Wenig Hoffnung für Bewohner

Machbarkeitsstudie: Wohnen im Bauwagen nur an zwei Plätzen in Witzenhausen möglich

Möglicher Standort: Dieser Bauwagen steht auf einem Grundstück des Gelsterhofes. Die deutlich aufwendiger gestalteten Wagenplätze nördlich des Bahnhofs haben dagegen wenig Chancen auf Genehmigung.
+
Möglicher Standort: Dieser Bauwagen steht auf einem Grundstück des Gelsterhofes. Die deutlich aufwendiger gestalteten Wagenplätze nördlich des Bahnhofs haben dagegen wenig Chancen auf Genehmigung.

Wenig Hoffnung, dass die Bewohner der Bauwagen künftig legal bei Witzenhausen leben dürfen, gibt es nach der Präsentation der Machbarkeitsstudie am Dienstag im Entwicklungsausschuss.

Witzenhausen - Ute Hauptreif und Bastian Rupp von der Planungsgruppe Stadt + Land (Kassel) hatten im Auftrag der Stadt zum einen geprüft, ob nördlich der Bahnlinie Gebiete für Freizeit- und Forschungsgärten sowie experimentelles Wohnen ausgewiesen werden können. Zum anderen untersuchten sie, ob bestehende Wagenplätze legalisiert werden könnten.

Demnach ist es unwahrscheinlich, dass das Wohnen auf sechs der acht untersuchten Flächen gestattet wird. Sie alle liegen im Außenbereich abseits der Stadt – und dort ist nach Vorgabe der Regionalversammlung Wohnen nicht erlaubt. So soll einer Zersiedelung der Landschaft vorgebeugt werden, erklärte Rupp: „Das ist ein Totschlagargument.“ Theoretisch könne man über ein Zielabweichungsverfahren bei der Regionalversammlung eine Ausnahme beantragen. „Aber das hat keine Aussicht auf Erfolg.“ Der Regionalplan werde zwar gerade überarbeitet, es sei aber nicht abzusehen, dass an dem Grundsatz gerüttelt werde. Auch wenn die Plätze nahe am Stadtgebiet liegen, würde die Bahnlinie nördlich von Witzenhausen als Einschnitt und Stadtgrenze betrachtet, so Rupp. Das sei im Juli beim Behördentermin deutlich geworden.

Zwei Standorte wären möglich

Die Ausnahmen: Im Bereich Gelsterhof an der Kasseler Landstraße, wo es neben Bauwagen, Gärten, zwei Imkereien und eine Tischlerei gibt, sowie am südlichen Stadtrand „Unter der Wolfshecke“ am Warteberg. Bei beiden Flächen wäre Wohnen möglich, weil sie direkt ans Siedlungsgebiet anschließen. Beim Gelsterhof müsste nur der Bebauungsplan geändert werden, das Warteberg-Areal ist im Flächennutzungsplan bereits als Wohnbaufläche ausgewiesen.

Diskussion ist erst für Sondersitzung geplant

Nach der Präsentation stellten vor allem Vertreter von Bunter Liste, Grünen und FWG Fragen und versuchten Wege für eine mögliche Legalisierung zu finden. Am Ende einigte sich der Ausschuss nach lebhafter Debatte, das Thema jetzt in den Fraktionen zu beraten und später bei einer Sondersitzung erneut zu diskutieren. Dann sollen auch die Betroffenen zu Wort kommen, denen der Ausschuss am Dienstag mit den Stimmen von SPD und CDU nicht mal des Recht auf Fragen an die Gutachter einräumte.

Laut der Studie spricht übrigens wenig gegen die naturnahe Gärten, Streuobstwiesen und eine Nutzung als Seminarorte. Bestehende Bauten dürfen erhalten werden. Das heißt: Man darf die Flächen pflegen, nur übernachten darf man dort nicht. Die gesamte Studie gibt es im Bürgerinfoportal der Stadt.

Bauwagen-Bewohner sind enttäuscht

Positiv sei, dass viele Konzepte der Bauwagen-Gemeinschaften wie der Erhalt der Kulturlandschaft und des Naturraums als verträglich gesehen wurden, sagt Jonas Habel von der Interessengemeinschaft (IG) Wagenleben. Man sei aber enttäuscht, dass das Argument des Regierungspräsidiums, bewohnte Bauwagen im Außenbereich seien eine unerwünschte Zersiedelung der Landschaft, als unüberwindbar gesehen werde. Auch das Argument, es sei zu aufwendig, Wagenplätze mit Strom und (Ab-)Wasser zu erschließen, sei nicht nachvollziehbar. Bei den Projekten ginge es ja darum, mit wenig Infrastruktur auszukommen und Alternativen zu testen, so Habel. Die IG lässt sich von Klaus Schotte (Leipzig) beraten, der als Planer Tiny-House-Projekte begleitet.

Dass es die Sondersitzung geben soll, wo den Bewohnern Rederecht in Aussicht gestellt wird, sei gut. Die IG will Kompromissvorschläge anbieten und wünscht sich zudem vorab ein Gespräch zwischen Bewohnern und Behördenvertretern, um nach Lösungen zu suchen – etwa über eine Ausnahmegenehmigung. In anderen Bundesländern sei das bereits gelungen. „Wir bleiben dialogbereit“, betont Habel. Als zweite Stoßrichtung setzt die IG Hoffnung in das angestrebte Bürgerbegehren. (Friederike Steensen)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.