Zukunft des Werra-Meißner-Kreises

Wohnen, Verkehr, Senioren: Weitere Positionen der Kandidaten zur Landratswahl

Gespräch über Zukunft des Werra-Meißner-Kreises: Die Landratskandidaten Friedel Lenze (2. von links), Frank Hix, Nicole Rathgeber und Daniel Herz diskutierten mit WR-Redaktionsleiter Tobias Stück (links) und HNA-Redaktionsleiterin Friederike Steensen.
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Gespräch über Zukunft des Werra-Meißner-Kreises: Die Landratskandidaten Friedel Lenze (2. von links), Frank Hix, Nicole Rathgeber und Daniel Herz diskutierten mit WR-Redaktionsleiter Tobias Stück (links) und HNA-Redaktionsleiterin Friederike Steensen.

Am Sonntag, 24. Oktober, wird der nächste Landrat oder die nächste Landrätin für den Werra-Meißner-Kreis gewählt. Wir präsentieren Ihnen hier die Aussagen der Kandidaten zu fünf Kernthemen.

Drei Bewerber und eine Bewerberin wollen am 1. Januar 2022 die Nachfolge von Landrat Stefan Reuß (SPD) antreten. Da dieser recht kurzfristig seinen Wechsel von der Spitze des Werra-Meißner-Kreises zum Sparkassen- und Giroverband angekündigt und die Bundestagswahl viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, ist der Landratswahlkampf nun mit gut vier Wochen kurz und knackig.

Hier finden Sie die Antworten der Kandidaten auf fünf Fragen, die die Bewerber in maximal 400 Zeichen beantworten sollten. Wo das überschritten wurde, haben wir gekürzt.

Das waren unsere fünf Fragen:

  • Das Wohnen im Werra-Meißner-Kreis wird immer teurer, der Markt an Häusern ist leergefegt, günstige Mietwohnungen sind Mangelware. Was wollen Sie tun, um diese Lage zu verbessern?
  • Wie wollen Sie heimische Institutionen wie die Feuerwehren, das Medienwerk, die Musikschule, die Volkshochschule sowie die Vereine stärken?
  • Wie stehen Sie zur Ansiedlung von Logistikstandorten – die der Nachbarlandkreis Hersfeld-Rotenburg ja sehr erfolgreich betreibt? 
  • Wie stellen Sie sicher, dass der Kreis für die immer älter werdende Bevölkerung lebenswert bleibt – auch abseits der größeren Städte?
  • Was wollen Sie zur Verbesserung der Mobilität im Kreis und die Anbindung an Oberzentren wie Kassel und Göttingen konkret erreichen?

Das sind die Antworten der Kandidaten in der Reihenfolge, wie sie auf dem Wahlzettel stehen:

Friedel Lenze (SPD)

Dienstältester Bürgermeister im Kreis: Jetzt will Friedel Lenze (SPD), der seit 24 Jahren Verwaltungschef in Berkatal ist, nächster Landrat des Werra-Meißner-Kreises werden.

Wohnen: Abstimmung mit privaten Investoren oder Gründung einer kreiseigenen Wohnungsbaugesellschaft; Unterstützung neuer Wohnformen; Aktivierung eines kreisweiten Leerstandsmanagements; Ausweitung der Beratungsangebote über fach- und denkmalgerechte Sanierung von Fachwerkhäusern; Unterstützung bei der Umsetzung des Modellvorhabens „Energetische Gebäudesanierung“.

Institutionen und Vereine: Errichtung einer Feuerwehrtechnischen Zentrale, Beibehaltung der 10-Prozent-Förderung, kostenfreie Zurverfügungstellung kreiseigener Liegenschaften, Unterstützung des kreisweiten Freiwilligentags und der Freiwilligenagentur Omnibus, Fortführung des Projektes „Freiwilliges soziales Schuljahr“, Beibehaltung der Förderung der Institutionen; Ausbau der Schulungsangebote für Vereine, Erarbeitung eines Masterplans Ehrenamt.

Logistik: Falls geeignete Flächen zur Verfügung stehen, das Verhältnis von Flächenverbrauch zu Arbeitsplätzen stimmt, es politische Mehrheiten in der/den betreffenden Kommunen gibt und von der Bevölkerung gewünscht, wird die Ansiedlung von Logistikstandorten unterstützt. Vorrang hat aber eine klimaschonende Ansiedlungspolitik und die Förderung von Firmen mit innovativen, nachhaltigen Geschäftsmodellen.

