Landgericht verurteilt 28-Jährigen

Bluttat in Bad Sooden-Allendorf: Zehn Jahre wegen Totschlags

Tatort: Im ersten Stock dieses etwas abseits an der Straße Kannhöhe in Bad Sooden-Allendorf stehenden Mehrfamilienhauses wurde der 55 Jahre alte Mann sehr wahrscheinlich in der Nacht zu Fronleichnam 2019 von einem 28-Jährigen erschlagen. Die Tat im Wohnzimmer (auf dem Foto links oben hinter den gekippten Fenstern) wurde erst fünf Tage später entdeckt, weil das Opfer seit Tagen von Bekannten vermisst wurde. 
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Tatort: Im ersten Stock dieses etwas abseits an der Straße Kannhöhe in Bad Sooden-Allendorf stehenden Mehrfamilienhauses wurde der 55 Jahre alte Mann sehr wahrscheinlich in der Nacht zu Fronleichnam 2019 von einem 28-Jährigen erschlagen. Die Tat im Wohnzimmer (auf dem Foto links oben hinter den gekippten Fenstern) wurde erst fünf Tage später entdeckt, weil das Opfer seit Tagen von Bekannten vermisst wurde. 

Zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren wegen Totschlags und drei Fällen von gewerblichem Betrug hat die 10. Strafkammer des Landgerichts Kassel am Freitag den Angeklagten im Prozess um die Bluttat von Bad Sooden-Allendorf verurteilt. Im Juni 2019 war ein 55 Jahre alter Mann in seiner Wohnung erschlagen worden.

Kassel/Bad Sooden-Allendorf – Mit ihrem Urteil folgte die Kammer im Wesentlichen dem Antrag des Verteidigers des 28-Jährigen. Er hatte eine Verurteilung wegen Totschlags – einschließlich ein Jahr für den Betrug – mit acht Jahren Freiheitsstrafe beantragt. Die Staatsanwältin hatte „lebenslänglich“ und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld – begründet mit der Brutalität der Tat – gefordert.

Ihrer Argumentation, es handele sich um einen Verdeckungsmord, weil der 55-Jährige zwei Tage vor der Tat erfuhr, dass ohne sein Wissen auf seinen Namen mehrere Handys und ein Laptop bestellt wurden, und er nun Anzeige gegen den – mehrfach vorbestraften und unter Bewährung stehenden – 28-Jährigen erstatten wollte, folgte das Gericht nicht.

Bezeugt ist, dass ein Streit zwischen den beiden befreundeten Männern am frühen Abend sich um eine auf den Schwanz getretene Katze des 55-Jährigen drehte. Warum sich – nach angeblichem Konsum verschiedener Drogen – später gestritten wurde, wisse man nicht. Der Angeklagte, der die Tat nicht abstreitet, kann oder will sich daran nicht erinnern. Und da eine Verdeckungsabsicht „nicht sicher festzustellen“ sei, so der Vorsitzende Richter Geisler, seien „vernünftige Zweifel geblieben“. Auch müsse ein anderes, weiteres Motiv als Verdeckung ausgeschlossen sein. Dies schließe eine Verurteilung wegen Verdeckungsmordes aus.

Allerdings stellte das Gericht eine vorsätzliche und massive Tötung des 55-Jährigen durch zwei Schläge vermutlich mit einem Hammer gegen den Kopf fest.

Strafmildernd erkannte das Gericht eine verminderte Schuldfähigkeit bei dem Angeklagten, weil er wohl in einem Rauschzustand zuschlug. Aufgrund dessen Mehrfachdrogensucht sei nicht auszuschließen, dass seine Steuerungsfähigkeit bei der Tat erheblich eingeschränkt gewesen sei.

In Übereinstimmung mit den Anträgen von Staatsanwältin und Verteidiger ordnete das Gericht die Unterbringung des 28-Jährigen in einer Entziehungsanstalt an – allerdings erst nach Verbüßung von drei Jahren Haft.

Das Urteil kann noch angefochten werden. (sff)

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