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Witzenhausens Ständebetreibern fehlen nach dem Umzug zur Liebfrauenkirche die Kunden

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Von: Kerim Eskalen

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Wenn die Kundschaft ausbleibt: Stephanie Omwenyeke von der Tofufaktur sucht nach Kundschaft auf dem Wochenmarkt an der Liebfrauenkirche
Wenn die Kundschaft ausbleibt: Stephanie Omwenyeke von der Tofufaktur sucht nach Kundschaft auf dem Wochenmarkt an der Liebfrauenkirche © Kerim Eskalen

Nach jahrzehntelangem Bestehen droht dem traditionsreichen Witzenhäuser Wochenmarkt nach seiner Verlegung das Aus. Hintergrund des Umzuges ist der Umbau des Marktplatzes, der für zwei Jahre angedacht wurde.

Witzenhausen – In der Zeit müssen die Ständebetreiber ihre Waren vor der Kirche verkaufen. Diese leiden jedoch nach dem Umzug im Herbst 2021 unter den drastischen Auswirkungen auf ihr Geschäft. So auch Franziska Fethke mit ihrem Gartenanbaubetrieb aus Seulingen (Göttingen), die mit Umsatzeinbußen zu kämpfen hat: „Die Kundschaft fehlt einfach. Wir machen jeden Tag 50 bis 70 Prozent Verlustgeschäft im Vergleich zum Marktplatz“, sagt die 32-Jährige. „Wir müssen uns irgendwann überlegen, ob sich das noch für uns rechnet.“

Erschwerend kommt hinzu, dass laut Fethke viele Menschen nicht wüssten, dass der Markt umgezogen ist, und denken er sei weg. „Da hört man oft Aussagen wie: Es gibt den Markt ja doch noch“, sagt die junge Frau.

Dazu kämen noch die vielen ausbleibenden Kunden von den umliegenden Dörfern, die an dem alten Standort nur eine Baustelle wiederfinden. Ein Gespräch mit der Stadt habe es gegeben. Darin wurde ihnen laut Fethke versichert, dass Banner und Wegweiser den neuen Standort des Marktes zeigen sollen. Diese reichen aber laut Ständebetreiber nicht aus und würden zu unscheinbar wirken.

Franziska Fethke vom Gartenanbaubetrieb Fethke sucht nach Kundschaft auf dem Wochenmarkt an der Liebfrauenkirche.
Auch bei Franziska Fethke vom Gartenanbaubetrieb Fethke fehlen die Kunden © Kerim Eskalen

Dabei gäbe es laut Diana Koop, Inhaberin des Fischstandes, und den anderen Inhabern eine attraktive Lösung: Ein Umzug auf die Walburger Straße, was ihrer Ansicht nach auch den Einzelhandelsgeschäften zu Gute kommen würde. Denn auch diese ringen mit den Auswirkungen des neuen Standorts.

So auch bei Kerstin Walger-Wenisch, vom Reformhaus Walger Schön & Gesund: „Viele Menschen sind vor oder nach dem Wochenmarkt noch in anderen Läden der Innenstadt einkaufen gegangen“, sagt die 54-Jährige. „Von der ausbleibenden Kundschaft am Markt sind deshalb auch wir betroffen.“

Dabei wissen die Inhaber und die Einzelhändler auch um die Wichtigkeit der Baustelle: „Sie ist richtig und da haben wir auch Verständnis für“, meint Stephanie Omwenyeke, Ständebetreiberin der Tofufaktur. „Wir würden uns nur freuen, wenn unsere Wünsche berücksichtigt werden.“

Dabei haben die Betreiber der Stände auch viele Ideen, um die Attraktivität des neuen Standorts zu erhöhen: „Neben einem Umzug wären eindeutige Hinweise an den Hauptverkehrspunkten, Hinweise auf der Homepage der Stadt oder auch Flyer ein Anfang“, meint Fethke.

Maßnahmen sind laut Franziska Fethke schnell notwendig, denn die Luft wird für die Inhaber dünner. Die Ständeinhaber müssten überlegen, den Markt aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr stattfinden zu lassen. Auch die 54-jährige Walger-Wenisch sieht die Zeit gegen sie arbeiten: „Von Woche zu Woche wird es schlechter. Man muss die Menschen für den Markt sensibilisieren, ansonsten brechen die Stände weg. Denn wir brauchen den Markt und der Markt braucht uns.“

In der Stadtverordnetenversammlung war die Marktsituation jüngst ebenfalls Thema. „Uns ist die Situation bekannt, wir haben extra ein Schild aufgestellt, das an den Markttagen auf den neuen Veranstaltungsort hinweist“, betonte Bürgermeister Daniel Herz. (Kerim Eskalen)

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