Senioren: Weitere Umsetzung des Masterplans Senioren, Erhalt des Senioren-Büros, Unterstützung von Mobilitätsprojekten, Unterstützung generationenübergreifender Projekte, Stärkung der Ortskerne und der Grundversorgung, Sicherstellung und Verbesserung der dezentralen medizinischen Versorgung und Erhalt beider Krankenhäuser in kommunaler Trägerschaft mit breitem medizinischen Angebot.

Mobilität: Prüfung der Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken, Unterstützung und Fortführung von Modellprojekten wie Mobilfalt oder Bürgerbussystemen, verstärktes Angebot von On-Demand-Systemen, Ausweitung des kostenfreien hessenweit gültigen Flatrate-Tickets für Bus und Bahn, Erstellung und Umsetzung eines kreisweiten alltagstauglichen Radverkehrskonzeptes mit Anknüpfung an Bus und Bahn.

Frank Hix (CDU)

Badestädter durch und durch: Frank Hix ist seit zwölf Jahren Bürgermeister seiner Heimatstadt Bad Sooden-Allendorf. Kreisweit setzt er sich seit 15 Jahren für eine bessere Wasserqualität der Werra ein.

Wohnen: Bezahlbarer Wohnraum ist dringend nötig. Mit den Städten und Gemeinden sollten wir uns über die Schaffung abstimmen. Mit einem interkommunalen Wohnraum- und Förderkonzept für sozialen Wohnungsbau im Kreis kann man dem Wohnungsnotstand entgegnen. Auch eine interkommunale Wohnbaugesellschaft wäre denkbar, falls sich nicht genügend private Investoren finden. 

Institutionen und Vereine: Das Ehrenamt und die Vereine sind das Herz und die Seele des gesellschaftlichen Lebens – ganz besonders bei uns im ländlichen Raum. Deshalb plädiere ich dafür, Vereinen zum Beispiel mit Werbekampagnen und ähnlichen Maßnahmen unter die Arme zu greifen. Insbesondere Kinder und Jugendliche müssen schon früh an das Vereinsleben gebunden werden, damit langfristig die Vereinsstrukturen erhalten bleiben. 

Logistik: Unsere zentrale Lage ist ein wichtiger Standortfaktor. Jedoch gibt es in Bezug auf Logistikunternehmen nicht nur bei uns, sondern inzwischen auch in Hersfeld-Rotenburg Diskussionen über die Verkehrsbelastung und die Flächenversiegelung. Mit einem hohen Flächenverbrauch bei einer relativ geringen Zahl von Arbeitsplätzen sind solche Unternehmen weder zeitgemäß noch nachhaltig.

Senioren: Ein großes Problem für Senioren ist die eingeschränkte Mobilität, wodurch gerade diese Gruppe ein wohnortnahes Angebot an Dienstleistungen und Einkaufsmöglichkeiten benötigt. Vom Hausarzt über die Bankfiliale bis zum kleinen Laden mit der Postfiliale um die Ecke. Derartige Angebote müssen wir aufrechterhalten, bei Bedarf neue Konzepte ausprobieren und fördern. Ebenso Angebote zur besseren Mobilität wie den Bürgerbus. 

Mobilität: Heute müssen wir alle Verkehrsarten berücksichtigen. Das Auto spielt im ländlichen Raum weiter eine elementare Rolle, gute Straßen sind wichtig, besonders die Anbindung an die Metropolen. Die Erfahrung mit dem Stadtbahnhof Eschwege zeigt: Das ÖPNV-Angebot muss mit einem kürzeren Takt zu den Menschen kommen, nicht umgekehrt. Zudem brauchen wir für Pendler und Touristen gute Radwege. 

Nicole Rathgeber (FWG)

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Wohnen: Als Sofortmaßnahme kann man mit den Kommunen das Leerstandskataster aktualisieren, um zu sehen, wo Wohnraum vorhanden ist, der mit einem für die Vermieter attraktiven Förderprogramm zur Verfügung gestellt werden kann. Mit Architekten, Bauunternehmen, Maklern, Banken, Hausbesitzern, Investoren und Bauherren will ich über Vorteile von Vermietung oder Verkauf beraten.

Institutionen und Vereine: Ehrenämter haben nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern vor allem Wertschätzung verdient. Dies kann durch die Ehrenamtskarte zum Ausdruck gebracht werden. Höhere Zuschüsse müssen bei der Landesregierung eingefordert werden. Es kann nicht sein, dass Kommunen Pflichtaufgaben, wie den Brandschutz, erfüllen müssen, aber bei der Finanzierung im Regen stehen gelassen werden. 

