Zahlen und Fakten über den Wolf 

Wölfe in Nordhessen: Eine Wölfin tötet sieben Tiere

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Die Wolfspopulation steigt: 105 Wolfsrudel, 25 Wolfspaare sowie 13 sesshafte Einzelwölfe sind in Deutschland bestätigt. Das geht aus neuen Erhebungen vom 2. Dezember hervor, die durch das Bundesamt für Naturschutz zusammengeführt wurden. 

Er löst Entzücken ebenso wie Furcht und Sorge aus: der Wolf. Das Raubtier ist wieder heimisch in Deutschland und auch in unserer Region angekommen. Eine Bilanz der Ereignisse. 

Werra-Meißner/ Hersfeld-Rotenburg – Aktuell gibt es 105 Wolfsrudel in Deutschland. Das geht aus den neusten Erhebungen von Anfang Dezember hervor. Diese Zahlen wurden durch das Bundesnaturschutzamt (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) zusammengefasst und bestätigt.

Neben den 105 Rudeln sind weitere 25 Wolfspaare sowie 13 sesshafte Einzelwölfe für das Monitoringjahr 2018/19 bestätigt. Im vorhergehenden Jahr wurden 77 Wolfsrudel, 40 Paare und drei einzelne Wölfe nachgewiesen.

Wölfe: Zahlen aus Hessen

Susanne Jokisch, Wolfsexpertin des Hessischen Landesamtes für Naturschutz bestätigt für dieses Jahr bisher acht Wölfe in Hessen, deren Anwesenheit anhand genetischer Untersuchungen nachgewiesen wurde. Darunter seien zwei männliche Tiere und sechs weibliche. „Zwei der weiblichen Wölfe (Fähen) sind inzwischen an Straßen verunfallt und daher sicher nicht mehr am Leben“, sagt Susanne Jokisch.

Die Prognose der Wolfsexpertin: Voraussichtlich Anfang 2020 werde es das erste sogenannte Wolfsterritorium in Hessen geben – das heißt, dass ein Tier in einem Zeitraum von sechs Monaten in einem Gebiet genetisch nachgewiesen werden konnte.

Nordhessen: Kritik von Jagdverband

Der Deutsche Jagdverband (DJV) kritisiert die nun vorgelegten Daten am 6. Dezember, da sie nicht den aktuellen Stand wiedergeben würden: Die Zahlen seien bereits über ein halbes Jahr alt und berücksichtigten den Nachwuchs vom Frühsommer dieses Jahres nicht. Das Monitoring sei nicht nachvollziehbar und einer der Gründe, warum das Vertrauen in die bundesweiten Populationsdaten zunehmend schwinden würde. „Wir fordern künftig eine zeitnahe und an der realen Situation ausgerichtete Informationspolitik“, so Helmut Dammann-Tamke, Vizepräsident des DJV.

Sichtungen in Region

Geschossen wurde dieses Bild am 22. Oktober um 13 Uhr in Burghofen. Drei Wochen zuvor filmte ein Landwirt in unmittelbarer Nähe in Schemmern einen Wolf.

Am 2. Oktoberfilmte Landwirt Andreas Brandau einen Wolf im Scheinwerferlicht seines Treckers beim Waldkappeler Ortsteil Schemmern. Am 9. Oktober sah ihn eine Frau im Wald bei Stolzhausen. Am 19. Oktober um 13 Uhr wurde der Wolf in Burghofen fotografiert. Am 24. Oktober sichtete Lucas Wetzel aus Burghofen einen Wolf. Am gleichen Abend gelang Landwirt Martin Werkmeister in Berneburg eine Fotoaufnahme des Wolfes. Während der Mann mit einer Maschine auf seinem Feld arbeite, näherte sich ihm der Wolf ohne erkennbare Scheu bis auf 20 Meter. Am 30. Oktober wurde ein Wolf am Ortseingang von Gehau gesichtet. Auf einer Treibjagd in Landefeld soll ein Wolf am 16. November aus dem Treiben gelaufen sein. Am 22. November gegen 16.30 Uhr hat Edda Eberth einen Wolf am Dorfrand von Schemmern gesehen.

