Route erfordert aber Eingriffe in Natur

Zufahrt zum Windpark bei Ziegenhagen könnte durch Wald führen

Wenn das RP den Antrag der Stadtwerke genehmigt, könnten sich weitere Anlagen über dem Kaufunger Wald drehen. Unser Bild zeigt den Windpark Hausfirste.
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Wenn das RP den Antrag der Stadtwerke genehmigt, könnten sich weitere Anlagen über dem Kaufunger Wald drehen. Unser Bild zeigt den Windpark Hausfirste. 

Eine Zufahrt abseits des Dorfs zum geplanten Windpark auf dem Steinberg bei Ziegenhagen wäre auf hessischem Gebiet möglich – durch einen Privatwald am Ziegenberg.

In einer E-Mail an den Ortsbeirat, die der HNA vorliegt, schildert Waldpächter Jan-Henrik Schulze-Steinen, dass Vertreter der Stadtwerke bei zwei Terminen vor Ort eine Zufahrt über die dortigen Waldwege geprüft haben. Einmal sei ein Vertreter der Spezialfirma für die Selbstfahrer dabei gewesen. Dieser habe eine Route durch diesen Waldabschnitt für möglich gehalten, so Schulze-Steinen. Es hätte nur weniger Arbeiten bedurft, die Kosten dafür seien überschaubar. Parallel sei die Route durchs Dorf geprüft worden. Da er von den Stadtwerken nichts mehr gehört habe, habe er im Dezember 2019 bei der Firma nachgefragt und gehört, dass sich die Stadtwerke auf die Dorf-Route konzentrieren wollten.

Magistrat gibt Grundstücke der Stadt für Weg frei

Sie wurde indes erst möglich, als der Magistrat am 24. Februar die Überfahrt über zwei städtische Grundstücke am Waldrand erlaubte.

Stadtwerke lehnen Alternativroute ab

Stadtwerke-Chef Thomas Meil bestätigt das auf Anfrage. Man sei verpflichtet, die Zufahrt mit den geringsten Umwelteingriffen zu nutzen. Sonst gebe es keine Genehmigung durch das RP. Daher habe man ursprünglich durch Niedersachsen gehen wollen, wo die wenigsten Eingriffe nötig wären, sagt Bürgermeister Daniel Herz. Die Route durch Ziegenhagen sei von Anfang an angedacht, aber auch von den Stadtwerken nicht gewollt und daher lange nicht geprüft worden.

Da bei der Alternativstrecke durch den Privatwald einzelne Kurven erweitert und Bäume gefällt werden müssten und sie viel länger wäre, sei die Dorf-Route für die Natur eingriffsärmer und würde deshalb verfolgt, sagt Meil. Ums Geld für Ausbau und Nutzung ginge es dabei nicht. Man habe sich darauf konzentriert, was technisch machbar und genehmigungsfähig sei. Schulze-Steinen bestätigt auf Anfrage, dass er mit den Stadtwerken noch nicht über Wegenutzungsgebühren verhandelt habe.

Meil geht derzeit davon aus, dass sich das Projekt durch den Selbstfahrer-Einsatz nicht verteuert, da in der Zwischenzeit die Baukosten für Windräder gesunken seien. Insgesamt seien 30 bis 35 Millionen Euro für das gesamte Projekt veranschlagt.

Am Brandschutzkonzept wird noch gearbeitet

Wer soll bei einem Feuer den Windpark Steinberg löschen, wenn die Zufahrt über Ziegenhagen erfolgt – wo die Wehr vor Ort nur ein Löschgruppenfahrzeug mit 600-Liter-Wassertank hat? Noch stehe das Brandschutzkonzept nicht fest, sagt Meil. Sobald man Vorschläge habe, würde man sie der Wehr vorlegen. Er geht davon aus, dass die Windräder – wie bei anderen Windparks der Stadtwerke-Union Nordhessen – mit eingebauten Löscheinrichtungen für den Erstangriff ausgestattet werden. Für den Einsatz der Wehr könnten zudem Zisternen gebaut werden. Die Zehn-Minuten-Hilfsfrist gilt laut Hessischer Feuerwehr-Organisationsverordnung nicht für weit entfernt liegende Einzelobjekte

Anlieger müssen nicht zahlen

Sollte die Dorfstraße durch den Baustellenverkehr beschädigt werden, würden die Anlieger dafür nicht zur Kasse gebeten, verspricht Meil. Die Projektträger müssten die Straße auf eigene Kosten in den vorher dokumentierten Zustand zurückversetzen, sagt Herz. Die Stadt müsse den Schwertranport auf der öffentlichen Straße genehmigen, wenn ein Konzept für Rettungswageneinsätze in der Bauphase vorliege. Das sei der Fall. 

Das Parlament habe seine Grundsatzentscheidung für den Windpark vor Jahren gegeben, es müsse nicht mehr einbezogen werden. Niemand wolle in Zeiten von Corona etwas heimlich durchdrücken, betont Herz, der für die neuen Pläne viel Kritik in Pressemitteilungen, Leserbriefen, Online-Kommentaren und sozialen Medien einstecken musste. Nach der Krise werde der Infoabend nachgeholt.

Kontakt

Wer noch keine Infopost erhalten oder Fragen hat, mailt an Ziegenhagen@sun-stadtwerke.de

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