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Wo einst bei Witzenhausen Glashütten standen

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Von: Stefan Forbert

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Die Autoren Ulrich Hartmann (links) und Lothar Steinfeld präsentieren auf einer Waldlichtung stehend ein Tiegel-Fragment mit Glasanhaftungen und ihr Buch
Präsentieren ihr Buch auf historisch bedeutsamem Boden: Die Autoren Ulrich Hartmann (links) und Lothar Steinfeld haben auch an dieser Stelle Relikte einer ehemaligen Glashütte entdeckt, wie dieses Fragment eines Tiegels mit Glasanhaftungen. © Stefan Forbert

Als ein Gebiet, das vor Jahrhunderten voller Glashütten stand, ist der Kaufunger Wald seit Langem bekannt. Aber warum war das so? Dass auch nahe dem Dorf Roßbach einst Glashütten standen, ist auch bekannt. Aber wo genau? Das ist nicht bekannt – beziehungsweise war. Denn ein Buch gibt jetzt nicht nur auf diese, sondern viele weitere Fragen rund um den früher bedeutsamen regionalen Wirtschaftszweig Glasproduktion Antworten.

Roßbach – „Auf den Spuren der Roßbacher Glashütten im Kaufunger Wald“ ist der Titel des 126 Seiten starken Druckwerkes, der zugleich aussagt, was seine beiden Autoren in den vergangenen fast zwei Jahren gemacht haben. Lothar Steinfeld und Ulrich Hartmann, beide vom Entdeckerfieber gepackte Roßbacher, liefen alle Täler von Bilstein, Hüttenberg und Mühlenstein ab und durchstreiften die Waldgebiete. Und wurden auf ihrer Spurensuche – auch mit dem Auswerten alter Aufzeichnungen und Karten – reichlich fündig: Die früheren Standorte von sechs Waldglashütten wiesen sie zumeist anhand von Tonbrocken mit Glasresten, kleinen Glasscherben und Schlackebrocken nach und können es sich bei zwei weiteren Orten vorstellen, sind sich da nur nicht sicher.

Sogar, und das war gar nicht bekannt, auf die Existenz einer Alaunhütte auf Roßbacher Gebiet stießen Steinfeld und Hartmann bei ihren Recherchen. Nur deren Standort konnten sie (noch) nicht lokalisieren.

Auch entdeckten sie ein regelrechtes Wegenetz im Kaufunger Wald extra für den Transport zu und von den Glasproduktionsplätzen. Das hatte sich bis 1600, als die Blütezeit der dortigen Glaserzeugung schon vorbei war, entwickelt – also zu einer Zeit, als Wölfe und Bären dort noch heimisch waren – und ist hier und da noch erkennbar.

Bevor in ihrem Buch aber die Roßbacher Waldglashütten (auch die mittelalterlichen) vorgestellt werden, wird ein historischer Bogen geschlagen von der frühe Geschichte des Naturglases über Glas in verschiedenen Kulturen bis zum Glas der Frühen Neuzeit im Kaufunger Wald.

Natürlich betrachtet das kongeniale Autoren-Duo – der ehemalige Gesamtschulleiter Lothar Steinfeld studierte einst Kunstgeschichte, Geografie und Anglistik, der promovierte Chemiker Ulrich Hartmann ist auch firm in Text- und Grafikverarbeitung – das Glas auch chemisch („Kein Kristall, sondern eine feste Schmelze“) und erläutert auf verständliche Weise den Herstellungsprozess, ebenso den Aufbau und die Arbeit in einer Waldglashütte.

Im großen Kapitel über das Glas aus dem Kaufunger Wald ist viel interessante Regionalgeschichte zu erfahren. Steinfeld und Hartmann beschreiben Almerode als das Zentrum der Glasmacher im 16. und 17. Jahrhundert schlechthin, stellen den Hessischen Gläsnerbund von 1537 als damals eine der mächtigsten Zünfte Europas vor und geben einen Überblick über die Glashütten im Kaufunger Wald ab dem 14. Jahrhundert. Das Ende für diese Hütten kam Anfang des 17. Jahrhundert, weil von den notwendigen Rohstoffen eines gänzlich verbraucht war, das Feuerholz. Der Wald war – auch im großen Umkreis – abgeholzt.

Auf die Einwohner des damals gut 50 Haushalte zählenden Dorfes Roßbach hatte dies keinen sonderlichen Einfluss. Denn sie hatten mit den Gläsnern nicht viel zu tun. Auf die Frage, ob es Handlanger, Knechte, Holzfäller und Fuhrleute aus Roßbach gab, die in den oder für die Glashütten arbeiteten, konnten die Autoren keine Antwort finden. Allerdings fanden sie Belege für zwei durch Heirat entstandene Verbindungen von Großalmeröder Gläsnerfamilien mit Roßbachern.

Das Buch (126 Seiten, 62 Abbildungen) ist mit einer Auflage von 100 Exemplaren erschienen und für 25 Euro in der Buchhandlung Hassenpflug sowie in der Tourist-Information in Witzenhausen erhältlich. (sff)

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