Nicht bestätigte Fälle

Bei Schemmern, Gehau und Stolzhausen wurden seit August sieben Stück Rotwild und ein Wildschwein gerissen aufgefunden. Zwar wurden die Fälle mit Bildern festgehalten, jedoch informierten die Rissfinder keinen Gutachter. Somit wurden keine DNA-Proben entnommen. Jäger, Landwirte und Weidetierhalter gehen von deutlich mehr Wölfen in der Region aus, als von amtlichen Behörden bisher bestätigt wird. Hessen-Forst, der Betrieb, der den größten Waldanteil in Hessen bewirtschaftet, hat bisher am wenigsten Risse gemeldet. „Wölfe sind von Natur aus scheu. Bei der Arbeit sind unsere Mitarbeiter in der Regel auffällig im Wald unterwegs“, sagt der Leiter von Hessen Forst, Michael Gerst. Daher kämen seine Mitarbeiter bisher nicht mit dem Tier in Berührung.

Rissgutachter Hessen

„Es ist wichtig, dass wir informiert werden bei möglichen Wolfsrissen, Fährten, Sichtungen oder Aufnahmen, damit die Wolfspopulation transparenter wird“, erklärt Wolfsberater Dr. Wolfgang Fröhlich. Bei einem möglichen Verdacht solle man sich zuerst an ihn oder seinen Kollegen Dieter Sellemann wenden. Gerade bei Rissen sei es wichtig, dass zeitnah eine Probe entnommen werde, um sie genetisch untersuchen zu lassen. „Fotografieren Sie Hinweise, notieren Sie den Fundort, decken Sie gerissene Tiere ab und vermeiden Sie, dass Menschen oder andere Tiere den Fundort zertrampeln und die Analyse erschweren.“ Wichtig sei es, dass das Thema nicht verheimlicht, sondern offen damit umgegangen werde.

Wolfsrisse in der Region in 2019 

Die nachfolgenden Wolfsnachweise wurden vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie vom Wolf bestätigt anhand durchgeführter Genanalysen von fachkundigen Wolfsbeauftragten. Drei der genbestätigten Tierrisse stammen von derselben Wölfin mit der Laborbezeichnung GW1409f.

  • 1. August, Herlefeld: Ein totes Alttier mit Bissspuren an Hals und Körper fanden Spaziergänger auf einer Wiese neben der Stölzinger Straße in der Nähe von Herlefeld. Die Wölfin mit der Laborbezeichnung GW1409f riss das Tier.
  • 4. Oktober, Dens: Landwirt Christof Schäfer fand die Kadaver von dreien seiner Schafe, ein viertes musste eingeschläfert werden und mehrere wurden verletzt. Der Landwirt hat bereits Konsequenzen gezogen. Seine rund 140 Schafe sind nun im Stall und sollen dort bis zum Frühjahr bleiben. Wölfin GW1409f riss die Tiere. . 14. Oktober, Seifertshausen: Auf einer Weide bei Seifertshausen im Haselgrund sind zwei Schafe gerissen worden. Dazu brach die gesamte Herde von Schafhalter Martin Schmidt von ihrer Weide aus. Wieder riss Wölfin GW1409f die Schafe.
  • 30. Oktober, Herlefeld: Schäfer Anton Göbel aus Herlefeld fand auf seiner Weide eins seiner Schafe tot auf, weitere wurden verletzt. Der Rest seiner Schafsherde und Kühe von der Nachbarweide brachen vor Schreck aus. Die Kühe wurden nach nächtelanger Suche erst am folgenden Morgen wiedergefunden. Welcher Wolf das Schaf riss, ist noch unklar.
  • 2. November, Berneburg: Ein gerissenes Schaf fand der Nebenerwerbslandwirt Martin Schmidt auf seiner Weide zwischen Berneburg und Hübenthal. Der Dankeröder Bauer ist auch Besitzer der kürzlich bei Seifertshausen nachweislich von einem Wolf getöteten Schafe. Welcher Wolf das Schaf riss, ist noch unklar.

Von Carolin Eberth 

Offiziell gibt es in Hessen noch keinWolfsterritorium, doch das könnte sich im Bereich des Stölzinger Gebirges bald ändern. Dort gab es zuletzt sechs genetisch bestätigte Risse.

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