Wollschweine wühlen in Ellingerode

Ehepaar Sußebach hält vom Aussterben bedrohte Rasse

Halten eine Rotte Wollschweine ganzjährig im Außengehege: Landwirt-Ehepaar Sarah und Tim Sußebach.
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Halten eine Rotte Wollschweine ganzjährig im Außengehege: Landwirt-Ehepaar Sarah und Tim Sußebach.

Grunzend und schnaufend arbeiten sich die Schweine durch das Erdreich. Sie suchen nach dem Futter, das überall im Gehege verstreut auf dem Boden liegt.

Wollschweine hält das Ehepaar Sarah und Tim Sußebach am Ortsrand von Ellingerode: derzeit einen Eber, zwei Sauen, vier Jährlinge und sieben Ferkel.

„Wir haben unsere konventionelle Schweinehaltung im Stall aufgegeben und uns 2016 die Wollschweine zugelegt“, berichtet Bauer Sußebach, der 120 Hektar Land bewirtschaftet. Die Wollschweine, eine erstmals in den 1830er Jahren in Ungarn gezüchtete Rasse, eignen sich gut für die Außenhaltung. Fett macht nämlich bis zu 70 Prozent der Körpermasse aus. Neben der dicken Speckschicht schützt auch das dichte Winterfell aus wollig gekräuselten Borsten gegen Kälte. „Die minus 25 Grad Celsius, die im Februar bei uns herrschten, haben den Tieren nichts ausgemacht“, erzählt der gelernte Landwirt.

Das Wollschwein ist zudem robust. „In den vergangenen fünf Jahren mussten wir die Tiere nie mit Antibiotika behandeln“, sagt Tim Sußebach. Zur Gesundheit der Allesfresser trägt auch die Gehegehaltung bei. Sie nagen sich nicht aus Langeweile gegenseitig die Ohren und Schwänze ab. Geschützt werden müssen die Vierbeiner dagegen vor dem Kontakt mit Wildschweinen, die Krankheiten wie die Afrikanische Schweinepest übertragen könnten. Ein stabiles Metallgitter umgibt die beiden 140 und 120 Quadratmeter großen Gehege. Innen gibt es zudem mit etwas Abstand noch einen Elektrozaun.

„Wir haben uns auch deshalb für das Wollschwein entschieden, weil die Mangalitza-Schweinerasse, so der offizielle Name, gefährdet ist“, betont Sarah Sußebach. In Ungarn gab es um 1890 neun Millionen Exemplare. Dort kam dann aber in den 1960er Jahren das magere Fleisch englischer Schweinerassen in Mode. Die Folgen waren dramatisch: Ende der 1970er Jahre gab es nur noch 200 Wollschweine in Ungarn.

Mittlerweile haben sich die Bestände wieder etwas erholt. Die agilen, nett anzuschauenden Vierbeiner sind in Tierparks populär. Vor allem im deutschsprachigen Raum erlebt ihr Fleisch eine Renaissance. Es schmeckt aufgrund des vielen Fetts, das den Geschmack trägt, besonders lecker. Das Fleisch ist reich an Omega-3-Fettsäuren und natürlichen Antioxidantien.

Sußebachs verkaufen ihre Jährlinge jeweils an einen Betrieb im Raum Frankfurt. Der mästet die Tiere vor dem Schlachten noch ein weiteres halbes Jahr. Zum Vergleich: Die rasch wachsenden Schweinerassen der konventionellen Betriebe haben nach einem halben Jahr ihr Schlachtgewicht erreicht, ihr Fleisch ist daher deutlich günstiger. Ein, zwei Tiere im Jahr schlachten die Ellingeröder für den eigenen Bedarf.

„Unsere beiden Außengehege sind an den Wochenenden immer ein Publikumsmagnet“, berichtet Sarah Sußebach. Radfahrer, Reiter und Spaziergänger stoppen dort und machen Fotos. (Michael Caspar)

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