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Modernisierter Woyzeck in Witzenhausen

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Von: Hannah Köllen

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Die Teilnehmer des Kursus Darstellendes Spiel des Beruflichen Gymnasiums Witzenhausen
Kurz vor der Aufführung: Der Kurs Darstellendes Spiel des Beruflichen Gymnasiums Witzenhausen entwickelte ein modernes Stück zur Geschichte „Woyzeck“ aus dem Jahr 1836. © Hannah Köllen

Was haben ein rosa Hasenkostüm und das Lied „Millionär“ der Prinzen gemeinsam? Beides sind Elemente der Aufführung des Kurses Darstellendes Spiel des Beruflichen Gymnasiums in Witzenhausen. Am Freitagnachmittag fand die erste Aufführung in der Aula der Schule statt. Die Schüler der Jahrgangsstufe 13 hatten eine modernisierte Interpretation des Dramenfragmentes „Woyzeck“ von Georg Büchner erschaffen.

Witzenhausen – Die im Jahr 1836 entstandene Geschichte handelt von dem Protagonisten Woyzeck, der sich aus finanzieller Not heraus von einem skrupellosen Arzt als Proband ausnutzen lässt. Als er dann erfährt, dass seine Freundin Marie ihn betrügt, verliert Woyzeck die Kontrolle und tötet sie.

Der Kurs Darstellendes Spiel mit insgesamt 32 Schülern wurde in zwei Gruppen unterteilt.

Die Proben fanden alle zwei Wochen für je vier Stunden statt. „Im ersten Halbjahr haben wir uns vor allem auf das Basistraining konzentriert, also auf das Erlernen theatraler Mittel“, sagt Kirsten Theiß. Sie unterrichtet Deutsch, Sport und Darstellendes Spiel und leitet die beiden Kurse.

Dass die Schüler den Woyzeck aufführen, hat Theiß entschieden. „Die Geschichte kennen sie sowieso schon aus dem Deutschunterricht. Die Zeit gibt es einfach nicht her, dass wir zu Anfang des Kurses erst noch einen neuen Text lesen müssen.“

Der Woyzeck sei jedoch ihre einzige Vorgabe gewesen. „Die Idee zur Umsetzung ist dann ganz allein die Leistung der Gruppe“, sagt Theiß.

Die Schüler fanden es gut, dass sie eine Geschichte behandelt haben, die sie bereits kennen. „Durch den Kurs haben wir einen tieferen Einblick in die Thematik der Geschichte erhalten“, sagt Jeanne Fischer, die im Stück die Marie spielt. „Das ist für uns natürlich super, weil wir die Geschichte auch im Abi behandeln“, sagt die 18-Jährige.

Dass sie alle Proben und auch während der Aufführung wegen der Corona-Pandemie die Schutzmasken auflassen mussten, sehen die Schüler locker. „Natürlich ist es etwas schwieriger mit der Maske auf. Vor allem die Mimik geht dadurch leider total verloren. Aber wir haben uns mittlerweile alle damit abgefunden“, sagt die 18-jährige Annika Güntheroth.

Am Anfang konnten sie sich nicht entscheiden, ob sie das Stück eher traditionell wie das Original halten oder eine moderne Version entwickeln sollten, sagt Annika Güntheroth. „Jetzt am Ende sind wir aber alle sehr zufrieden.“ Sie entschieden sich für eine Interpretation mit modernen Elementen.

So betrachtet Woyzeck die Entwicklung der Dinge in dem Stück in einer Art Rückblick, als er bei seiner Therapeutin auf der Couch sitzend von seinen finanziellen Sorgen, der Eifersucht und letztendlich dem Mord an Marie berichtet. Diese Szenen finden in einer Nische neben der Bühne statt. Die einzelnen Rückblicke in die Vergangenheit spielen auf der Bühne der Aula. Die benötigten Requisiten haben die Schüler teilweise von zuhause mitgebracht. „Wir versuchen das Bühnenbild beim Darstellenden Spiel aber immer so schlicht wie möglich zu halten“, sagt Theiß.

Die Schüler waren nicht nur als Schauspieler auf der Bühne zu sehen, sondern auch hinter der Bühne tätig. Sowohl Licht als auch Musik regelten sie selbstständig.

Nach gut 20 Minuten endete die Aufführung mit einer unerwarteten Wendung. Lehrerin Kirsten Theiß ermutigte die rund 100 Zuschauer aus den anderen Klassen, Fragen zum Stück oder zum Kurs Darstellendes Spiel zu stellen. (hko)

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