Logistik: Logistikunternehmen suchen Standorte an Verkehrsknotenpunkten. Die Flächen sind zunehmend verbraucht, so dass der Werra Meißner Kreis interessant ist. Bei der Wahl der meist großflächigen Standorte werde ich mich dafür einsetzen, dass die von der Ansiedlung betroffenen Menschen mit einbezogen werden. Zudem sollten wir im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes nicht zu viele Flächen versiegeln.

Senioren: Ich möchte barrierefreies und generationsübergreifendes Wohnen fördern. Die Wohnattraktivität muss weiter durch einen attraktiven ÖPNV, eine gute flächendeckende medizinische Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten gesteigert werden. So fördern wir nicht nur die Lebensqualität der älteren Generation, sondern sorgen auch gleichzeitig für die Jugend und die Familien, die für die Zukunft des Kreises ebenso wichtig sind.

Mobilität: Unsere Radwege müssen weiter ausgebaut werden. Zudem müssen Fahrtzeit und Verbindungen mit Bus und Bahn in die Oberzentren verkürzt und ausgebaut werden. Hier kann ich mich beim NVV einsetzen. Der Ausbau des ÖPNV entlastet den Individualverkehr und die Umwelt. Auch der Ausbau des Anrufsammeltaxisystems ist eine erstrebenswerte Lösung, die nutzbarer gemacht werden muss. 

Daniel Herz (parteilos)

Witzenhausens Bürgermeister Daniel Herz ist gerne am Werraufer unterwegs.

Wohnen: Wohnen ist im Vergleich zu Kassel und Göttingen günstiger, wird aber auch hier teurer. Eklatanter ist der Mangel an großen und barrierefreien Wohnungen. Es herrscht nicht mehr viel Leerstand – wenn, sind die Häuser arg sanierungsbedürftig. Die Kommunen müssen bei der Ausweisung neuer Baugebiete und der Nachverdichtung unterstützt werden. Es müssen pragmatische Ansätze her.

Institutionen und Vereine: Die Unterstützung der Volkshochschulen und Musikschulen muss weitergehen, Kreis und Kommunen müssen Bildungsangebote erhalten. Die Vereinsarbeit muss seitens des Kreises beibehalten werden, da unser Alltag durch ehrenamtliche Arbeit gestützt wird. Das Medienwerk kann zu einem entscheidenden Faktor werden. Es sollte den Kommunen einen Mehrwert bringen, durch die Bewerbung von Gewerbegebieten oder touristischen Zielen.

Logistik: Logistikstandorte sind nötig, müssen aber dahin, wo sie Sinn ergeben. Welchen Effekt sie haben können, sieht man in Hersfeld: Weitere Betriebe kamen dazu, was mehr Jobs bedeutet und mehr Möglichkeiten bietet. Man muss im Kreis abwägen, wo man welche Industriezweige zur Ansiedlung bewegen kann. Mit genug Personal könnte die WFG Betriebe gezielt ansprechen. Kreis und Kommunen müssen den Weg ebnen.

Senioren: Neben der Versorgung durch die Klinikstandorte und niedergelassenen Ärzte braucht es Infrastrukturen im Bereich der Versorgung und des Wohnens. Einige Städte haben schon Projekte für barrierefreies Wohnen umgesetzt. Das muss der Kreis unterstützen – und Möglichkeiten zeigen, nicht Hindernisse. Es muss nicht der absolute Abbau der Bürokratie ausgerufen werden, aber gewisse Prozesse dauern zu lange, was Investoren abschreckt.

Mobilität: Mobilität ist im ländlichen Raum wichtig. Viele nehmen nicht den Zug nach Kassel und Göttingen, da die Anschlüsse kurz vor Ankunft weg sind und der nächste erst in einer Stunde fährt. So können wir Menschen nicht begeistern, den ÖPNV zu nutzen. Auch muss man sich in den entsprechenden Gremien mehr für die Verteilung der Gelder in den ländlichen Raum statt in die Ballungsgebiete einsetzen.

Eine Sammlung von Porträts und Interviews mit den vier Kandidaten aus den vergangenen Wochen finden Sie hier.

Weitere inhaltliche Positionen zu den Themen Gesundheit, ländlicher Raum, Wirtschaft und Tourismus können Sie im Video zu unserer Podiumsdiskussion nachträglich anschauen.

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