wie gewohnt einige Gottesdienste mit der katholischen Gemeinde gefeiert, etwa zum Erntefest oder Ende November für die Rettungsdienste.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.