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Bei Hornel: Wölfe jagen trächtige Zebukuh

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Von: Stefanie Salzmann

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Gelten eigentlich als wehrhaft: Zebus. In der Nacht zum Sonntag sind vier Wölfe in die Weide der Zebu-Herde bei Hornel eingedrungen und haben ein Tier, die schwarz-weiße Elsa (hinten links), verfolgt.
Gelten eigentlich als wehrhaft: Zebus. In der Nacht zum Sonntag sind vier Wölfe in die Weide der Zebu-Herde bei Hornel eingedrungen und haben ein Tier, die schwarz-weiße Elsa (hinten links), verfolgt. © Svenja Böttner

Hornel – Vier Wölfe sind in der Nacht zum vergangenen Sonntag in eine mit vier Litzen Strom umzäunte Weide nahe Hornel eingedrungen und haben eine hochträchtige Mutterkuh gejagt.

Auf der Weide stand eine Herde der Zebu-Wildrinder mit vier Kühen, einem Bullen und zwei Kälbern. Nur das letztlich martialische Eingreifen des Landwirtes Tobias Wagner, der mit seinem Pick-up den Weidezaun durchbrach und auf das jagende Wolfsrudel zufuhr und dabei hupte und mit den Scheinwerfern blinkte, veranlasste die Wölfe nach etwa zehn Minuten zum Abzug.

Zuvor an dem Abend war die Halterin der Zebus, Svenja Böttner, gegen 22.30 Uhr zu der Weide gefahren, um dort noch mal nach dem Rechten zu sehen. Denn in der vergangenen Woche waren täglich die Zäune im Eingangsbereich zu der vier Hektar großen Weide kaputt gewesen.

„Das fand ich komisch, weil ich weiß, dass die Zebus einen Mordsrespekt vor dem Strom haben“, sagt sie. Das habe aus ihrer Sicht nur bedeuten können, dass die Tiere in Panik geraten waren. „Ich habe auch gemerkt, dass die Zebus sehr nervös waren.“

Laut geschrien und gehupt

Als Svenja Böttner am Samstagabend zur Weide kommt und durch ihre Wärmebildkamera schaut, kann sie die Herde zunächst nicht sehen, entdeckt sie dann aber zusammengedrängt in einer Senke und stellt fest, dass ein Tier fehlt. Das sieht sie dann an einem Hang traben, gefolgt von drei Wölfen, die der Kuh folgen. Die Kuh namens Elsa ist hochträchtig, hat nicht nur Hörner, sondern wiegt auch um die 500 Kilo.

„Ich habe laut geschrien und gerufen und gehupt, aber die Wölfe haben sich überhaupt nicht stören lassen bei ihrer Jagd“ berichtet Svenja Böttner. Sie informiert zuerst den Jagdaufseher Andreas Weber und fährt zurück in den Ort, um ihren Lebensgefährten Tobias Wagner zur Hilfe zu holen. Wagner überrollt dann mit seinem Pick-up den unter 10.000 Volt stehenden und 1,40 Meter hohen Zaun und kann die Wölfe so in die Flucht schlagen.

Jagdaufseher Weber beobachtet das Geschehen ebenfalls durch eine Wärmebildkamera. „Man konnte die der Kuh folgenden Tiere eindeutig als Wölfe erkennen, die haben eine sehr eigene Art zu laufen“, sagt Weber, der seit 25 Jahren das dortige Revier betreut. Ob es sich um junge oder ausgewachsene Wölfe gehandelt habe, sei auf die Entfernung nicht auszumachen gewesen.

Wache bei der Herde

Nachdem die Wölfe weg waren, entscheidet sich Svenja Böttner, noch bei der Herde zu wachen. Mit Hund Emil sitzt sie bei der Herde im Auto und öffnet alle 15 Minuten das Fenster, um zu lauschen und durch die Wärmebildkamera zu schauen, ob die Wölfe zurückkehren. Bis zwei Uhr morgens ist alles still, doch dann wird Hund Emil unruhig. Als sie die Autoscheibe öffnet, ist lautes Wolfsgeheul zu hören. „Das hat ungefähr 20 Minuten angedauert, dann war Ruhe“, sagt sie. Ein kurzes Video, das sie aufnimmt, wurde auch über das Bürgerschaftliche Infonetzwerk Wolf veröffentlicht. Um vier Uhr morgens beendet sie ihre Wache. Am Sonntag brachte das Paar dann die Herde in den Stall. „Seitdem steht die Kuh, die in den nächsten Tagen kalben wird, zitternd im Stall und verweigert das Fressen.“

Weitere Wolfsichtungen der vergangenen Tage 

Beinahe täglich werden in der Region vom Stölzinger Gebirge bis hin zum Hohen Meißner Wölfe gesichtet. So wurden im Revier Hasselbach in den vergangenen Wochen mehrfach vier junge Wölfe an einer Wasserstelle von einer Wildkamera fotografiert. Am vergangenen Samstag wurden nahe einer Rinderherde bei Harmuthsachsen am Wollstein zwei Wölfe fotografiert. Am Sonntag wurde an der gleichen Stelle ein Wolf gesichtet. Am Sonntagvormittag, 6. November, hatte eine Frau fünf Wölfe bei Waldkappel gesehen, zur gleichen Zeit war ein Förster bei Bischhausen im Wald auf weitere drei Wölfe gestoßen (WR berichtete). Auch bei Vierbach wurden in den vergangenen Wochen insgesamt drei Wolfsrisse entdeckt, zwei davon hat das HLNUG bestätigt. Der dortige Pächter hat jetzt die Fährten von drei Wölfen ausgemacht. 

Von Stefanie Salzmann

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